
Es war ein ruhiger Nachmittag im Garten. Arja knabberte an einem Löwenzahnblatt, Tina lag in der Sonne und genoss die Wärme auf ihrem Fell. Jimmy schnupperte neugierig zwischen den Blumen herum, in der Hoffnung, etwas Leckeres zu finden.Plötzlich blieb er stehen.
„Ähm … kommt mal schnell!“
Arja und Tina eilten herbei.
Zwischen den Grashalmen wuchs eine Blume, die sie noch nie zuvor gesehen hatten. Ihre Blütenblätter schimmerten silbern und violett zugleich. Und mitten in der Blüte drehte sich etwas wie eine winzige Uhr.
Tick…
Tick…
Tick… hörten sie leise.
„Die habe ich noch nie gesehen“, sagte Tina.
Jimmy beugte sich näher.
In diesem Moment löste sich goldener Blütenstaub und kitzelte in seine Nase.
„Hatschi!“
Ein heller Wirbel aus Gold, Glitzer und Licht entstand um die drei herum. Der Garten begann sich zu drehen.
Die Farben verschwammen. Die Welt wurde zu einem einzigen bunten Kreis.
Dann wurde plötzlich alles still.
Die drei standen wieder im Gehege, als ob gar nichts passiert ist. Aber irgendetwas war anders. Sehr anders!
Das Häuschen war nicht dasselbe. Der Weidentunnel stand an einer anderen Stelle. Und dort drüben …
Arja riss die Augen auf.
„Seht ihr das auch?“
Vor ihnen sass ein schneeweisses Meerschweinchen! Es hatte ein ganz weiches, helles Fell und freundliche Augen.
„Hallo!“ sagte es fröhlich. „Ich bin Luna.“
Tina blieb der Mund offen stehen. „Luna?“
Gleich daneben sass ein wunderschönees Meerschweinchen mit einem Fell, das schwarz, weiss und braun war. „Und ich bin Lotti!“
Aus dem Häuschen kam noch ein weiteres Meerschweinchen. Etwas strubbelig, schüchtern und doch mit einem neugierigen Blick. Er sagte, er heisse Luki.
„Aber seid denn ihr?“ fragte er.
Die drei Superhelden konnten kaum glauben, was sie sahen. Sie hatten die Geschichten über Luna und Lotti schon oft gehört. Das waren die allerersten zwei Meerschweinchen, die hier bei der Menschen-Mama und dem Menschen-Kind wohnten. Sie wussten, dass Luna krank war und noch ganz jung gestorben ist. Dann kam Luki dazu und später dann Tina, so dass Lottti nicht alleine blieb. Tina erkannte Luki natürlich sofort und ihre Freundin Lotti sowieso. Natürlich erinnerten sich auch Arja und Jimmy an Lotti, denn als sie in die Familie kamen, war Lotti noch da.
Nun standen sie tatsächlich vor ihnen. Lebendig und fröhlich, voller neugier. Aber warum? Und wie konnte das sein?
„Wir sind Freunde aus der Zukunft“, sagte Arja schliesslich.
Die anderen sahen sie erstaunt an.
„Aus der Zukunft?“
„Ganz genau“ sagte Tina.
„Das ist eine lange Geschichte und wir verstehen sie selber nicht so ganz…“
Die sechs Meerschweinchen verbrachten den ganzen Nachmittag miteinander. Sie flitzten durch Tunnel, versteckten sich hinter Häuschen und knabberten gemeinsam Gurke und Salat.
Luna erzählte lustige Geschichten und Lotti brachte alle zum Lachen. Luki war genauso neugierig und süss wie ihr Jimmy.
Es fühlte sich an, als würden sie sich schon immer kennen. Und irgendwie stimmt es ja auch…
Als die Sonne langsam tiefer sank, setzte sich Luna neben Arja.
„Weisst du“ sagte sie leise „manchmal gehen Freunde fort. Aber das bedeutet nicht, dass sie verschwunden sind.“
Arja blickte sie überrascht an. „Was meinst du?“
Luna lächelte.
„Wer geliebt wird, bleibt immer ein Teil der Geschichte.“
Bevor Arja etwas antworten konnte, begann plötzlich etwas zu leuchten. Die silber-violette Blume war wieder erschienen, mitten im Gras.
Tick…
Tick…
Tick…
Die Zeitblume erinnerte Tina, Jimmy und Arja daran, dass es Zeit war, wieder in ihre Zeit zu reisen.
„Oh nein“ sagte Tina. „Wir müssen schon gehen.“ Es tat ihr weh, sich wieder trennen zu müssen. Besonders von Lotti…
Lotti spürte das und eigentlich ging es ihr ganz ähnlich. Sie stupste sie liebevoll mit der Nase an.
„Dann nehmt etwas mit.“
„Was denn?“ fragte Tina.
„Die Erinnerung.
„Und erzählt von uns. Hört nie auf, von uns zu sprechen und zu erzählen, denn so bleiben wir bei euch, auch wenn wir nicht mehr da sind.“ sagte Luki.
Und so verabschiedeten sich die Meerschweinchen voneinander. Dann wirbelte wieder goldenes Licht um die drei Superhelden. Der Garten verschwamm, die Farben tanzten… Und plötzlich waren sie wieder zu Hause.
Alles war wie zuvor. Das Häuschen war wieder ihres und der Tunnel war wieder am richtigen Ort. Die Blumen, der Himmel… alles wieder im Jetzt.
„Ist das wirklich passiert?“ fragte Tina.
Jimmy wollte gerade antworten, da bemerkte er etwas im Gras. Da war diese silber-violette Blume. Wunderschön war sie, aber das Zifferblatt darin war verschwunden.
Die drei sahen sich an. Sie mussten lächeln. Vielleicht war es ein Traum gewesen, Fantasie oder doch Magie?
Oder vielleicht hatte die Zeitblume ihnen gezeigt, dass manche Freunde niemals ganz verschwinden. Wer geliebt wird, lebt in Erinnerungen weiter. In Geschichten, die wir einander erzählen und in den Gefühlen, die diese Erinnerungen in uns auslösen. Und manchmal genügt das, um sich wieder ganz nah anzufühlen.
ENDE.



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