Alleinerziehend = forever alone?

Man wird ja nicht alleinerziehend geboren, sondern wird es aus irgendwelchen Gründen irgendwann im Leben, falls überhaupt, und muss und wird dann mit der Zeit in diese Rolle hineinwachsen. Es ist dann einfach so. Und zwar für immer.

Mir persönlich geht es so, dass ich immer noch nicht denke, dass es das Beste ist, was mir passieren konnte. Ich habe mir mein Leben anders gewünscht und anders vorgestellt, aber es geht mir unterdessen gut damit. Es gibt Punkte, die ich schwierig finde, es gibt aber auch ganz vieles, das ich okay finde wie es ist. Eines davon ist, nicht mehr in einer Beziehung zu sein, in der ich nicht glücklich war.
Das Leben, das ich jetzt habe, habe ich mir selbst wieder aufgebaut, zwar mit begrenzten Mitteln und eingeengt in allerlei Vorgaben, aber mit meiner ganzen (und damals letzten) Kraft und wirklich mit meinem ganzen Herzblut. Es ist ein Gutes. ❤️
Ich habe nicht den Wunsch oder die Absicht, etwas daran zu gefährden oder zu verändern. Ich bin einfach froh, dass alles grad so läuft, wie es läuft. Nämlich recht gut. Aktuell kann ich sagen, dass ich sehr bei mir bin und mich da besser denn je fühle. Das ist ein gutes Gefühl.

Ich habe nicht das Bedürfnis nach einem Mann, einer neuen Beziehung, denn ich habe das Gefühl, er würde mir nur alles durcheinander bringen, was ich mir in den letzten Jahren so mühsam erarbeitet habe und am Ende stünde ich wieder allein in den Trümmern. Nein, das will ich nicht nochmal. Ich weiss auch gar nicht, ob ich die Energie für sowas noch einmal hätte.
Natürlich fehlt es mir aber machmal, jemanden zu haben. Ich bin ja auch nur ein Mensch. Nie jemand, der mich umarmt, keiner der seine Gedanken mit mir teilt und keiner, mit dem ich meine teilen könnte. Niemand, der sich vor und hinter mich stellen würde, wenn mal was wäre. Keiner der da ist, wenn ich mich alleine fühle. Keiner, der mich tröstet, wenn alles zuviel ist. Keiner, der mit mir lacht oder weint. Ja, so ist das. Manchmal fehlt es.
Aber trotzdem ist es momentan okay so. Wird das aber für immer so sein? Wird es auch später okay sein, wenn mein Kind älter ist oder sogar erwachsen? Der Gedanke, für immer und dann ohne Kind noch ganz allein zu sein, ist dann doch irgendwie beunruhigend, jedenfalls manchmal.

Wenn ich meine Situation anschaue und die vergleichbare Situation eines gleichaltrigen Mannes, da zeigen sich schon grosse Unterschiede. Als erstes zB das Alter. Frauen empfinden alternde Männer als zunehmend sexy oder zumindest okay. Ich habe das Gefühl, Frauen sehen im Mann andere Qualitäten und stellen das älter werden und das Äussere nicht auf die erste Priorität. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das umgekehrt ganz anders ist. Für Frauen ist es in unserer Gesellschaft schwieriger, älter zu werden oder „unperfekt“ und nicht mehr jugendlich auszusehen. Männer priorisieren mehrheitlich Äusserlichkeiten gegenüber anderer Qualitäten.

Wenn zB Frauen in meinem Alter Single sind, haben sie sehr oft auch Kinder, sind also alleinerziehend. Und zwangsläufig sind sie dann auch berufstätig und zwar nicht nur als Nebenverdienst oder um sich zu beschäftigen, sondern als Alleinverdienende. In den meisten Fällen haben diese Frauen sehr wenig Freizeit und wenig Geld. Und oft relativ wenig oder keine Entlastung, da ihre Eltern schon alt oder bereits verstorben sind.

Ein Mann in diesem Alter, der Single ist, war es entweder schon immer oder er ist ebenfalls geschieden. Natürlich gibt es noch andere Gründe, so wie bei den Frauen auch.
In den meisten Fällen leben die Kinder bei der Ex-Frau und verbringen in der Regel so jedes zweite Wochenende bei ihm. Er kann ohne weiteres Vollzeit arbeiten und hat vielleicht auch während der Ehe Aus- und Weiterbildungen gemacht, verdient also gut. Während Mütter auch heute noch oft darauf verzichten (müssen), nicht zuletzt zugunsten des Mannes, da sie zuhause mit Mann, Kind, Haushalt und der Organisation des Familienalltages ausgelastet sind.
Ich glaube, für viele Väter ist es hart, die Kinder nach der Trennung so wenig zu sehen und sie fühlen sich bestimmt auch manchmal einsam, besonders am Anfang. Das ist plötzlich sehr viel freie Zeit, viel Leere so ganz ohne die Familie. Freizeit, die ausgefüllt werden muss, Freiheit, die gelebt werden will. Er wird seinen Alltag ganz anders gestalten als seine Ex-Frau.

Und dann frage ich mich, wie sollen denn bitte Frauen und Männer in diesem Lebensabschnitt zusammenfinden und wie soll das bitte jemals klappen? Ich kann mir das ganz einfach gar nicht vorstellen.

Ich denke, Männer, die gern eine neue Beziehung eingehen möchten, sind unterwegs und lernen dort Frauen kennen. Vermutlich kommen sie gut an, denn sie sind entspannt, erfolgreich und finanziell abgesichert und strahlen das aus.

Die alleinerziehende Frau in dieser Situation wird diese nicht gross ändern können, zumindest bis die Kinder gross sind.
Ich glaube, eine Alleinerziehende hat zum einen schon mal gar nicht gross die Möglichkeit, überhaupt mit neuen Menschen bzw Männern in Kontakt zu kommen, ausser vielleicht bei Parship und Co. Ansonsten fehlt ihr die Zeit dazu und eventuell auch das Geld. Und wenn sie dann in jedem Schaltjahr per Zufall mal einmal einen Mann kennen lernt oder trifft, dann kann man irgendwie auch nicht erwarten, dass das dann gleich passt oder funkt. Von beiden Seiten her. Eigentlich müsste frau also viel mehr Männer kennen lernen und treffen können, um die Chance zu haben, sich verlieben zu können bzw. auf Gegenseitigkeit.
Ich zB hätte jedes zweite Wochenende am Freitag Abend und samstags bis 18 Uhr kinderfrei und ehrlich gesagt, glaube ich kaum, dass ein Mann das in der Kennenlern-Phase sehr cool finden würde. Falls ich überhaupt einen kennen lernen würde, meine ich.
Ich spüre auch immer wieder die Erwartungshaltung anderer, dass ich sofort zuschlagen müsste, wenn mir mal einer über den Weg läuft, denn als alleinerziehende, mittelalte bzw um es netter auszudrücken, nicht mehr ganz junge Frau kann man es sich eigentlich gar nicht leisten, wählerisch zu sein. Und doch finde ich, man sollte unbedingt wählerisch sein, denn niemand sollte sich auf etwas einlassen, das nicht die allergrösste Liebe ist und einen extrem glücklich macht. Da gibt es keine Kompromisse. Für mich jedenfalls nicht.

Ich glaube, eine Alleinerziehende scheint auf den ersten Blick eine Last zu sein für Männer. Und hier endet diese Geschichte dann ja wohl eigentlich bereits, denn wer überlegt denn da noch weiter?

Sie trägt ganz viel Verantwortung allein, verdient ihr Geld selber, hat viel um die Ohren, ist müde, hat wenig Freizeit und wenig Geld. Wie bereits erwähnt, wird sich ihre Situation noch ein paar Jahre lang nicht verändern.
Und dazu wird ein Mann sich vermutlich bewusst sein, dass das eine unglaublich starke Frau ist, auch wenn sie müde und erschöpft ist. Schwach ist sie ganz sicher nicht. Was sie alles allein trägt und zwar ohne Mann im Rücken, der entlastet und unterstützt und Geld verdient!
Ob ein Mann sich der Stärke dieser Frau bewusst ist, weiss ich zwar nicht. Vielleicht denkt er auch, sie sei schwach. Ein Opfer. Ich bin mir aber fast sicher, dass dies bei vielen besser ankäme als das stark sein.

Als Mann muss man sich bewusst sein, dass diese Frau ihn nicht braucht. Sie kommt allein zurecht, sie wartet nicht auf ihn und wird sich nicht alles gefallen lassen.
Aber vielleicht will sie ihn. Sie wird nicht erwarten, dass er ihr etwas abnimmt oder ihr Leben einfacher macht. Bitte aber auch nicht schwerer. Wenn er möchte, kann er sie (unter)stützen.
Ich glaube ja, schon die Liebe allein würde so einiges leichter machen und die Seele fröhlicher. Nie wieder von jemandem geliebt zu werden, das finde ich zB nämlich am Alleinerziehend sein, der schwierigste Gedanke. Und ja, mein Kind liebt mich, das stimmt. Aber das ist keine Partnerschaft, das ist ganz etwas anderes.

Ich glaube eigentlich, Männer unterschätzen alleinerziehende Frauen total und haben keine Ahnung, was eine solche Frau ihnen geben könnte und auch würde.
Ich: Gibt es etwas Wichtigeres?
Mann: JA, meine Freiheit.

Das sind meine Gedanken und Erlebnisse. Aus Gesprächen und Austausch weiss ich, dass viele andere alleinerziehende Frauen diese teilen. Wie Männer schlussendlich denken und funktionieren… wer weiss das schon so genau? Ich jedenfalls nicht.
Ich meine diese Gedanken auch keineswegs wertend oder abwertend oder was auch immer. Alles hat seine Berechtigung, alles hat seinen Grund. Ich frage mich einfach nur, wie um Himmels Willen Menschen zwischen 40 und 60 Jahren mit Kindern, die nicht für immer allein bleiben wollen, einander finden können, wenn das so ist…



5 Gedanken zu „Alleinerziehend = forever alone?“

  1. Ja, meine Freiheit!
    Das höre ich so oft! Gerade jetzt, Corona: die tun alle, als wären sie eingesperrt gewesen. Gefesselt, gefoltert, geknebelt. So ein Unsinn. Man sieht seither, was sie vermisst haben: Lärm in der Disco, mit Lärmmaschinen herumrasen, grölend und saufend am Strand oder im Stadion… eieiei, Freiheit die ich meine…
    Und: wenn man sich eine Familie anlacht, ein Lebewesen – ein Haustier genügt auch schon, aber nun gar ein Kind! – dann ist diese Freiheit halt eingeschränkt. Frauen wissen das besser, gewiß, sind besser darauf vorbereitet: da sie seit jeher genau dazu erzogen werden, da sie noch nie so richtig und vollständig frei waren. Männer auch nicht, lassen sich von Typen in Uniform rumkommandieren oder anderen Chefs, haben gelernt, dass nichts vor ihrer beruflichen Verantwortung kommt – aber Verantwortung für die Familie fällt einem Mann, rein aus seiner Sozialisation heraus, schwerer. Die meisten wissen gleichwohl, was sie tun und übernehmen sie, diese Verantwortung.
    Und die meisten Frauen sowieso. Sonst wäre es arg um die Kinder bestellt.

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  2. Moin,

    als ich heute morgen deine Text verfolgt habe, hab ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht. Interessanter Weise hatte ich vor wenigen Tagen ein sehr ähnliches Gespräch mit meiner Arbeitskollegin. Sie „beschwerte“ sich auch darüber, dass es für sie, mit Ende 30, scheinbar kaum einen passenden Mann gibt.
    Einen Mann, der mit selbstständigen und starken Frauen umgehen und zusammen sein will. Einer, bei dem sich eine starke Frau fallen lassen kann und nicht stark sein muss, obwohl sie es könnte. Obwohl sie es sonst immer sein muss.
    In eine ähnliche Richtung geht ja auch dein Text.

    Als ich deinen Text gelesen habe, fiel mir auf, dass es anscheinend einen bestimmten Typ Mann gibt, nach dem viele Frauen Ausschau halten. Beruflich erfolgreich, smart, freiheitsliebend, unabhängig.
    Als ich den Text las hatte ich einen Typ Mann vor Augen, den ich mir recht gut vorstellen konnte. Einen Anzugträger. Der zwar meiner Fantasy entsprungen sein mag, aber durch den Text genährt wurde.

    Ich kann mir vorstellen, dass solche Menschen die falsche Zielgruppe für Alleinerziehende sind. Weil in solchen Kombinationen zwei Alpha-Menschen auf einander treffen. Zwei Menschen, die im Zweifelsfall unterschiedliche VOrstellungen haben, wie das gemeinsame Leben gestaltet werden soll.
    Was steht im Vordergrund?
    Beruflicher Erfolg?
    Der Zusammenhalt der Familie?
    Wer ist zu einem Kompromis bereit, wenn beide gewohnt sind zu entscheiden?
    Können beide eine Beziehung auf Augenhöhe führen?

    Meiner persönlichen Meinung nach sind solche Führungscharaktere sicherlich objektiv gesehen eine gute Absicherung für später, doch das, was viele Frauen suchen ist ein Gegenstück in der Beziehung, welches große soziale Skills hat. Dem/Der es klar ist, dass es nicht darum geht, dass man gebraucht wird. Das man keine Hilfe braucht und sie doch ganz gerne mal annimmt, damit es zusammen einfacher wird.

    Alleinerziehnde brauchen eine/n Partner/in die Verständnis für die SItuation haben und brauchen die Gewissheit, nicht alleine zu sein, wenn es mal hart auf hart kommt. Wer eine/m Alleinerziehenden das nicht bieten kann, ist falsch in einer solchen Beziehung.

    Allerdings glaube ich auch, dass es mehrere Phasen im Leben gibt. Erst kommt der Fokus auf den Job, anschließend zieht es einen wieder zu einer besseren Ausgewogenheit zwischen Beruf und Privatleben. Einem größeren Fokus auf Privatleben und vor allem auch auf Zusammenleben. MIt den nötigen Erkenntnissen, die notwendig sind für eine nachhaltige Beziehungsführung.

    Von daher bin ich davon überzeugt, dass du nicht „forever alone“ bleiben wirst.

    Liebe Grüße aus dem östl. Ruhrgebiet,
    Horst!

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  3. So ähnlich denke und fühle ich auch, obwohl meine Kinder längst erwachsen sind. Aber ich bin 69 und es würde mir schwer fallen, wieder einen Mann in mein Leben zu lassen, wenn ich denn einen passenden kennenlernen würde. Ich habe es gut, aber ein liebevoller Partner, ein „zu zweit sein“, fehlt mir manchmal, gerade jetzt in der Urlaubszeit. Auf der anderen Seite unternehme ich nichts, um meinen Status zu verändern, also scheint es so für mich in Ordnung zu sein. Aber einsam ist es schon manchmal….

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  4. Hallo du Liebe,
    du hast das alles ziemlich gut , nein, sehr gut zusammengefasst und
    auf den Punkt gebracht. Ausnahmen bestätigen natürlich auch in diesem Fall die Regel.
    Meine Tochter ist erwachsen und somit bin ich nicht alleinerziehende Mutter. Jedoch fühlte ich mich in meiner Ehe alleinerziehend, weil der Herr selten sich kümmerte
    (Beruf war an erster Stelle und wurde oft als Ausrede benützt!)
    Bleib stark und mutig! …. und dir selber treu! Herzliche Segensgrüße M.M.

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