Du musst dein Leben ändern. Du musst dein Ändern leben.

Rilke hat das gesagt. Rainer Maria Rilke.
Ich liebe ihn ja. Naja, nicht ihn, aber vieles was er geschrieben hat. Ich mag es, ihn zu lesen. Sehr sogar. Und er spricht mir so oft aus dem Herzen. Ich denke so oft, dass er recht hat mit seiner Sicht auf die Dinge.

Du musst dein Leben ändern. Er sagt „du“ und er meint mich. MICH. Ich habe seit langem gewusst, dass ich etwas ändern muss. Sollte. Müsste. Es gibt viele Ausreden, aber schlussendlich sind es keine. Es sind Gründe und die haben ihre Berechtigung, auch wenn sie nicht immer jeder versteht. Ich hatte sehr viel Angst. Angst… vor verschiedenen Dingen, die jetzt auch sowieso egal sind. Denn diese Angst war nicht unbegründet. Ich bin jetzt mittendrin in dieser Veränderung, mittendrin in dieser Situation, die mir so grosse Angst gemacht hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Angst vor dem Unbekannten meistens grösser und unheimlicher ist als die Angst vor dem Bekannten. Ich kann mit Klarheit immer besser umgehen als mit konfusen Dingen.

Ich habe Klarheit. Ich kenne meine Situation. Und ich muss sagen, sie gefällt mir nicht. Ich hätte sie mir nie so ausgesucht, wenn ich hätte wählen können. Angst habe ich nicht mehr soooo viel. Manchmal fast keine mehr und manchmal wieder ganz schön viel. Ich schwanke zwischen „Freuen auf das was kommt“ und “ absoluter Panik, ob ich das alles schaffen werde“. Je nach Stimmung, je nach Situation, es ist ein wenig unberechenbar, wenn ich ehrlich bin.
Wenn Klarheit herrscht, kann man aber damit beginnen, Ängste abzubauen. Ich habe das gemacht, indem ich Perspektiven aufgebaut habe. Zukunftsperspektiven. Wenn die Situation klar ist, ist sie sozusagen die Hülle eines Dings. Die Hülle meines Lebens, könnte man wohl sagen. Und diese Hülle ist dann aber immer noch gefüllt mit Unklarheit. Nun gilt es, diese Schritt für Schritt in Klarheit umzuwandeln, eins nach dem andern. Wohnsituation klären, finanzielle Situation klären, Befindlichkeit aufbauen, herausfinden, wer in der Krise bzw. in der neuen Situation zu mir hält usw. Das sind sehr existentielle Dinge. Überlebenswichtige! Sehr vieles muss geklärt und geplant werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Vielleicht muss der Kopf zuerst klarer werden, das Herz ein wenig leichter, denn die Zukunft will mit klarem Verstand geplant werden. Weil sie wichtig ist.
Je mehr klar ist, desto kleiner werden dann damit auch die Ängste. Klarheit nimmt ihnen sozusagen die Luft zum Atmen und gibt sie uns zurück.
Das läuft eigentlich ziemlich gut. Den Umständen entsprechend sogar wirklich gut, muss ich sagen. Ein bisschen Auf und Ab darf durchaus noch sein, schliesslich hat sich gerade das ganze Leben gerüttelt und geschüttelt und ein leichter Schwindel ist noch da. Bisschen.

Du musst dein Leben ändern…. Das kann man schon so sagen. Oder denken. Das ist einfach. Wieviele denken das und setzen es dann auch gleich einfach so mal um? Ich glaube, nur wenige. Die meisten ändern es erst dann, wenn ihnen von ihrem Leben ein kräftiger Arschtritt verpasst wird. Und auch dann nur, weil man muss. Wenn man hinein geschubst wird. Nein, nicht geschubst, das ist zu sanft. Geworfen. Und hinter einem alles brennt, damit man nicht mehr zurück kann. DANN geht man weiter, direkt auf die eigene Angst zu, um sich von ihr verschlingen zu lassen…

Du musst dein Ändern leben… Ich glaube, das kann man dann sagen, wenn man mittendrin ist in einer Veränderung. Da gibt es nicht mehr so viel Gewohntes, woran man sich festhalten könnte. Sicherheiten fallen weg und müssen zuerst wieder konstruiert und gefestigt werden. Manchmal glaube ich, wenn vieles rundherum sich verändert… die Familie, das Wohnen und damit wohl die wichtigsten zwei Standbeine, die so ein Mensch hat… dann sind die anderen Dinge eines Lebens, die noch stabil sind, die Rettungsringe ohne die wir vielleicht nicht überleben würden. An denen halten wir uns fest und wenn wir nicht stark genug sind dafür, halten sie uns fest. So lange wie nötig. So lange, bis wir uns andere Standbeine aufgebaut haben und wieder stabiler stehen.

Und dann leben wir unser Ändern. Und ändern unser Leben. Und Schritt für Schritt wird alles wieder besser. Gut.

So ist das Leben. Einmal werden wir festgehalten und brauchen das auch ganz dringend und ein anderes Mal halten wir jemanden ganz fest. Es heisst Hilfsbereitschaft und ist etwas Schönes.

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