
Wir tragen in unserem Leben allerlei unterschiedliche Lasten herum.
Taschen
Koffer
Wäschekörbe
Bücher
Einkäufe
Möbel
Pfannen
Kaffeetassen
leere Flaschen
jahrelang unsere Kinder…
Und dann haben wir alle noch unseren unsichtbaren Rucksack, der uns gleich bei der Geburt oder schon zuvor auf den Rücken geschnallt wurde und der sich im Verlauf des Lebens mit allerlei Dingen füllt…
Geheimnisse
Tabus
Sorgen und Ängste
Situationen
Dinge, über die wir nicht sprechen mögen, können oder die niemanden sonst interessieren…
Tragen bedeutet manchmal auch ERtragen und all das tragen wir so lange, bis es entweder vorbei ist und leichter wird oder so lange, bis wir es verarbeitet haben.
Manchmal hilft es, wenn andere beim Tragen helfen und es ist schön, wenn das jemand tut. Gerade Lasten, die man in Kilogrammen messen kann, werden so viel leichter. Die Kraft, die aufgewendet werden muss, kann durch zwei oder mehr geteilt werden.
Ich glaube nicht, dass der unsichtbare Rucksack, den wir auf dem Rücken tragen, leichter wird, wenn jemand mitträgt. Abnehmen kann ihn uns keiner, nicht so wie bei einem Sofa das wir von A nach B transportieren müssen. Das können zwei andere machen, ich muss nicht mal dabei sein, auch wenn es meins ist. Der Rucksack auf meinem Rücken, das ist meiner. Menschen können sich interessiert zeigen, damit ich ihn öffnen und davon erzählen kann. Anteilnahme nimmt nichts ab, trägt nichts mit, aber gibt uns das Gefühl, damit nicht allein zu sein. Wenn der:die andere dann auch noch von ihrem:seinem Rucksack und dessen Inhalt erzählt, verstärkt es dieses Nicht-Allein-Sein-Gefühl vielleicht noch mehr. Das macht nichts leichter, aber trotzdem macht es vieles erträglicher und uns vielleicht sogar ein bisschen stärker dadurch. Anteilnahme gibt ganz viel Kraft.
Jemandem in den Rucksack zu schauen, macht niemanden schwächer. Ansteckend ist es auch nicht, was man da sieht. Ich habe manchmal das Gefühl, Menschen schauen lieber weg.
Manche schauen lieber nicht mal in den eigenen Rucksack und schon gar nicht in andere. Andere schauen ganz gern in andere Rucksäcke, lassen aber den eigenen zu. Manchmal ist es einfacher, sich mit den Themen anderer zu beschäftigen als mit den eigenen. Bei andern kann man so angenehm schön abgegrenzt sein und es betrifft und belastet einen überhaupt nicht. Eine solche Auseinandersetzung kann auch ganz gut statt finden ohne dass man überhaupt in jemandes Rucksack geschaut hat und auch ohne das Wissen dieses Menschen. Eigentlich sowieso komplett ohne Wissen,, einfach mit einer Dritt- oder Viertperson. Klatsch und Tratsch nennt man das. Meistens ist das nicht wohlwollend oder wetschätzend und statt jemandem das Gefühl von nicht allein sein zu geben, gibt Klatsch und Tratsch der betroffenen Person oft das Gefühl, noch alleiner zu sein. Ein Stein mehr im Rucksack.
Ich glaube, Menschen die nichts von anderen Rucksäcken wissen möchten oder die Strassenseite wechseln, wenn jemand mit einem schweren Rucksack entgegenkommt, um der Konfrontation zu entgehen, sind nicht böse Menschen. Ich glaube, es sind Menschen die nicht wissen, wie sie auf jemanden zugehen sollen. Menschen, die meinen, sie müssten diesem Jemand dann den Rucksack abnehmen. Aber wie? Oder Menschen, die nicht wissen, was sie sagen sollen. Die nicht wissen, wie sie reagieren sollen darauf, was der:die andere dann erzählt.
Verständlich.
Und irgendwie aber auch wieder nicht verständlich.
Es gibt nichts schlimmeres als dieses Ausweichen. Man weiss nicht, wie es zu verstehen ist. Ist es Desinteresse oder Überforderung? Gleichgültigkeit oder einfach, weil alle mit ihren eigenen Sachen sehr beschäftigt sind?
In solchen Momenten weiss man genau, dass geredet wird. Aber was wird geredet? Meistens oder fast immer ist das Gerede ja dann auch recht weit von der Wahrheit entfernt und tut irgendwie niemandem gut ausser der eigenen Lust auf Drama und Sensation.
DAMIT weiss ICH dann nicht, wie umgehen, wenn ich ehrlich bin.
Ich weiss aber auch, dass ich es lieber anders mache. Ich wechsle nicht die Strassenseite. Ich gehe auf Menschen zu und wenn ich überfordert bin damit, dann stehe ich dazu. Ist ja auch nicht unnormal. Schwach ist das übrigens auch nicht, sondern ganz im Gegenteil.
Macht doch das auch mal. Nachteile hat es eigentlich keine.


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