Schöne Worte — Nakama


A deep bond beyond just friendship,
people who stand together,
share burdens, and support one another
like a found family.

Menschen, die zusammenstehen.
Die Lasten miteinander tragen,
füreinander da sind und irgendwann
mehr werden
als einfach nur Freunde.

Nakama ist ein japanisches Wort, das mir wieder einmal deshalb gefällt, weil sich dahinter viel mehr verbirgt, als eine einfache Übersetzung zunächst vermuten lässt.

Wörtlich bedeutet 仲間 (nakama) ungefähr Gefährte, Kamerad, Mitstreiter oder auch Mitglied derselben Gruppe.
Das Wort kann Menschen bezeichnen, die etwas miteinander verbindet: eine gemeinsame Tätigkeit, ein Ziel, eine Erfahrung oder die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft.

Wichtig ist allerdings: Die wunderschöne Definition, die im Internet häufig zu Nakama zu finden ist – eine Verbindung, die tiefer geht als Freundschaft und beinahe zu einer selbst gewählten Familie wird – ist keine exakte Übersetzung des japanischen Wortes.

Nakama muss nicht automatisch eine tiefe emotionale Bindung bedeuten. Und trotzdem gefällt mir gerade diese erweiterte Bedeutung sehr, denn es gibt Menschen in unserem Leben, für die Freund:in eigentlich fast ein bisschen zu wenig ist.

Nicht, weil Freundschaft etwas Kleines wäre, ganz im Gegenteil. Aber manchmal entsteht zwischen Menschen etwas, das schwer zu benennen ist.
Menschen, mit denen wir nicht verwandt sind und die trotzdem irgendwann zu unserer Familie gehören. Nicht durch Blut, sondern durch das Leben.
Vielleicht haben sie schwierige Zeiten mit uns durchgestanden. Kennen Geschichten und Seiten von uns, die kaum jemand kennt. Sie haben erlebt, wie wir gescheitert sind, gezweifelt haben oder nicht weiterwussten – und konnten offenbar damit umgehen.
Sie müssen nicht kein Problem für uns lösen, denn manchmal reicht es schon, dass jemand sagt oder denkt: Ich bin da. Du musst da nicht alleine durch.

Ich glaube, solche Menschen findet man nicht besonders häufig. Und vielleicht erkennt man sie manchmal auch erst im Rückblick, denn solange alles gut läuft, können viele Menschen neben uns gehen. Interessant wird es oft erst dann, wenn der Weg mühsam wird.

Wer bleibt stehen, wenn wir nicht mithalten können?
Wer trägt ein Stück mit, wenn etwas für uns gerade zu schwer geworden ist?
Wer freut sich wirklich, wenn uns etwas gelingt – ohne sich selbst dabei kleiner zu fühlen?
Wer darf uns widersprechen und trotzdem sicher sein, dass die Verbindung daran nicht zerbricht?
Und bei wem dürfen wir einfach wir selbst sein?

Wenn ich das Wort richtig verstanden habe, ist genau das für mich Nakama.
Nicht unbedingt der Mensch, mit dem man jeden Tag spricht oder derjenige, der bei jedem schönen Anlass dabei ist. Und nicht einmal jemand, der geografisch besonders nahe ist. Nähe lässt sich ohnehin schlecht in Kilometern messen.

Es gibt Menschen, die sitzen neben uns und sind uns fremd und andere leben hunderte Kilometer entfernt und kennen trotzdem einen Teil unserer Seele.

Besonders schön finde ich dabei den Gedanken der gefundenen Familie. Wir können uns nicht aussuchen, in welche Familie wir hineingeboren werden. Aber im Laufe unseres Lebens begegnen uns Menschen, bei denen etwas anderes entsteht.
Wir wählen einander. Nicht offiziell und nicht mit irgendeinem Vertrag. Es passiert einfach. Aus Begegnungen werden Gespräche. Aus Gesprächen wird Vertrauen. Aus Vertrauen entsteht Verlässlichkeit.
Und irgendwann merkt man: Dieser Mensch gehört zu meinem Leben. Ich glaube, das ist eine der schönsten Erfahrungen, die wir machen können.
Zu wissen, dass irgendwo auf dieser Welt Menschen existieren, vor denen wir nicht perfekt sein müssen.
Menschen, die unsere schwierigen Seiten kennen. Und auch unsere guten. Menschen, denen es immer wieder gelingt, das Gute in uns hervorzuholen und zu beleuchten. Die wissen, dass wir manchmal kompliziert, traurig, wütend, unsicher oder völlig neben der Spur sein können.

Natürlich bedeutet Nakama für mich nicht, alles miteinander auszuhalten. Auch tiefe Verbundenheit braucht Grenzen. Vielleicht sogar gerade sie.
Füreinander da zu sein bedeutet nicht, sich selbst aufzugeben.
Lasten miteinander zu tragen bedeutet nicht, dass einer immer trägt und der andere immer getragen wird.
Eine wirkliche Verbindung braucht Gegenseitigkeit. Mal hält die eine den anderen und irgendwann vielleicht umgekehrt.

Vielleicht ist das der Unterschied zwischen Menschen, die uns einfach ein Stück unseres Lebens begleiten und jenen, die wirklich Spuren darin hinterlassen. Sie machen unser Leben nicht unbedingt immer nur leichter.
Aber sie sorgen dafür, dass wir manches Schwere nicht alleine tragen müssen.
Es sind solche Menschen, die am Ende zu unserer Familie werden. Zu der Familie, die das Leben uns irgendwann geschenkt hat.

Nakama.
Menschen, bei denen wir dazugehören.

Vielleicht braucht es dafür tatsächlich ein eigenes Wort.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.