Relationships

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Ich glaube, es ist gar nicht einfach, jemanden zu finden, mit dem man eine Liebes- und Lebensbeziehung eingehen möchte. Eine Lebensbeziehung vermutlich schon, denn es gibt ja unterschiedliche Bedürfnisse, die man füreinander stillen kann und auf deren Befriedigung man hofft. Ich glaube, auch tatsächlich, dass diese Beziehungsform ihre Berechtigung hat und schlussendlich gehts ja nur die betroffenen zwei (oder manchmal sind ja auch mehr als zwei involviert) Personen etwas an. Ich glaube, eine Liebesbeziehung ist dann nochmal etwas anderes. Das Optimale wäre vermutlich (für mich), eine Mischung von beidem.

Ich habe in den letzten Tagen irgendwo einen Podcast gehört, in dem gesagt wurde, dass Menschen heutzutage eigentlich vor allem Situationships suchen. Das sind recht unverbindliche Verbindungen (haha, Wortspiel 🙂 ). Fast so wie eine Beziehung, aber total ohne Verpflichtungen und man weiss auch manchmal da gar nicht so genau, ob man überhaupt zusammen ist oder nicht. Irgendwann verflüchtigen sie sich dann einfach wieder, wenn eine:r von beiden oder beide keine Lust mehr hat/haben. Da man keine emotionale oder andere Verpflichtung eingeht, braucht es in diesem Fall auch gar keine Erklärung und nicht mal eine Informationen.
Im Gegensatz dazu steht die Relationship – also die Beziehung, in der man ich verbindlich bindet.
Ich finde das schon interessant, denn es ist tatsächlich so, dass das Bindungsverhalten des Menschen verändert, wenn man es mal genauer beobachtet. Das hat meiner Meinung auch viel damit zu tun, dass immer mehr Menschen nicht mehr bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – oder es nicht können. Sei es in Beziehungen, Freundschaften oder zB auch in der Kindererziehung. So ist es zB einfacher, den Kontakt abzubrechen mit Menschen, statt einen Fehler einzugestehen und die Angelegenheit einfach zu klären. Das ist wirklich richtig schwach, finde ich und daraus entstehen Wegwerf-Beziehungen. Wenn etwas nicht so ist, wie man es möchte, scheisst man drauf und sucht sich den oder die Nächste:n und dann wieder und wieder…

Warum ist das wohl so?
Verlernen Menschen, sich miteinander zu befassen? Und was ist denn daran so schwierig?
Lernen Menschen keine Lösungsstrategien mehr? Statt etwas auszuhalten und durchzustehen, wirft man es weg oder weicht aus?
So lange einen etwas nicht direkt betrifft, ist es egal und unwichtig? Mit allem mega schnell überfordert sein und statt Lösungen Gründe zu suchen, es beim Problem zu lassen? Statt sich füreinander einzusetzen, lieber nur noch jeder für sich? Ausser es könnte einem einen Vorteil verschaffen, dann natürlich nicht…
Ist das nicht genau auch das Verhalten, das wir gegenüber von Gebrauchsgegenständen zeigen? Und nun Schritt für Schritt auch am Menschen? Brauchen und wegwerfen.

Bin ich die einzige, die das krass findet?

Wie ich auf all das komme?
Ich habe von Zeit zu Zeit das Gefühl, ich müsste mich vielleicht ein bisschen mehr darum bemühen, jemanden kennen zu lernen. Ich bin nun schon seit sechs Jahren getrennt und hatte bisher noch nicht wirklich das dringende Bedürfnis, mich wieder zu verlieben. Ich glaube, allein mit Kind und Arbeit usw ist man einfach wirklich genügend ausgelastet, da bleibt gar keine Platz mehr für solche Gedanken. Aber die Vernunft sagt mir so alle zwei Jahre „mach doch mal etwas“. Und dann mach ich etwas und dann löscht es mir wieder ab, ob dieser ganz schlimm auszuhaltenden Oberflächlichkeit, die einem da entgegenkommt.

Jedenfalls hatte ich vor ein paar Monaten wieder mal diese Vernunftsgedanken und eine Freundin hat mich überredet, mal eine Dating-Plattform auszuprobieren. Also gut, was hat man denn zu verlieren? Nichts. Ich habe das also gemacht.
Tinder.
Bei Tinder hat es mir so ziemlich als Erstes einen Mann aus dem Ort, in dem ich wohne, angezeigt. Einen, den ich kenne. Er suchte „nichts Ernstes“ und dass er verheiratet ist, hat er wohl vergessen zu erwähnen. Da hat es mir schon das erste Mal abgelöscht… Also was, wenn einem jemand dort gefällt und man ihn trifft, sich vielleicht auf etwas einlässt und nicht weiss, dass der lügt und bereits eine Freundin oder Frau hat? Ekelhaft…
Also habe ich seit etwa zwei Monaten hunderte von Männern nach links geswiped und ganz sicher auch hunderte Männer mich. Es ist wie ein Katalog.
Ganz viele, die in einer offenen Beziehung leben. Ob ihre Frau das auch weiss? Ganz viele, die einfach Sex wollen. Wenigstens sind sie ehrlich, wenn sie das gleich ins Profil schreiben und das finde ich dann durchaus okay. Ganz viele, die wirklich sehr unvorteilhafte Fotos von sich ins Profil stellen… Männer über 50, die sich „Lausbub“ nennen und auf dem Foto die Zunge rausstrecken. Sehr viele Badewannen-Fotos. Sehr, sehr viele Fotos auf Berggipfeln, auf Rennrädern, auf Segelbooten usw…. die müssen alle nach links, weil ich da nicht mithalten kann. Und dann frage ich mich, wieviele von denen tatsächlich so wahnsinnig sportlich sind oder ob sie einfach einmal vor 10 Jahren auf einem Gipfel waren und dieses Foto reinstellen, um noch jung zu erscheinen und Eindruck zu machen – und wieviele Frauen die dann nicht nach rechts swipen, weil sie nicht so sportlich sind? Wirklich immer wieder Profile, die locker 20 Jahre älter aussehen als sie schreiben. Und das macht. dann ja schon ein bisschen ein Unterschied, ob einer 50 oder 70 ist…. 🙂
REALLY???? WTF.

Also, ich fand es von anfang an recht furchtbar und ich habe das wirklich nur halbherzig gemacht, muss ich ehrlich gestehen. Ich glaube, man könnte vielleicht schön jemanden finden, wenn man sich mehr Mühe gibt.
Ein Freund hat mir dann gesagt, ich müsse einfach mehr Männer nach rechts swipen. Jeden, der mir ein BISSCHEN gefällt. Einfach, damit es mehr Matches gibt und damit auch die Chance, zu chatten bzw kennenzulernen. Also, das habe ich dann gemacht. Ich hatte viele Matches. Einige schrieben dann, aber nicht so viele. Ich auch nicht. Wie gesagt, ich müsste mich mehr bemühen. Aber ich habe auch tatsächlich das Gefühl, wenn einer wirklich interessiert wäre, würde er schon.
Mit einigen habe ich tatsächlich geschrieben.
Einer hat sich währen dem Schreiben selbst befriedigt und hat mir das geschrieben, natürlich mit der Erwartung, ich würde mitmachen. Ich habe dann dankend abgelehnt. Das Thema Sex kam bei vielen gleich am Anfang auf und für mich ist das jetzt nicht gerade das erste Thema, das besprochen werden muss, also weg damit. 🙂
Die meisten, mit denen ich ein paar Mal hin und her schrieb lösten das Match auf als ich erzählt habe, dass ich eine 13jährige Tochter hat, die Aspergerin ist. Ich müsste das taktisch gesehen verschweigen, bis man sich besser kennt, ne? Aber will ich nicht. Wenn einer sich das nicht vorstellen kann, kann er auch gleich sofort weg, denn dann gehen unsere Haltungen sehr weit auseinander.
Mehrere haben mich gelöscht, als ich sie nicht sofort treffen wollte.
Viele Männer sind von irgendwo auf der Welt und halten sich aus irgendwelchen Gründen gerade in der Schweiz auf und suchen eine Affäre hier.
Mit einem Mann habe ich für mehrere Wochen jeden Tag geschrieben. Mit einem Treffen hat es nie geklappt, ich weiss nicht woran es gelegen hat. Wohl auch an mir, weil ich nicht so offensiv bin und mich nur einlasse, wenn ich echtes Interesse (auch zum Kennenlernen) spüre. Das ganze hat sich wohl jetzt auch verflüchtigt, ich weiss es nicht…. Schade, denn ihn fand ich wirklich sehr sympathisch.

Gedatet habe ich nie jemanden. 🙂
Wie man sieht, war ich nicht erfolgreich und ich habe wirklich auch gar keine Lust mehr darauf. Das ist wirklich einfach überhaupt nicht mein Ding.


Ich habe in den letzten sechs Jahren immer gedacht, dass es mir zuviel ist neben all dem was ich alles unter einen Hut bringen muss, auch noch einen MANN unter diesen Hut zu bringen bzw unmöglich.
Und heute ist es mir bewusst geworden, dass ich das gar nicht muss. Denn falls mal ein Mann kommt, der in unser Leben passt, dann zieht er sich diesen Hut mit mir zusammen an.
Es eilt überhaupt nicht. Ich bin gut ausgelastet und es geht mir einigermassen gut so wie es ist. Irgendwann ist es dann vielleicht so weit und wenn nicht, dann eben nicht. Ich habe einfach gemerkt, dass ich keine Komromisse eingehen kann, wenn es um Liebe geht. Ich muss nichts kompensieren. Ich brauche niemanden. Wenn, dann weil ich will und weil es eine Bereicherung und schön ist.


Ich finde, dass das gute Erkenntnisse sind und auch eine gute Ausgangslage.

Eine Antwort zu „Relationships“

  1. Avatar von Alltag und mehr
    Alltag und mehr

    Was für eine tolle authentische Schilderung! Danke!

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.