Drei kleine Superhelden – ein neues Haus


Am Morgen roch der Garten nach nassem Holz und Löwenzahn. Alles war wie immer.

Bis die Tür aufging. Die Menschen-Mama kam herein, vorsichtig, langsam und trug etwas in den Armen. Es war ziemlich gross, hatte kleine Fenster und je einen runden Eingang vorne und auf der Seite. Mit einem Dach, das aussah wie ein echtes Hausdach.

Ein Haus. Nicht nur ein Unterschlupf, sondern ein richtiges Haus. Sie stellte es mitten ins Gehege, strich einmal darüber und lächelte so, wie Menschen lächeln, wenn sie sich sehr sicher sind, dass etwas perfekt ist. „So, meine Kleinen“ sagte sie „das ist euer neues Häuschen!“

Jimmy trat näher und umrundete es einmal. Dann gleich noch einmal. Er watschelte beim einen Eingang hinein, Arja und Tina folgten ihm. Und auf der anderen Seite kamen sie im Gänsemarsch wieder raus.

„Es riecht komisch“ sagte er.
Tina bestätigte seine Aussage. „Es riecht nach neu“.
Das Holz war zu perfekt, glänzte fast ein wenig, war glatt und rein.

„Ich glaube, das Haus weiss noch nicht, dass es draussen ist“ sagte Arja und berührte vorsichtig das Holz. Es war kalt.

Den ganzen Vormittag blieb das Haus leer. Die warme Sonne wanderte darüber, der Schatten im Haus wurde zum perfekten kühlen Platz, der aber ungenutzt blieb.
Jimmy legte sich irgendwann daneben. Tina dahinter. Arja vor den Eingang.

Am Nachmittag war die Menschen-Mama im Garten. Sie schaute zum Haus. Zu ihnen. Und wieder zum Haus.

„Na?“ sagte sie leise. Niemand bewegte sich. Erst als der Wind kam und es im Gebüsch raschelte und knarrte, lief Tina sofort ins alte, verwitterte Häuschen. Jimmy folgte ihr, Arja ebenfalls. Drinnen war es dunkel, warm und roch nach Heu, Schlaf und ganz fest nach ihnen.

Das neue Haus blieb leer.

Am Abend setzte sich die Menschen-Mama ins Gras. Sie betrachtete beide Häuser lange. Dann schob sie das neue ein kleines Stück zur Seite. Nicht weg, nur näher zum Zaun, wo der Regen zuerst hinfällt und der Wind wehend seine Geschichten mitbringt.

„Vielleicht“ murmelte sie, „muss ein neues Zuhause erst lernen, eines zu sein.“
Arja schaute zu ihr, als würde sie ganz genau zuhören. Jimmy knabberte an einer Wurzel und Tina döste halb.

Und das neue Haus wartete geduldig. Es war nicht ungeliebt, aber einfach noch ohne Erinnerungen.

Aber das konnte ja noch kommen…

ENDE.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.