
Wie ein Ziehen im Herzen hört es sich an. Ein Wort, das etwas beschreibt, das wir alle kennen und doch fast nicht ausdrücken können.
Iktsuarpok
Es stammt aus der Sprache der Inuit und beschreibt dieses besondere, unruhige Gefühl, wenn man immer wieder zur Tür geht, hinausblickt, horcht, weil man jemanden erwartet. Nicht aus Ungeduld, sondern aus Hoffnung und aus Vorfreude. Aus diesem zarten Wunsch, dass ein geliebter Mensch jeden Moment um die Ecke biegen könnte.
Iktsuarpok ist dieses leichte Pochen im Brustkorb, wenn draussen ein Geräusch ist. Und dann ans Fenster zu gehen, um nachzuschauen. Iktsuarpok ist Warten und Erwarten und noch viel mehr als nur das. Es ist in gewisser Weise eine Art Hingabe und es ist Verbundenheit. Es ist der Mut, die Tür immer wieder zu öffnen, selbst wenn niemand davorsteht.
Iktsuarpok bedeutet, dass wir jemanden im Herzen tragen. So sehr, dass unser Körper reagiert, bevor wir es merken. Dass wir den Moment des Wiedersehens schon fühlen, bevor er überhaupt da ist. Darin steckt zweifellos auch ein kleines Stück Verletzlichkeit, denn wer wartet, zeigt, dass ihm oder ihr jemand wichtig ist.
Genau darin liegt jedoch auch seine Schönheit: In diesem offenen, weichen Teil von uns, der sich nach einem Schritt, einer Stimme, einer Umarmung sehnt. Nach einem Menschen.
Iktsuarpok ist ein Wort für alle, die jemanden vermissen.
Für alle, die hoffen.
Für alle, die weiterhin zur Tür gehen, auch wenn es draussen still ist.
Ich glaube, das ist auch tatsächlich die eigentliche Botschaft dieses Wortes: Genau so sieht Liebe manchmal aus. Still und erwartungsvoll, ungeduldig und voller Freude, gleichzeitig auch voller Angst, Zweifel und Hoffnung… und einfach sehr menschlich.



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