
Manche Menschen fürchten Spinnen, andere Höhen, enge Räume oder Gewitter. Und dann gibt es Menschen, die Angst vor etwas haben, das wir jeden Tag ganz selbstverständlich benutzen, zB vor Spiegel.
Der Begriff Eisoptrophobie bezeichnet die Angst vor Spiegeln oder Spiegelbildern. Das Wort stammt aus dem Griechischen. „Eisoptron“ bedeutet Spiegel, während „Phobos“ für Angst steht.
Auf den ersten Blick mag das ungewöhnlich klingen. Schliesslich hängen Spiegel in fast jeder Wohnung. Wir begegnen ihnen im Badezimmer, in Schaufenstern, in Aufzügen oder im Vorbeigehen in einer Fensterscheibe. Doch für Menschen mit Eisoptrophobie kann genau das sehr belastend und beängstigend sein.
Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen empfinden grosses Unbehagen beim Blick auf ihr eigenes Spiegelbild. Dahinter können Unsicherheiten, ein negatives Selbstbild oder belastende Erfahrungen stehen.
Andere fürchten sich weniger vor ihrem Aussehen als vor dem Spiegel selbst. In vielen Kulturen und in alten Überlieferungen gelten Spiegel als geheimnisvolle Objekte. Sie wurden oft mit Geistern, anderen Welten oder übernatürlichen Kräften in Verbindung gebracht. Solche Vorstellungen können Ängste verstärken oder sogar auslösen.
Eigentlich finde ich Spiegel ziemlich faszinierend, wenn ich es mir genau überlege. Sie zeigen uns nicht nur unser Gesicht, sondern auch etwas über die Beziehung, die wir zu uns selbst haben.
Manche Menschen betrachten ihr Spiegelbild kaum, andere suchen darin ständig nach Fehlern. Wieder andere können sich selbst freundlich ansehen und einfach akzeptieren, was sie sehen oder stehen gar selbst-bewundernd stundenlang davor.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Besonderheit von Spiegeln. Sie reflektieren nicht nur unser Äusseres. Oft spiegeln sie auch unsere Gedanken, unsere Selbstwahrnehmung und die Art, wie wir mit uns selbst umgehen.
Wenn ich über Eisoptrophobie nachdenke, frage ich mich deshalb, ob die Angst manchmal gar nicht dem Spiegel gilt, sondern mehr dem, was wir in ihm sehen, was wir in ihn hineininterpretieren.
Der schwierigste Blick im Leben ist ganz oft nicht der in die Augen eines anderen Menschen, sondern der Blick auf uns selbst…


Hinterlasse einen Kommentar