Die drei kleinen Superhelden und die vielen hungrigen Mäuler


Es war ein warmer Morgen im Garten. Die Sonne schimmerte durch die Blätter des alten Baumes im Gehege und es roch ein wenig nach frischer Erde und Löwenzahn. Arja lag ausgestreckt im Gras, Tina knabberte an einem Gänseblümchen und Jimmy sass auf seinem Lieblingsstein und beobachtete die Welt.

Da hörte Tina plötzlich etwas.
„Piep! Piep! Piep!“

Sie hob den Kopf. „Habt ihr das auch gehört?“
Die drei schauten nach oben. Am Baum hing das kleine Vogelhäuschen, das die Menschenmama vor langer Zeit dort befestigt hatte. Oh, es war ja bewohnt!!
Eine kleine, blau-weisse Vogelmama flog heran, etwas im Schnabel. Kaum war sie im Häuschen verschwunden, hörte das Gepiepse auf und sie kam schon wieder heraus. Im nächsten Moment landete auch der Vogelpapa mit einem winzigen Würmchen.
Es war ein Kommen und Gehen.
Aus dem Häuschen hörte man ununterbrochen lautes Piepsen.

„Oh je“ murmelte Arja leise. „Da drin müssen ja ganz viele kleine Vogelbabys mit einem Riesenhunger sein.“
Jimmy schaute mit grossen Augen nach oben. „Die Eltern haben ja richtig Stress.“

Tatsächlich flogen die beiden Vögel ohne Pause hin und her. Mal brachten sie kleine Raupen, mal Würmchen, mal winzige Insekten. Und jedes Mal warteten oben diese hungrigen piepsenden Stimmchen.

Tina wurde ganz still.
„Stellt euch mal vor“ sagte sie leise, „jedes einzelne Baby hat Hunger. Und sie können immer nur ein kleines Würmchen bringen.“
Die drei sassen eine Weile da und hörten zu.
Piep. Piep. Piep.

Dann sprang Jimmy plötzlich auf. Sein kleiner, goldener Stern-Anhänger wackelte dabei hin und her.
„Wir helfen!“
„Aber wie denn?“ fragte Arja.

Jimmy zeigte auf den Boden unter dem Baum. „Wir könnten doch kleine Würmchen und Raupen suchen und sie dort hinlegen. Dann müssen die Vogeleltern vielleicht nicht ganz so weit fliegen.“

Tinas Augen leuchteten sofort. „Das ist eine super Idee!“

Also machten sich die drei kleinen Superhelden an die Arbeit.
Arja suchte vorsichtig zwischen den Blättern nach kleinen Raupen. Tina entdeckte unter einem Stückchen Holz winzige Würmchen. Und Jimmy fand sogar ein paar kleine Käferchen im feuchten Gras.

Ganz vorsichtig legten sie alles unter den Baum.
Nicht zu nah, denn sie wollten die Vogelfamilie ja nicht erschrecken.
Dann warteten sie.

Und tatsächlich, wenig später landete der Vogelpapa unten im Gras. Erst hüpfte er vorsichtig hin und her und flatterte mit den Flügeln. Dann entdeckte er die kleinen Geschenke.
Er schnappte sich eines. Dann noch eines. Und flog blitzschnell zurück ins Häuschen.

„Er hat es gefunden!“ jubelte Tina aufgeregt.
Die drei kleinen Superhelden schauten nach oben und kurz darauf hörten sie wieder das ungeduldige, laute Piepsen der Vogelbabys.
Dieses Mal mussten sie alle lachen.

Den ganzen Nachmittag halfen sie mit. Immer wieder suchten sie kleine Sachen für die Vogeleltern. Obwohl die beiden Vögel immer noch unglaublich beschäftigt waren, wirkte alles plötzlich ein kleines bisschen leichter. Es schien auch, als hätten die Vogeleltern keine Angst mehr vor ihnen, sie waren nicht mehr so aufgeregt und unruhig wie am Anfang.

Am Abend färbte die Sonne den Himmel gold-orange.
Die Vogelmama sass kurz vor dem Häuschen und sang ein leises Lied. Die kleinen Stimmen darin waren nun ruhiger geworden.
Arja kuschelte sich ins Gras.
„Wisst ihr“ sagte sie leise, „manchmal sind die kleinsten Hilfen die grössten.“
Jimmy nickte.
Und Tina schaute hinauf zum Vogelhäuschen und lächelte, denn irgendwo dort oben, zwischen Holz, Federn und kleinen piepsenden Stimmen, war eine winzige Vogelfamilie satt und geborgen eingeschlafen.

ENDE.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.