Für immer oder einfach bis es zu Ende ist

Das habe ich gelesen und irgendwie hat’s mich dann nicht mehr so ganz in Ruhe gelassen. Dann machen wir uns doch gleich mal zusammen ein paar Gedanken…

Die Angst vor Nähe… So richtig habe ich das nie verstanden, um ehrlich zu sein. Natürlich weiss ich, dass es Krankheitsbilder gibt, bei denen die Angst vor Nähe ein Symptom ist. Oder das nicht ertragen von Nähe. Zum Beispiel Borderline. Nähe wollen und so dringend brauchen und sie nicht zulassen können. Das ist aber ein anderes Thema, denn ich überlege mir, warum gesunde Menschen Angst vor Nähe haben. So etwas ist ja nicht eine Charaktereigenschaft oder ein Teil der Persönlichkeit eines Menschen. So etwas entwickelt man im Laufe des Lebens…

Nähe.
Nähe ist ein Umstand, wofür es keine Masseinheit gibt, kein Richtig und kein Falsch. Und dennoch gibt es ein Zuviel und auch ein Zuwenig.
Nähe empfindet jeder Mensch anders. Nähe braucht jeder Mensch anders. Empfindet jeder Mensch anders. Je nach Situation und Befindlichkeit kann das mal mehr und mal weniger sein. Und das Allerwichtigste ist das Gegenüber. Wir sind nicht allen gleich nah und „ertragen“ oder brauchen nicht von jedem dieselbe Nähe. Logischerweise.

Die Nähe, die wohl im Bild beschrieben ist, interpretiere ich als Nähe in einer Beziehung oder engen Freundschaft. Die Nähe zu einem Menschen, mit dem wir uns sehr verbunden fühlen, dem wir vertrauen und ohne den wir uns unser Leben kaum noch vorstellen können oder möchten.

Ich finde, dass manchmal schnell von Freundschaft gesprochen wird und dass auch Beziehungen schnell eingegangen werden.
Ich war in dieser Beziehung immer eine Person, die Zeit brauchte und sich das gut überlegte, besonders wenn es um Männer bzw. Beziehungen ging. Zwischen zwei Beziehungen brauchte ich immer viel Zeit, um das eine zu verarbeiten und abzuschliessen, bis ich bereit für etwas Neues war.
Ich finde diese Vorgehensweise richtig. Für mich. Andere machen es anders und das ist auch okay. Jeder so, wie es für ihn richtig ist, ist die Devise. Auch wenn ich nicht immer alles verstehe.

Ich finde auch, dass schnell von „für immer“ gesprochen wird. Über dieses „für immer“ habe ich mir in den letzten Monaten unglaublich viele Gedanken gemacht und mache es bis jetzt. Wenn jemand verspricht, für immer zu bleiben oder ich es jemandem verspreche, dann finde ich das schon etwas, was ernst zu nehmen gilt. Dass es nie eine Garantie gibt, wissen wir alle. Liebe vergeht manchmal. Interesse auch. Das ist realistisch. Dann finde ich es aber sehr wichtig, wie damit umgegangen wird. Kommunikation… Respekt… irgendwie sowas.

Unterdessen muss ich sagen, dass ich an ein „für immer“ nicht mehr glaube. Ich glaube nicht mal, dass es das gibt. Was soll „für immer“ bedeuten? Wie lange dauert das? Bis eines von beiden stirbt? Ist das dann für immer? Ich weiss es nicht und je länger ich darüber nachdenke, desto weniger Sinn macht es. Denn wenn es für das eine für immer ist, ist es das für das andere immer noch nicht, denn es muss ja allein weiterleben…

Ich komme immer mehr zur Überzeugung, dass man den Moment leben soll. Das Jetzt. Ohne daran zu denken, wie lange etwas dauern wird, egal was. Denn, dass es irgendwann zu Ende ist, ist unumgänglich. Vielleicht dauert es zwei Monate, vielleicht 14 Jahre und trotzdem ist es jetzt schön und tut uns gut.
Ich finde aber auch, dass man niemandem versprechen darf, für immer zu bleiben, in welcher Rolle auch immer. (Jedenfalls MIR nicht mehr)
Versprechen sollen eingehalten werden. Weil sich jemand darauf verlässt, darauf stützt. Und weil dann dieser Jemand traurig und verletzt ist, wenn das nicht der Fall ist. Deswegen.
Beziehungswunden sind tief und heilen schlecht.

Ich war immer jemand, die sich für andere Menschen interessierte. Immer. Und ich werde mich nicht verändern. Ich werde offen bleiben. Ich werde Nähe zulassen.
Aber ich verstehe nun diese Angst vor Nähe. Ich glaube, es ist die Angst, sich auf etwas Tiefes einzulassen, mit ganzem Herzen. Sich fallen zu lassen, sich tragen zu lassen. Sich einzulassen mit jeder Faser des Körpers, der Seele und des Herzens. Sich zu wünschen und zu hoffen, dass es für immer sein möge.
Ich verstehe das wirklich. Und ich bin im Moment sehr, sehr weit davon entfernt, dies wieder zuzulassen. Ich glaube nicht mal, dass es Angst ist. Ich habe einfach keine Lust, so eine Scheisse nochmal zu erleben.
Und ich weiss, dass ich es schwierig finden werde, wieder zu vertrauen. Es zu glauben, wenn irgendwann wieder einer sagen würde, dass er mich liebt, dass er mit mir zusammen sein will.
Unvorstellbar im Moment.
Den Glauben daran habe ich wohl definitiv verloren. Aber das ist auch nicht wirklich das Thema. Es braucht Zeit und ich komme zurecht.

Und ich werde es nie zulassen, dass ich Angst bekomme vor Menschen, die mich lieb haben, die mir nah sein möchten. Nie. Das habe ich mir versprochen.

 

 

 

3 Antworten auf „Für immer oder einfach bis es zu Ende ist

  1. Das ist der wichtigste Faktor, denke ich. Meine Therapeutin sagt dazu: „Es muss erst durch die Seele.“ Für mich ein wunderbares Bild und wenn ich anfange, ungeduldig mit mir zu werden, denke ich an diese Worte.

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  2. Zum Thema Angst vor Nähe habe ich im Buch „Jein! Bindungsängste erkennen und bewältigen von Stefanie Stahl “ .sehr plausible Erklärungen bekommen. In Deinem Text finde ich mich wieder. „So etwas will ich nie wieder erleben!“ habe ich oft gesagt und dementsprechend verhalte ich mich auch. Ich weiß nicht, ob es Angst ist, auf jeden Fall Vorsicht. Mein Exmann ist kürzlich gestorben und es ist vieles ist wieder aufgebrochen. Nun brauche ich eine „zweite Runde“ und dann bin ich vielleicht wieder offen für eine neue Liebe. Mal sehen, bisher kam ich ganz gut ohne aus, aber eine kleine Sehnsucht bleibt! Liebe Grüße! Regine

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