Überresten

Taschen in allen Formen, Farben und Varianten… wir tragen sie mit uns herum. Manche sichtbar, manche in unserer Kleidung versteckt und wieder andere unsichtbar auf unseren Rücken geschnallt. Gefüllt mit allerlei Zeugs, manches selbst gewählt, manches aufgebrummt. Und es wird im Laufe der Jahre eher nicht weniger. Es sammelt sich an. Wir werden reicher an Jahren, reicher an Erfahrungen und auch reicher an Ballast, den wir mit uns herum tragen.

Ich verstehe ja immer nicht wie Frauen (Männer fühlen sich bitte bei Bedarf mitangesprochen, danke) mehrere Taschen besitzen können und je nach Outfit oder Lust und Laune jeden Tag eine andere mitnehmen, egal wohin sie auch gehen mögen. Mich würde es zu Tode stressen, dauern den ganzen Inhalt meiner Tasche hin und her zu bewegen und dabei trotzdem immer schön ALLES notwendige dabei zu haben. Und glaubt mit, IN MEINER TASCHE IST nur NOTWENDIGES ZEUGS. Schätze sozusagen.

Von Zeit zu Zeit kehre ich meine Tasche von innen nach aussen und leere alles mal auf den Tisch, um auszumisten. Da hats immer einiges drin, was weg kann. Papierchen, ein leeres Bonbon-Schächteli, 1-18 kaputte Kugelschreiber, 37 alte Einkaufszettel, Krümel, ein ausgelaufenes Parfum-Fläschchen usw.
Und als mein Kind noch ganz klein war, habe ich mal etwas Undefinierbares, Matschiges, Schwarzes zuunterst in meiner Tasche gefunden. Zum Glück in einem Plastiksäckli. Es stellte sich heraus, dass es die Überresten einer sehr, seeeehr alten Banane war… Seitdem mach ich solche Aufräum-Aktionen etwas öfter.

Ausmisten ist nichts schlechtes. Ich finde, übertreiben muss man es auch nicht, aber von Zeit zu Zeit mal durchzuwischen, das schadet auch nichts. Besonders in den hintersten, dunkeln Ecken. Nicht, dass da noch etwas vor sich hin modert und fault.
Nicht nur in unseren Handtaschen, sondern auch im unsichtbaren Rucksack auf unserem Rücken, denn wenn der zu schwer wird, drückt er überall. Uns runter, auf den Magen und aufs Gemüt.
Schlussendlich tragen wir alle vermutlich zuviel mit uns herum, machen uns zuviele Gedanken, halten uns an Dingen, Gedanken und Menschen fest, die uns belasten oder längst losgelassen haben. Das bringt nichts. Denkt an die Banane.
Es ist so befreiend, Altlasten zu entsorgen und Platz für Neues zu machen. Und auch Leere kann etwas Schönes sein.

Am Liebsten wäre mir ein Rucksack voller schöner Erinnerungen, Erfahrungen, vorwiegend positiver Gedanken und ganz viel Platz für neue, gute Erfahrungen… Dafür können wir selbst. sorgen, all der andere Ballast kommt irgendwie von ganz allein noch dazu. Auch das gehört zum Leben.


Die Rückseite des Lächelns

Ich habe heute ein sehr schönes Foto von einer hübschen Frau angeschaut und die Kommentare darunter gelesen. Da waren ganz viele Komplimente und einige haben geschrieben „tolles Foto, aber du guckst so nachdenklich“ oder „hübsche Frau, aber lächle doch mal“ usw.

Das kommt uns allen bekannt vor oder nicht? Bitte lächeln! Aber warum eigentlich? Natürlich ist es schön, in ein vor Glück strahlendes Gesicht zu gucken. Natürlich ist es schön, zu wissen, der Person, die einen da anlächelt, geht es gerade richtig gut.
Aber ist so ein Lächeln auch tatsächlich ein sicheres Zeichen für Glück? Und muss diese Person auch lächeln, wenn ihr gar nicht danach ist und sei es nur deswegen, dass es UNS dabei gut geht? Damit wir uns keine Gedanken machen müssen? Damit dieses Lächeln bei uns gute Gefühle auslöst? Damit wir nicht in die Situation kommen, nachfragen zu müssen, was denn los sei?

Ich finde nicht. Ich finde, wir sollten ganz dringend Fortschritte darin machen, alle Gefühle, die wir als Menschen so haben, als zu uns gehörig zu akzeptieren und sie weniger zu werten. Vermutlich würde es unserer psychischen Gesundheit wahnsinnig gut tun, wenn man wüsste, dass man nicht immer strahlen muss und dass das ganz normal ist. Wie viel Kraft kostet es Menschen wohl manchmal, zu lächeln, obwohl sie innerlich eine ganz andere Stimmung haben, nur damit andere kein Problem damit haben? Nur damit andere mit ihnen dann besser umgehen können? Nur um nicht negativ aufzufallen? Nur um zu gefallen?
Und wie schlimm ist das bitte??

Wenn wir nachdenklich sind, sehen wir Menschen manchmal traurig aus oder ernst. Nachdenklichkeit ist etwas Wunderbares, finde ich. Kommt wohl auf die Art der Gedanken an und wie bei allem auch aufs Mass. Was wären wir Menschen, wenn wir nicht mehr über Dinge, über einander und über uns selbst nachdenken würden?

Wir verehren komische Ideale, finde ich manchmal, nicht nur betreffend Schönheit. Ich persönlich finde Menschen eigentlich immer dann am Schönsten, wenn sie nicht mehr nur ihre Hülle sind, sondern wenn Gefühle sie überwältigen und ihr ganzes Inneres nach aussen stülpen, sei es Glück oder Trauer. Denn es ist Echtheit.

Gesundheit.

Gesundheit.
Vermutlich ist sie neben der Erde auf der wir wohnen, das höchste Gut, das wir besitzen. Und vermutlich ist sie ebenfalls neben der Erde, auf der wir wohnen, das was wir am meisten für selbstverständlich nehmen.
Bis wir es nicht mehr haben.

Das ist nicht abnormal. Es ist menschlich. Wir neigen dazu, das was wir haben, nicht mehr zu sehen bzw ganz schnell als selbstverständlich anzunehmen UND es dann nicht mehr zu sehen.

Um die Gesundheit dreht sich schon seit einer Weile irgendwie alles. Und irgendwie aber auch nicht. Denn die Gesundheit scheint mir da an zweiter oder dritter Stelle zu stehen, denn es geht um allerlei anderes. Vielleicht vor allen Dingen um Macht. Um Frustration. Um Gemeinschaft und Zusammenhalt. Um Freiheit. Um Geld. Manchmal um Leben und Tod. Und überhaupt.

Es geht ums Impfen oder ums Nicht-Impfen und um jeden selbst, aber auch um einander. Klar ist da jeder für sich selbst verantwortlich. Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten wissen ja, dass sie möglicherweise an Corona erkranken und nicht viel davon spüren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, an Corona zu erkranken und wenn es ganz schlimm kommt auf der Intensivstation behandelt werden zu müssen. Das wäre dann ein sogenannt schwerer Verlauf. Es besteht auch die Möglichkeit, selber einen leichten Verlauf zu haben, aber jemanden anzustecken, der dann leider schwer krank wird. Das ist das Risiko, das jeder selber trägt. Und ich hoffe, ich schreibe das hier neutral, denn ich habe nicht vor, da etwas zu werten. (Bei Geimpften minimiert sich dieses Risiko um ein Vielfaches, sie können aber auch erkranken.)
Wenn es vielen Menschen so ergeht, dass sie auf die Intensivstation müssen, besteht irgendwann die „Gefahr“, dass diesen nicht mehr genügend Kapazität (=Personal, Apparaturen, Räume, Betten) zur Verfügung stehen für alle Patient*innen, die diese benötigen würden. Das sind nicht nur Corona-Patienten, sondern zB Unfallopfer, Menschen, die medizinische Notfälle erleiden und auch nach Operationen kann es vorkommen, dass man auf die Intensiv muss zur Beobachtung oder für länger. Ich würde sagen, das ist dann auch der Grund, dass Operationen verschoben werden, denn bei Komplikationen würde das lebensgefährlich enden.

Meinem Bruder erging es ja vor vielen Jahren nach einem schweren Motorradunfall so. Er musste unter anderem am Gehirn operiert werden, um nicht zu sterben und lag danach für mehrere Wochen auf der Intensivstation im Inselspital Bern. Die Zeit vor der Operation war kritisch, die Operation war es ebenfalls und auch noch eine ganze Weile danach ging es noch um Leben und Tod. Er hat überlebt. Dank OP und der Versorgung auf der Intensivstation.
Als Angehörige habe ich es damals übrigens auch sehr geschätzt, dass das Personal dort nicht nur genügend Zeit für ihn, sondern auch für uns hatte, denn das war für uns alle eine aussergewöhnlich schreckliche Situation.

Ich glaube, wir Menschen blenden solche Sachen gerne aus. Wir denken, das könne einem selbst nicht passieren. Das passiert nur immer andern.
Die Möglichkeit, einen Autounfall zu haben und dabei schwer verletzt zu werden ist klein und doch passieren solche Unfälle jeden Tag und es trifft immer jemanden.
Die Möglichkeit, einen Hirnschlag zu haben, ist auch klein. Und doch passiert auch das täglich.
Die Möglichkeit, dass bei einer Operation Komplikationen entstehen, sind ebenfalls wohl eher klein und doch passiert es.
Es trifft immer jemanden, der wohl auch immer gedacht hat, ihm könne das nicht passieren.
In all diesen Fällen sind Menschen darauf angewiesen, dass ihnen schnell und professionell geholfen wird. Das bedeutet vieles, nicht nur dass ein leeres Spitalbett für ihn da ist. Ich glaube, es bedeutet ganz fest, dass das zuständige Personal zurechnungsfähig ist, nicht total übermüdet und dass es Zeit für ihn hat neben den andern Patienten, die auch versorgt werden müssen.

Uns Menschen interessiert sowas mehrheitlich erst, wenn es UNS oder uns nahestehende Personen betrifft. Erst dann ist Krebs ein Arschloch. Erst dann ist es wahnsinnig, wie diese Raser fahren. Erst dann ist diese Kreuzung zu gefährlich. Erst dann braucht es einen Radweg. Erst dann wird darüber geredet, ob es einen Zebrastreifen braucht. Erst dann schätzen wir die Arbeit des Gesundheitspersonals. Erst dann.

Ich habe bis jetzt nur über die körperliche Gesundheit gesprochen. Es gibt auch noch die psychische. Genau wie wir jederzeit körperlich an etwas erkranken können oder uns in einem Unfall oder Unglück verletzen können, können wir jederzeit psychisch erkranken. Viele denken, dass es dafür äussere Einwirkungen bräuchte, zB ein schlimmes Ereignis, ein Trauma oder eine schwierige Situation, aber das stimmt nicht. So wie wir alle Knochen haben, die brechen können, ein Herz, das einen Infarkt erleiden kann oder ein Gehirn, das krank werden kann, haben wir auch eine Psyche, die einfach so krank werden kann.

Es ist ein Glück, körperlich gesund zu sein. Und es ist noch das viel grössere Glück, psychisch gesund zu sein.
Ich habe jahrelang mit Menschen gearbeitet, die mit einer psychischen Erkrankung leben lernen müssen. Das ist schwierig. Psychisch kranke Menschen werden in unserer Gesellschaft sehr stigmatisiert. Anders als bei vielen körperlichen Erkrankungen ist eine psychische nicht sichtbar. Nicht fassbar. Schwierig zu verstehen.
Für psychisch kranke Menschen ist es schwierig, in unserer Gesellschaft zu funktionieren. Sie nehmen Dinge anders wahr als wir, haben Ängste, Zwänge, sind zT weniger belastbar (unserem Wertesytstem entsprechend meine ich). Sie benehmen sich manchmal anders, manchmal irritierend, manchmal auffällig, viele aber eigentlich so unauffällig, dass sie verschwinden.

Hat bisher auch niemanden interessiert, wenn man ehrlich ist.

Jetzt aber, in der letzten Zeit, wird die psychische Gesundheit aber zum Thema und das ist ja gut so. Ich finde es auch sehr verständlich, dass die Pandemie an vielen nicht spurlos vorbei gegangen ist. Psychisch. Es gibt Menschen, denen die Einschränkungen seelisch auf den Magen schlagen. Auch begreiflich, denn es ist eine Krise. Eine Situation, die wir nicht so gut einschätzen können, auch wenn wir das möchten. Viele Nachrichten, viele Meinungen, Einschränkungen, offenbar sehr viel Misstrauen und in der Zwischenzeit auch viel Aggression und Frustration.

Ich möchte darauf hinweisen, dass es aber auch sehr viele bereits psychisch kranke Menschen gibt. Schon vor der Pandemie gegeben hat. Das sind Menschen, die immer psychisch krank sind. Das ist nicht dasselbe wie wenn man eine Krise hat, denn diese geht vorüber.
Für viele von ihnen bedeutet die Bewältigung des Alltags bereits eine riesige Herausforderung, die Pandemie macht es noch schwieriger.

Nun interessieren sich ja Menschen für die psychische Gesundheit, denen das ganze Thema bis vor kurzem noch egal war. Und eigentlich sind die Gründe dafür ja egal, Hauptsache es wird zum Thema.
Aber ist es tatsächlich echtes Interesse, ehrliches Engagement? Oder sind es einfach Argumente gegen die Massnahmen? Parolen? Oder weil es sie nun plötzlich selber betrifft?
Ich weiss, dass die Massnahmen unschön sind. Wir möchten sie alle nicht haben und dennoch werden sie von einem Teil der Bevölkerung als möglichen Weg zum Ziel als sinnvoll angesehen. Andere fühlen sich eingeschränkt und es tut ihnen nicht so gut. Ich möchte aber dazu sagen, wenn es um psychische Gesundheit geht, höre ich von vielen Menschen mit einer psychischen Erkrankung, dass die Massnahmen für sie zwar schwierig sind, aber dass sie ihnen auch Sicherheit vermitteln.
Es gibt also auch da immer beide Seiten und wer auch immer sich für etwas einsetzt, tut es immer nur aus eigener Sicht und oft aus eigenem Interesse.

Sich um die psychische Gesundheit zu kümmern ist ja Prävention und ich steh ja total auf Prävention, egal wo. Also Probleme wenn möglich gar nicht entstehen zu lassen, statt sie danach mühsam lösen zu müssen. Das ist oft möglich.

Also finde ich es gut, dass wir im Strassenverkehr gewisse Regeln einhalten müssen, denn das vermindert die Anzahl der Verkehrsunfälle.
Ich verstehe es, dass wir beim Motorrad- und Fahrradfahren oder auch beim Reiten und Skifahren einen Helm anziehen sollen. Das vermindert die Gefahr von schweren Kopfverletzungen bei allfälligen Unfällen.
Ich reibe mich im Sommer mit Sonnencreme ein, damit ich keinen Sonnenbrand bekomme. Das verhindert Schmerzen und die Gefahr einer Hauterkrankungen.
Ich finde es gut, Kinder und Jugendliche ausreichend aufzuklären, um Übergriffe, Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden.
Ich finde es auch gut, Jugendliche aufzuklären betreffend Drogen und Rauschmittel, in der Hoffnung sie würden es lassen.
Ich finde es total sinnvoll, mir Gutes zu tun, mich auszuruhen, Freude zu erhöhen und Stress möglichst zu vermindern, das fördert meine Gesundheit, physisch wie auch psychisch.
Ich weiss, dass ich nicht gut schlafe, wenn ich abends noch Kaffee trinke, deswegen mach ich es nicht.
Ich kontrolliere bei meinem Auto regelmässig den Ölstand und tanke, wenn das Lämpchen leuchtet, sofort, weil ich nicht scharf auf eine Panne bin.
Ich gehe nur Mammographie, obwohl ich gesund bin, um Brustkrebs früh zu erkennen, würde er denn auftreten.
Ich kaufe dem Kind Winterschuhe, bevor der erste Schnee fällt.
Ich gehe mit den Meerschweinchen zum Arzt, wenn eines krank ist, bevor es plötzlich tot im Gehege liegt.
Ich nehme im Winter Vitamin-D-Tropfen, weil ich weiss, dass ich sonst zu einem Mangel neige und mich dann ganz furchtbar fühle.
Ich habe das Kind und mich gegen einige Krankheiten impfen lassen, um nicht daran zu erkranken.
Ich schaue auf dem Fahrplan, wann der Bus fährt, wenn ich eine Reise machen möchte.
Ich rufe vorher an, wenn ich jemanden besuchen möchte, damit der auch tatsächlich Zeit hat.
Ich schreibe vor dem Einkaufen eine Liste, damit ich nichts vergesse.

Prävention ist für mich Vorausdenken und erspart mir oft viel Ärger und Situationen, auf die ich keine Lust und Nerven habe.

Sorge zu sich selbst und aber auch zu einander zu tragen ist für mich auch Prävention, denn grad eine gute psychische Gesundheit ist ein guter Boden für alles andere, was darauf wachsen soll.
Lohnt sich.

Alles und ganz viel Glück unter einen Hut bringen

Ich habe in der letzten Zeit immer wieder Situationen erlebt, in denen ich mir Gedanken gemacht habe darüber, was es bedeutet, im Leben erfolgreich zu sein. Es geschafft zu haben, wie man so schön sagt.
Aber was ist dieses „ES“ denn eigentlich? Das grosse Glück, die grosse Liebe, Attraktivität, Gesundheit, Arbeit, Heirat, Kind, Haus, Boot, Reisen, Golf spielen, Freunde haben, Geld haben oder was eigentlich?

Ich bin unterschiedlichen Menschen begegnet, die bei mir diese Fragen ausgelöst haben. Aus meiner Sicht aus betrachtet, so perfekt und sorglos, fast ein bisschen glitzernd. Aber ist das alles das, was sie sich gewünscht hatten oder wünschen sie sich noch mehr oder gar anderes?
Manchmal sieht so ein Menschenleben von aussen so perfekt, so schön aus, aber ob der Mensch selbst das auch so empfindet, weiss man nicht.

Jedenfalls habe ich über mein Leben nachgedacht.
Und ich glaube, dass dieses Erfolgreich Sein bei jedem wohl etwas anderes sein kann. Und dass Begriffe wie Glück, Zufriedenheit, Erfolg, Geborgenheit und Liebe von Person zu Person unterschiedlich definiert und noch unterschiedlicher gefüllt werden. Je nach Situation, je nach Charakter und Möglichkeiten und ich glaube auch, je nachdem, was diese Person in der Vergangenheit erlebt hat.
Aus dem was uns fehlt, formt sich das was wir suchen und anstreben, würde ich sagen. Vielleicht.
Ich glaube, das Glück – was auch immer es ist – ist für ganz viele Menschen etwas weit Entferntes und nie Erreichtes und nur die ganz besonders Glücklichen realisieren, dass sie bereits davon umgeben und mittendrin sind.

Ich weiss aber nicht, ob das Glück und das Glücklich Sein dasselbe ist wie im Leben etwas erreicht zu haben. Bestimmt nicht für alle. In unserer Gesellschaft hat „erfolgreich sein“ ja auch ganz viel mit materiellen Dingen zu tun. Damit, diese Dinge für sich zu geniessen, aber auch damit, andern zu zeigen, dass man diese Dinge hat. Das gibt einem ein gutes Gefühl. Aber auch damit, dass materieller Reichtum uns ganz, ganz viel Sicherheit und Unbeschwertheit vermitteln kann.
Und doch sagt man, Geld allein mache auch nicht glücklich.
Aber was denn noch? Liebe? Geborgenheit? Freiheit? Sorglosigkeit?
All diese Begriffe bedeuten für jede etwas anderes.
Für den einen bedeutet Glück, eine Familie zu haben, für den andern bedeutet es, gesund zu sein und für wieder einen andern ist es das grosse Glück, in der Welt herum zu reisen und ein anderer sieht sein grosses Glück im erfolgreich sein im Job.
Für die eine bedeutet Geborgenheit, sich in ihrer Wohnung sicher und wohl zu fühlen, für jemand anderer bedeutet es, zu jemandem zu gehören, sich geliebt zu fühlen.
Dasselbe mit Sicherheit. Wir können nahestehende Menschen als Sicherheit empfinden, Geld oder was auch immer. Wir hier haben bestimmt eine ganz andere Definition von Sicherheit, verglichen mit zB einer Frau in Afghanistan, die Angst haben muss, getötet zu werden, wenn sie ihr Haus verlässt oder auch wenn sie es nicht verlässt.
Und ich glaube, fast noch unterschiedlicher ist es mit der Liebe. Wir lieben aus unterschiedlichen Gründen und Bedürfnissen heraus genau die Person, die wir lieben. Und auch wenn wir nicht lieben, hat das seine Gründe. ZB kann Sicherheit ein Grund zum Lieben, aber auch zum Alleine bleiben sein, je nachdem welche Erfahrungen man gemacht hat. Liebe ist sehr vielschichtig.

So habe ich mich vor einiger Zeit mit einer alten Freundin seit langem wieder getroffen und unterhalten und das war sehr spannend. Sie führt seit ein paar Jahren ein Leben, das kann man sich als „normaler Mensch“ kaum vorstellen. Sie hat alles, was ich nicht habe, wenn man das so pauschal sagen kann und ich habe alles, was sie nicht hat. Ich hatte im Gespräch ganz unterschiedliche Gedanken und Gefühle und eines davon war, dass ich ihr ihr Glück (ich hoffe dass es das ist) von Herzen gönne. Zum andern habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr so mag von mir erzählen, weil neben ihren Erzählungen mein Leben sehr erbärmlich ausgesehen hat. Aber das ist okay, ich fand es interessant zuzuhören und zu staunen.

Nach diesem Nachmittag bin ich nach Hause gefahren und habe mir echt viele Gedanken gemacht. Ich hatte ganz fest das Gefühl, dass sie genau das gefunden hat, erreicht hat, was sie sich total gewünscht hat immer. Um ehrlich zu sein, habe ich mir auch überlegt, ob ich neidisch bin. Und gemerkt, dass ich es nicht bin. Das was sie hat, macht sie sehr happy. Mich würde es wohl entlasten und mir viele, viele Sorgen und Gedanken nehmen, aber MEIN Leben wäre das nicht.
Und so habe ich in diesen Gedanken realisiert, dass ich glücklich bin mit meinem Leben. Ja, wirklich. Glücklich. Dass ich andern ihr Glück und ihr Leben gönnen kann und ich meines mit allem drum und dran liebe. Ich glaube, das war meine persönliche Erkenntnis dieses Jahres. Ich finde es gut so wie es ist und ich liebe es.
Es ist zuweilen etwas anstrengend, zugegeben. Ich muss meine Energie immer wieder sehr gut einteilen und komme trotzdem immer mal wieder an meine Grenzen auf ganz verschiedenen Ebenen. Ich weiss, dass das noch ein paar Jahre so sein wird und in die Ferien fahren irgendwohin nicht in Frage kommen wird. Es ist wie es ist. Und man hat was man hat. Nicht mehr und auch nicht weniger. Auch zuhause kann ich mir kleine Oasen schaffen.
Und es gibt auch Momente, da fühle ich mich allein, obwohl ich so ziemlich gar nie allein bin. Diese Momente hatte ich früher öfter, jetzt nur noch ganz selten. Vermutlich dann, wenn ich nur noch wenig Kraft habe und mir wünschte, mir würde jemand beim Tragen helfen.

Ich habe mich grad diese Woche mit einer Frau unterhalten, die vor Jahren ihre vier Kinder, eins davon mit einer Einschränkung, allein aufgezogen hat. Sie hat gesagt, dass sie dieses Allein-Gefühl sehr ausgeprägt hatte und das während der ganzen Zeit sehr schwer gefunden hat. Ich kann das gut nachvollziehen, obwohl es mir nicht ganz so geht. Aber den Gedanken „es gibt auf dieser Welt niemanden (ausser mein Kind natürlich, aber das ist etwas anderes), der mich liebt“, den kenne ich auch. Ich mag ihn nicht. Aus diesem Grund vermeide ich ihn so gut es geht. Klappt ganz gut.

Es wird immer wieder Momente geben, in denen ich mich in Gesellschaft irgendwie als Aussenseiterin fühle. Ich muss das nicht, ich weiss, aber manchmal ist es halt trotzdem so.
So habe ich vor ein paar Wochen in einem Gremium an einer Sitzung teilgenommen, wo jede und jeder sich zuerst mal vorgestellt hat. Dabei haben sie auch ihren Partner bzw. ihre Partnerin erwähnt und ich war da die einzige Alleinerziehende und Alleinstehende. Ich bin mir blöd vorgekommen und ich habe mich geschämt in diesem Moment. Weil ich in diesem Moment dachte, dass ich so ziemlich alles, was ich in meinem Leben erreicht hatte bisher, verloren habe. Die andern sind daran nicht schuld, diese Gedanken werden in mir selbst ausgelöst durch die Auseinandersetzung mit mir und meiner neuen Rolle zuhause und auch in der Gesellschaft. Mit der zuhause habe ich mich gut arrangiert. Mit der in der Gesellschaft noch nicht so ganz, denn das ist schon schwieriger. Man ist als Alleinerziehende wohl sehr damit beschäftigt zu funktionieren, zu arbeiten, zu haushalten, zu erziehen, Geld zu verdienen, möglichst flexibel zu sein, dass man keine Zeit dafür hat, sich für sich und andere Alleinerziehende stark zu machen. Deswegen ist man mit seinen Themen allein, obwohl es so viele Alleinerziehende gibt. Aber das sind wieder andere Themen.

Ich glaube jedenfalls, dass es notwendig ist, sich diese Gedanken zu machen Die Gedanken, was uns glücklich macht und was wir im Leben erreichen und leben möchten, denn die Zeit läuft und läuft und kommt nie mehr zurück. Es ist gut, auf dem Weg zu sein und ein Ziel im Auge zu haben…
Und das ganz persönliche kleine oder grosse Glück im Alltag zu sehen und zu geniessen. Ich probiere das auch. Es gelingt manchmal schon ganz gut.









Die 10 Gebote

1. Coffee first.

2. Lass das Glück hinein, wenn es dir begegnet.

3. See the heart in everything.

4. Es dreht sich nicht alles nur um dich. Es gibt noch mehr als 7,7 Milliarden andere Menschen auf der Erde.

5. Immer den Ball flach halten.

6. Geniess deine Zeit hier.

7. Be gentle.

8. Fokussiere dich auf das Positive, auf Ressourcen und Fähigkeiten und auf das, was gut klappt.

9. Wer auch immer du sein möchtest oder könntest, bleibe einfach dich selbst.

10. Sei dir bewusst, dass du vieles glaubst und vieles meinst, aber doch recht wenig wirklich weisst.

An wen wir geraten, wenn wir in Not sind

Seit vielen Jahren bin ich in der Betreuung tätig. In der Betreuung von Menschen, die darauf angewiesen sind, dass jemand diese Aufgabe sorgfältig und kompetent ausübt, sie in ihren Anliegen und Bedürfnissen ernst nimmt und sie wenn nötig gegen aussen vertritt, begleitet und gegebenenfalls Dinge für sie übernimmt. Es gibt da ja ganz unterschiedliche Tätigkeitsfelder, unterschiedliches Klientel und auch da unterscheidet sich jeder und jede wieder vom andern. Aus diesem Grund (unter anderem) ist mein Beruf aus meiner Sicht besonders interessant, abwechslungsreich und spannend und manchmal auch besonders anstrengend, wenn ich ehrlich bin.
Egal, wo man arbeitet als Sozialpädagogin, sei es mit Kindern oder Jugendlichen, Menschen mit Suchtproblemen, im Strafvollzug, mit unterschiedlichen und unterschiedlich starken Einschränkungen, mit Frauen, mit Männern, mit Asylanten und Asylantinnen, mit Menschen mit psychischen oder körperlichen Erkrankungen, mit Opfern, mit Täterinnen oder Tätern usw und egal ob in Schulen, Beratungsstellen, Institutionen, man hat immer mit Menschen zu tun, die diese Unterstützung brauchen, um zurecht zu kommen. Mit Menschen, die, wenn man es so sagen kann, nicht nur auf diese Dienstleistung angewiesen, sondern sogar auch abhängig davon sind. Nicht selten für eine längere Zeit oder für immer.

Etwas, was ich dazu sagen möchte ist, dass es absolut jedem passieren kann, in eine hilfesuchende oder hilfebrauchende Situation zu kommen. Das kann ebenfalls für eine Phase sein, das kann aber auch für länger oder immer sein. Etwas, das unser Leben nachhaltig verändert, kann so schnell passieren. Manchmal von einer Sekunde auf die andere.
Vielleicht kann sich das nicht jeder und jede vorstellen, aber es ist tatsächlich so. ZB ist es uns allen jederzeit möglich an Körper, Psyche oder gar beiden zu erkranken. Dabei gibt es unendlich viele Möglichkeiten, einige wie bereits geschrieben, vorübergehend und heilbar, andere leider nicht. Jeder von uns kann jederzeit einen Unfall erleiden mit schwerwiegenderen Folgen. Eine Gewalttat, ein Übergriff, ein Schicksalsschlag. Jeder von uns kann in eine persönliche Krise kommen, sei es durch eine Veränderung bei der Arbeit oder durch deren Verlust oder durch eine andere schwierige private Situation, ein Todesfall, eine Trennung, irgendwas. Oder in eine Situation, die wir einfach momentan schwierig finden, zB in der Erziehung, ein Suchtproblem, in der Beziehung, finanziell usw. Es gibt viele Szenarien und längst nicht alle betreffen uns direkt und können uns und unser Wohlbefinden dennoch stark tangieren.
Meistens sind solche Situationen vorübergehend und wir haben die persönlichen Fähigkeiten und Ressourcen, uns selbst wieder aufzufangen. Das sind sogenannte Krisen. Sie gehen vorüber, je nach Situation und auch je nach persönlichen Ressourcen schneller oder langsamer. Mit oder ohne Unterstützung von aussen. Und da hat man zB die Möglichkeit aus einem sehr vielfältigen Spektrum an unterstützenden Massnahmen, von Beratungen und unterschiedlichen Therapie- und Betreuungsmöglichkeiten zu wählen. Jede mit dem Ziel, möglichst 100%iges Wohl, Gesundheit und Selbständigkeit wieder zu erlangen.

Vor drei Jahren habe ich es erlebt, dass ich eine für mich recht schwierige persönliche Phase durchlebt habe, in der sich mein gesamtes Leben auf den Kopf gestellt hat. Es war nur eine Phase und ich habe mich in dieser während einer kurzen Zeit in der hilfesuchenden Position erlebt. Ich habe dabei unterschiedliche Erfahrungen gemacht und ganz viele davon sind sehr positiv und ich finde, so sollte es sein.
Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht so einfach ist, für eine Beratung an die richtige Stelle bzw an die richtige Person zu geraten, was ich als sehr schwierig empfunden habe in dieser Situation. Ich habe in dieser Hinsicht Gutes, aber auch Grottenschlechtes erlebt von Institutionen, die sich soziale Institutionen nennen.
Jedenfalls ist es doch so, wenn man sich ein Bein bricht, dann braucht man einen Gehstock, der uns stützt und hält oder zumindest mal einen Holzstock, einen Stuhl zum hinsetzen, einen Verband oder irgendwas, was uns für den Moment grad weiterhilft. Eine Beratungsperson, die einem sagt, dass die Schmerzen im gebrochenen Bein nicht so schlimm seien oder uns droht, wenn man nicht normal weiter geht, das Bein zu amputieren und das andere auch noch dazu, das ist kontraproduktiv und weder hilfreich noch die passende Lösung.
Es ist bei andern, nicht für jeden sichtbaren Problemen nicht anders.

Aber ich weiss, auch die, die da in beratenden Positionen sind, sind Menschen, mit ihren eigenen Rucksäcken auf dem Rücken und Launen, Situationen und mehr oder weniger Lust auf diesen Job. Und auch mehr oder weniger geeignet vermutlich. Normal. Nur dürfte das der Klient oder die Klientin nicht mal merken, sondern sie sollte jederzeit kompetent und wertfrei beraten werden.
Offenbar ist das nicht selbstverständlich. Ich war da kein Einzelfall. Im Gespräch mit so einigen Menschen in ähnlichen und ganz andern Situationen habe ich erfahren, dass auch sie es nicht anders erlebt haben.

Das möchte ich nicht.
Ich möchte nicht, dass Menschen in Not so behandelt werden!

Ich möchte gerne, dass hilfesuchende Menschen an Menschen geraten, die auch tatsächlich hilfreich sind. Ich meine da eigentlich auch jetzt nicht einfach andere Mitmenschen, Nachbarn, Freunde oder irgendwen, sondern Personen in sogenannt helfenden Berufen. Also, dass wenn man sich an eine Beratungsstelle wendet, egal welche und wo, dass einem weitergeholfen wird und wenn das nicht möglich ist, dass einem gesagt wird, an wen man sich wenden kann und vor allen Dingen, dass man dort einfach ernst genommen und wertschätzend behandelt wird.

Es ist ja irgendwie mein inneres Ziel, dass ich etwas verändern kann irgendwann und irgendwo. Das war es schon vorher, aber nun auf diese Erfahrung zurückblickend, erst recht. Mir ist es wirklich ein Anliegen, dass Menschen ernst genommen werden und dass niemand ausgeschlossen wird oder Angst hat, ausgeschlossen zu werden, egal warum. Und halt wie gesagt, dass hilfesuchende Menschen oder auch Menschen, denen es nicht mal mehr möglich ist, überhaupt Hilfe anzufordern, nicht an andere Menschen geraten, die mit ihrem Verhalten da etwas schlimmer machen als es eh schon ist. Es ist nämlich dabei nicht zu vergessen, dass es Mut und ganz schön viel Überwindung kostet, über sowas zu sprechen, zu weinen, sich zu öffnen. In diesen Situationen ist man manchmal nicht mehr ganz sich selbst, ist sehr emotional, durcheinander, besorgt oder / und geschwächt.
Statt Krisen als zum Leben gehörend zu akzeptieren, werden sie auch heute noch als Schwäche, „etwas stimmt mit dir nicht“ und „MIR könnte das ja nie passieren“ angesehen.

Ich habe vor kurzem in einer Gruppe von Menschen von einem Anliegen erzählt, das von andern an mich herangetragen wurde. Jemand in der Gruppe hat darauf geantwortet, SIE habe das nie so erlebt und damit war das Thema dann auch von Tisch. Ich habe mich später über mich selbst geärgert, dass ich nicht reagieren konnte, denn wenn auch mich etwas kein Thema ist, heisst es noch lange nicht, dass es das für andere nicht ist.
Mir geht es immer wieder so auf den Sack, dass es Menschen gibt, die etwas selbst erlebt haben müssen und zwar genau 1:1 (was ja sowieso gar nicht möglich ist), um zu verstehen, um empathisch zu sein. Ich finde es einfach schwierig, das zu verstehen und ich sehe bei mir, dass ich nicht alles erlebt haben muss, um mir vorstellen zu können, dass das schlimm ist. Oder halt zumindest dass ich die Haltung habe, wenn die andere Person das als schwierig empfindet, dann ist es das, wenn auch nur für sie.
Ich finde, die Haltung „es betrifft mich nicht, also ist es nicht“ widerspiegelt sooooo die Zeit in der wir leben, die Situation, in der wir leben.

Man kann sich ja nicht um alle und um alles kümmern und auch nicht für alles interessieren. Mich interessiert vieles und ganz besonders interessieren mich Frauen (Männer auch), die in der Situation der Trennung sind.
Meine Erfahrungen in der Auflösung meiner Ehe waren betr. Hilfestellungen und Perspektiven-Schaffung bzw in der Unterstützung darin wirklich etwas durchzogen und das ist genau das, was jemand in dieser Situation nicht braucht. Neben all den Gefühlen, der Trauer, der Enttäuschung, dem Liebeskummer ist man meistens dann als Frau noch in einer existentiell sehr schwierigen Situation. Und nicht nur das. Man hat ja noch Kinder an der Hand, die ebenfalls unterschiedlich reagieren. Man hat also kein Boden mehr unter den Füsse für einige Zeit und gibt trotzdem den Kindern Boden und Halt. Im besten Fall hält man seine Gefühle, seine Tränen und Wut in sich gefangen oder lässt sie nur raus, wenn die Kinder nicht da sind. Was für eine grosse Leistung ist das denn bitte?

Es ist meine Vision, Frauen in dieser Situation zu unterstützen. Mit meinem beruflichen Wissen und meiner persönlichen Erfahrung. Ihnen den oben genannten Gehstock oder einen Schemel zum sich mal ausruhen zu reichen, ihnen zu sagen, an wen sie sich wenden können für die verschiedenen Dinge, die geklärt werden müssen und an wen, um eine hilfreiche Beratung zu bekommen. Einfach zu unterstützen, damit diese Situation nicht aussichtslos wird, dass das Ende des Tunnels näher und heller wird und nicht wie es leider manchmal ist, entfernter und zugenagelt.

Vielleicht mach ich das irgendwann. Ich weiss nicht wo, ich weiss nicht wie und auch nicht wann.

Panorama

Es gäbe ein riesiges Panorama zu bestaunen, aber so oft gehen wir mit Scheuklappen durch die Welt und sehen nur einen klitzekleinen Teil von alldem, was es noch zu bestaunen gäbe.

Das mit dem Weitblick ist etwas, das habe ich damals schon ganz früh in meiner Ausbildung zur Sozialpädagogin gelernt. In schwierigen Situationen bei der Arbeit oder wo auch immer, denn das ist ja nicht nur in beruflichen Situationen anzuwenden, lohnt es sich sooo oft, ein paar Schritte zurück zu machen und nochmal in Ruhe hinzuschauen.
Man sieht von dort aus einfach mehr, als wenn man direkt vor einem Objekt steht. Man stelle es sich so vor, als sähe man zB nur braun und nichts anderes und würde werweissen, was das wohl sei und erst, wenn man zwei, drei Schritte zurück ginge, sähe man, dass das ein Brett ist, das man vor dem Kopf hat.

Mit ein wenig Distanz betrachtet sieht so manches anders aus und ist längst nicht mehr so heiss, dass man sich daran verbrennen könnte. Eine gewisse Distanz ist gesund und ermöglicht einem einen ganz andern Blick auf die Dinge. Sie ermöglicht einem durchzuatmen, sich die nötige Zeit zu nehmen, um etwas genauer betrachten zu können. Und noch viel besser klappt das, wenn man sich das Objekt von verschiedenen Seiten aus anschaut. So wird es einem möglich(er), Hintergründe und Zusammenhänge besser zu erkennen.
Je grösser das Blickfeld, desto grösser ist vermutlich auch die Objektivität, wobei man sich bewusst sein muss, dass wir die Dinge immer subjektiv wahrnehmen. Wir sehen das, was wir sehen wollen oder können und wir verstehen auch das, was wir verstehen können. So ist es eine Tatsache, dass wir nicht nur durch unser Blickfeld, sondern sicherlich auch durch unsere Bildung und die individuellen kognitiven Ressourcen manche Dinge nur beschränkt verstehen können.

Es gibt Situationen im Leben, da wird man kopfvoran hinein gerissen von andern oder auch einfach von den Umständen, vom Sog der Emotionen und vom Tempo der sich überschlagenden Ereignisse. Das kann super-schön sein, wie zB wenn man sich verliebt oder in andern wunderbaren Momenten im Leben. Da stürzt man sich am liebsten gleich mit Haut und Haaren hinein, gibt sich hin, geniesst, fühlt nur noch und will mass-los übertreiben, sieht nur noch das eine und nichts anderes mehr.
Das kann aber auch super-schwierig sein, zB bei Themen, die uns belasten und plagen. Oder wie oben erwähnt, bei Dingen, bei denen wir einseitig und verbohrt werden, nichts anderes mehr sehen. Wie hilfreich wäre es in solchen Situationen, einen Schritt zurück machen zu können, nachdem ein Thema uns total eingenommen hat? Wieder durchatmen, sich von einer Obsession lösen und mal links und rechts schauen, was es dort noch zu sehen gäbe, statt mit dem Blick nach unten nur noch der schwarzen Linie auf dem Boden zu folgen?

Es ist nie nur schwarz.
Es ist auch nie nur weiss.
Ich glaube, wenn man das nicht mehr erkennt, ist es ganz dringend notwendig, sich wieder mal neu zu orientieren und seinen Horizont für all die Farben des Lebens zu öffnen.

Viel Freude beim Anblick des Panoramas.



Foto: Luzern, Blick von der Seebrücke über den See (Februar 2016)

Ich könnte übers Impfen schreiben, wenn ich wollte…

Ich könnte jetzt übers Impfen schreiben und darüber, wie Meinungen sich radikalisieren, aber es ist mir zu blöde. Ich glaube, dass sehr viele Menschen Meinungen zu diesem momentan aktuellen Thema haben, die relativ wenig von dieser Materie verstehen. Oder grad gar nichts, wenn man ehrlich ist. Schlussendlich bedeuten weder „meinen“ noch „glauben“ WISSEN. Ich nehme mich da nicht raus, ich weiss auch nichts darüber, denn ich habe weder Mikrobiologie noch Virologie studiert.

Ich weiss ganz schön viel in meinem Fachgebiet. Da bin ICH eine Expertin und da muss mir keiner dreinreden, egal ob er Virologe, Bundesrat oder selbsternannter Sozialpädagogik-Experte ist. Diskutieren kann man immer, klar, aber das ist dann auf einer sehr unausgeglichenen Ebene. Das geht dann eigentlich besser mit Menschen, die von diesem Themengebiet auch etwas verstehen. Dennoch können solche Diskussionen recht interessant sein und man kann davon profitieren. So geht es mir ja auch in Diskussionen über andere Themen. Etwas, das informativ ist, ist auch interessant. Etwas, das zum Denken anregt, ist inspirierend und wird dazu beitragen, unseren Horizont zu erweitern.

Mein Themengebiet ist jetzt ja nicht soooo komplex wie zB das eines Virologen. Wenn ich jemandem etwas erkläre, dann verstehen die das vermutlich einigermassen. Vielleicht haben sie eine andere Ansicht und das ist okay, denn es gibt verschiedene Wege, etwas anzugehen oder zu handeln. Wenn ich aber einen bestimmten Weg einschlage, hat dies auch einen Grund, denn ich verfüge nicht nur über Erfahrung, sondern auch über das notwendige Wissen auf diesem Gebiet. Ich kann meine Schritte ganz genau begründen.
Oberflächlich gesehen wissen viele ein bisschen Bescheid, schliesslich geht es ganz oft um zwischenmenschliche Dinge und um menschliches Verhalten. Tiefer greifend gesehen, weiss ich aber sehr viel mehr über Pädagogik, Sozialpädagogik, Psychologie und Psychopathologie, was andere nicht wissen. Wäre ja auch doof, wenn ich da keinen grösseren Wissenstand hätte, habe ich das alles doch jahrelang studiert und noch viel länger auf diesem Job gearbeitet.
So muss ich sagen, finde ich es auch nur so semi geil, wenn irgendwelche Menschen meinen, sie wüssten ganz genau Bescheid. Ich gehe davon aus, es geht euch da ganz ähnlich. Jeder ist in seinem Job ja die Expertin oder der Experte und weiss da einfach ganz genau, wovon er spricht. Sollte zumindest.
Ich finde eigentlich auch gar nicht, dass alle alles wissen müssen oder sollen. Und ich finde es viel ehrlicher, zu sagen, dass man nichts davon weiss oder nicht so viel und auch nicht den Anspruch an sich hat, dies zu müssen.

All die Menschen, die versuchen, uns durch diese Pandemie zu führen, haben dieses Fachwissen ja und auch die Erfahrung. Es wird wohl einen Grund geben, warum sie genau in diesen Jobs sind. Ihr Fachgebiet ist um einiges komplizierter und komplexer als meines. Diese Menschen versuchen nun seit 1,5 Jahren, uns recht komplizierte Dinge in einer möglichst einfachen Sprache zu erklären und es gibt Menschen, die ihnen das nicht glauben, aus welchen Gründen auch immer.

Für mich erscheint vieles recht logisch und ich mache mir meine Gedanken dazu. Ob ich mit allen Massnahmen einverstanden bin und ob sie für mich Sinn machen, kann ich nicht so richtig beurteilen, ich sehe das ja nur aus meiner Sicht und nicht ganzheitlich und objektiv, wie das sein sollte. Ich glaube, schlussendlich gehen wir alle am Ende von unseren eigenen Bedürfnissen aus. Die Massnahmen finden wir genau dort Scheisse, wo sie uns einschränken. Dort, wo es uns egal ist und wo sie andere einschränken, ist es für uns einfacher, sie zu akzeptieren. Das muss man aber unterscheiden. Ob einem etwas gefällt oder nicht oder ob etwas Sinn macht und zum Erfolg führt, das sind zwei total verschiedene Schuhe.

Wenn ich keine Fachperson auf einem Gebiet bin, dann vertraue ich denen, die das sind. Normal. Alle tun das. EIGENTLICH.
Sich an Fachpersonal zu halten, hat sich – zumindest für mich – schon immer bewährt. Wenn ein Gerät in der Wohnung defekt ist, verfüge ich nicht über das Wissen, was genau fehlt und wie es repariert werden muss. Ich überlasse dies einem Fachmann.
Wenn ich krank bin, lasse ich mich von einem Arzt untersuchen und gegebenenfalls behandeln. Es käme mir nie in den Sinn, dafür die Meinung zB eines Komikers und sei er auch noch so berühmt, einzuholen.
Bei Problemen mit meinem Auto frage ich gerne einen Automechaniker um Rat und wenn eines meiner Meerschweinchen krank ist, dann gehe ich mit ihm zur Tierärztin.
Ich könnte auch gut im Internet, zB bei Facebook fragen, was mir wohl fehlen könnte, wenn ich Kopfschmerzen und gleichzeitig den Krampf in der rechten Wade und Verstopfung habe und ganz bestimmt würden ganz viele Menschen ihren Kommentar, ihre Meinung, ihre Diagnose drunter schreiben. Natürlich auch gleich mit vielen Ratschlägen, was zu tun sei. Bestimmt wären auch einige dabei, die schrieben, sie seien Arzt oder hätten diese Symptome auch schon gehabt. (Früher hat man gesagt, „Papier nimmt alles an“. Und im Internet kann jeder ein Arzt sein oder was auch immer er sein möchte. Jede kann schreiben oder erzählen, was sie will und was daran wahr, ist, weiss man nie so genau.) Einige würden mich auslachen und irgendeine Scheisse in die Kommentarspalte rotzen. Und irgendeiner würde mir im Messenger schreiben, ich sei hübsch und er horny. Wenn ich Pech hätte, sogar mit Beweisfoto.
Ja, so läuft das. Egal, welches Thema aufkommt, es gibt zahlreiche Experten bzw. solche, die sich als Experten sehen. Experten zu egal welchem Thema. Zu jedem eigentlich. Sei es Corona, seien es die Impfungen, die Vorgehensweise, die Massnahmen, sei es Afghanistan oder Rassismus, Feminismus, Nagetierhaltung, Tierschutz, Erziehung und was auch immer.

Besonders interessant finde ich auch, dass plötzlich der Anspruch besteht, ganz genau wissen zu wollen, welche Inhaltsstoffe diese Impfung hat. Es ist wohl davon auszugehen, dass diese Personen auch ganz genau die Inhaltsstoffe ihrer Schmerztablette, der Antibabypille und des Hustensaftes kennen, den sie ihrem Kind geben, wenn es krank ist. Oder Coca Cola, Mars, die Fertigpizza, Sonnencreme, Kaugummi oder Schokoladenpudding aus dem Kühlregal.
Ich nicht.

Ich habe oft darüber geschrieben, wie gefährlich und ungesund ich es finde, wenn Menschen sich radikalisieren. Das geschieht momentan sehr oft, finde ich. Es sind schwierige Zeiten. Millionen von Menschen müssten am selben Strick ziehen, um dieses Problem zu lösen. Dass das nicht klappt, kommt ja auch nicht überraschend, denn das ist ein riesiges Ausmass. Meistens klappt das ja nicht mal im Kleinen. In einer Familie, einer Firma, einer Nachbarschaft…

Ich finde, es geht um Verantwortung. Für mich jedenfalls Es geht nicht darum, sich impfen zu lassen oder es nicht zu tun. Es geht darum, sich für etwas zu entscheiden und dann halt auch dahinter zu stehen.
Hinter etwas – oder in diesem Fall hinter dieser Entscheidung – zu stehen bedeutet für mich, die Konsequenzen zu tragen.
Ich zB bin geimpft. Ich habe mich nicht impfen lassen, weil ich dumm bin und den andern Schafen hinterher springe, nein. Aber ich muss mir das immer wieder mal anhören. Ich bin ja der Meinung, dass man genau dann beginnt, andere zu beleidigen und respektlos zu behandeln, wenn man überfordert ist und einem die Argumente ausgegangen sind. Das gehört für mich unter anderem zum zu sich und zu seiner Entscheidung stehen. Das tut man, indem man wenn nötig begründet (ich finde es nicht mal nötig) und nicht, indem man die, die anders entschieden haben, runter macht.
Ich habe jedenfalls noch nie jemanden beleidigt, der nicht geimpft ist. Ich muss ehrlich sagen, ich bin nicht mal scharf drauf, darüber zu reden.

Mir ist es ganz ehrlich scheiss-egal, wer nicht impft und warum das so ist. Warum würde ich das wissen wollen? Was würde es mir bringen? Und würde ich dann diskutieren und versuchen, jemanden zum Impfen zu überreden? Nein. Und umgekehrt funktioniert das sowieso nicht. Was soll es bringen, mit mir über das Impfen zu diskutieren, zu versuchen es mir abspenstig zu machen? Soll ich meine Meinung ändern und diesen Impfstoff wieder aus mir raus pressen?
Also… es ist umsonst, man kann sich seine Nerven und die Geduld für etwas anderes sparen, das ist sinnvoller.

Betreffend Konsequenzen habe ich gewusst, dass ich danach nicht einfach „frei“ sein werde, denn es gilt nun, diejenigen zu schützen, die nicht geimpft sind. Ich trage weiterhin Maske und verhalte mich den Massnahmen entsprechend, nur nun halt nicht mehr nur für mich, sondern vor allem für andere und vor allen Dingen auch für die Kinder, die ja ungeschützt sind.
Andere Konsequenzen habe ich nicht.

Die Konsequenzen des Nicht-Impfens sind unter anderem, dass man einen schweren Krankheitsverlauf in Kauf nimmt. Passiert auch nicht extrem oft, aber kann passieren. Man hat ein viel grösseres Risiko, sich anzustecken als eine nicht geimpfte Person und trägt das Virus länger mit sich rum, ist also länger ansteckend. Leider ist es so, dass diesen Konsequenzen dann nicht nur die betroffene Person, sondern auch ihr Umfeld ausgesetzt ist. Und im schlimmsten Fall das überstrapazierte Gesundheitspersonal in den Krankenhäusern und dann möglicherweise auch andere Notfall-Patienten, die auf eine Behandlung warten müssen und möglicherweise sterben. Das kann dann jeden treffen. Ein Herzinfarkt, ein Unfall, ein Hirnschlag, Krebs, Komplikationen nach einer Operation usw…

All dies sind Konsequenzen, die ich persönlich nicht tragen will. Aus verschiedenen Gründen.

Offensichtlich habe ich nun also doch übers Impfen geschrieben…

Bleibt gesund und passt auf euch und aufeinander auf. Bisschen anständig miteinander umzugehen würde auch nichts schaden.



… und es wurden immer mehr.

Etwas vom Schönsten im Leben ist es vermutlich,
dass es Menschen gibt,
die einen Teil des Weges mit uns gehen
,
egal welchen.

Ich staune immer wieder,
wie viele Menschen das, was ich hier immer so schreibe,
anklicken und vermutlich auch lesen.
Am Anfang habe ich hier Texte geschrieben,
die wahrscheinlich nur ich selbst gelesen habe,
aber dann kam der eine oder die andere dazu
und es wurden immer mehr.

Darüber freue ich mich wirklich sehr.

Danke!