Schöne Worte — Agathismus


Agathismus.
Ein Wort, das klingt, als entstamme es ganz alten Büchern, aus staubigen Bibliotheken, aus Gesprächen über Philosophie, Hoffnung und die grossen Fragen des Lebens.

Der Ursprung liegt tatsächlich im Griechischen. Das Wort leitet sich von agathós ab, was gut bedeutet.

Agathismus beschreibt die philosophische Vorstellung, dass am Ende — trotz allem Leid, trotz Chaos, trotz Ungerechtigkeit — letztlich etwas Gutes entsteht oder dass sich alles irgendwann zum Guten hin entwickelt.

Nicht, weil alles gut ist, sondern weil das Gute am Ende stärker sein soll als das Dunkle. Und ich finde, genau das macht dieses Wort so besonders und eigentlich auch so wichtig.
Agathismus ist kein naiver Optimismus, wie zB „Alles passiert aus einem Grund“ oder „Denk einfach positiv“, was ich ehrlich gesagt, manchmal als etwas toxisch empfinde. Das wäre zu einfach und auch zu weit weg von der echten Welt.

Agathismus schaut das Schwierige an.
Das Schwere.
Den Schmerz.
Das Verzweifeln.
Und sagt trotzdem leise: Vielleicht ist das Ende der Geschichte noch nicht erreicht.

Vielleicht ist genau das Hoffnung.
Nicht das Leugnen von Dunkelheit, Schwierigkeit, Schwere und Überforderung, sondern die Weigerung zu glauben, dass sie das letzte Wort hat.

Ich glaube, viele Menschen tragen diesen Gedanken in sich, ohne das Wort dafür zu kennen.
Wenn jemand nach schweren Jahren plötzlich wieder lachen oder darüber reden kann, ohne zusammenzubrechen.
Wenn auch wieder Platz da ist für andere Gedanken.
Wenn aus Verlust Mitgefühl und Verbundenheit entsteht.
Wenn Menschen trotz allem weich und herzlich bleiben in einer Welt, die es zum Ziel zu haben scheint, sie hart zu machen.

Vielleicht ist Agathismus auch die Entscheidung, sich vom Leben nicht vollständig verbittern zu lassen bzw wenn es geht, gar nicht.
Nicht blind zu sein für das Schlechte, aber offen zu bleiben für das Gute. Das Wissen, dass Licht überall durchscheinen kann, wo es auch einen noch so kleinen Spalt hat.

Ich mag diesen Gedanken und ich muss sagen, er entspricht mir auch sehr.
Das Wissen, dass mitten im Chaos noch die Möglichkeit existiert, dass etwas Heilsames daraus wachsen könnte und dass wir selbst dies ganz fest in der Hand haben.

2 Antworten zu „Schöne Worte — Agathismus“

  1. Du schreibst mir aus der Seele. „Nicht, weil alles gut ist, sondern weil das Gute am Ende stärker sein soll als das Dunkle.“ – Nach mindestens zwei Jahre Dunkelheit könnte ich wirklich wieder mehr Licht und Freude gebrauchen – so wie du schreibst „… trotz allem Leid, trotz Chaos, trotz Ungerechtigkeit“

    Bei dem Satz „Denk einfach positiv“ könnte ich Schreikrämpfe bekommen, zumal ich doch die geborene Pessimistin bin. Habe ich von vornherein eine negative Erwartung, werde ich nicht enttäuscht, wenn die eintrifft. – Erwarte ich es aber positiv und es geht schief, dann bin ich enttäuscht.

    Danke, den Artikel habe ich gerade gebraucht. – Du musst den Artikel nicht unbedingt freischalten – nicht alle die, die geliked haben, müssen das lesen.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.