Ich bin ein Museum


Ich bin ein Museum
von all dem,
was ich je geliebt habe.

Ich habe diesen Satz gesehen… und ich habe ihn geliebt.
(Quelle gesucht, aber keine gefunden)
Vielleicht, weil ich das Bild so schön und auch so passend finde.

Ein Museum.
Ein Ort, an dem Dinge aufbewahrt werden.
Vielleicht zum Teil, weil wir sie noch brauchen, bald oder irgendwann.
Vielleicht, weil wir sie uns von Zeit zu Zeit ganz gerne anschauen.
Aber auf jeden Fall, weil sie einmal wichtig waren oder es (deswegen oder auch einfach so) noch sind.
Weil sie eine Geschichte erzählen.
Weil sie zu etwas gehören, das gewesen ist und sie diese Bedeutung immer noch in sich tragen.

Ich glaube, wir Menschen sind so. Wir tragen soooo vieles mit uns herum, was wir irgendwann einmal geliebt haben (oder gehasst haben, Angst davor hatten usw).

Menschen zum Beispiel wohl an erster Stelle. Manche sind noch da, andere sind irgendwann aus unserem Leben verschwunden. Weil Wege sich getrennt haben, weil das Leben passiert ist oder weil sie gestorben sind. Manche haben wir vielleicht sogar einmal sehr geliebt und würden sie heute trotzdem nicht mehr in unserem Leben haben wollen oder können.

Und dennoch waren sie einmal wichtig. Sie haben Erinnerungen hinterlassen, gute und auch ungute. Sie SIND Erinnerungen.

Da sind aber auch all die anderen Dinge.
Orte, an denen wir glücklich waren.
Tiere.
Ein Haus, in dem wir einmal gewohnt haben.
Ein Kinderzimmer.
Ein Ferienort.
Ein bestimmter Weg, den wir hundertmal gegangen sind.
Musik.
Bücher.
Gerüche.
Ein Essen, das jemand gekocht hat.
Ein Kleid, das wir geliebt haben.
Eine Stimme.
Ein Sommer.
Ein ganz gewöhnlicher Nachmittag, von dem wir damals noch nicht wussten, dass wir uns Jahrzehnte später daran erinnern würden.

Alll diese Dinge stehen irgendwo in unserem inneren Museum. Manche ganz vorne, hell beleuchtet und gut sichtbar. Andere längst in irgendeinem kleinen Raum, in den wir nur noch selten hineingehen. Und manches liegt vermutlich irgendwo im Archiv, weit, weit hinten, mit einer dünnen Schicht hellgrauen Staubes bedeckt. Wir denken jahrelang nicht daran – bis plötzlich ein Lied läuft, ein bestimmter Geruch in der Luft liegt oder jemand einen Satz sagt…
Und auf einmal ist die Tür wieder offen.

Das Faszinierende daran ist für mich: Nichts davon muss heute noch dieselbe Bedeutung haben wie damals. Ich habe mal gelesen, dass unsere Erinnerungen eigentlich alle verfälscht sind. Wir erinnern uns nicht an die Ereignisse, so wie sie waren oder an Menschen, so wie sie waren, sondern an unsere Gefühle, die sie damals ausgelöst haben.

Vielleicht machen wir uns das Loslassen manchmal unnötig schwer. Wir glauben, wir müssten mit Dingen abschliessen, wegziehe lassen, sie vergessen, hinter uns lassen. Als wäre nur das wirklich vorbei, woran wir nichts mehr fühlen.
Aber vielleicht bedeutet Loslassen gar nicht, dass etwas verschwinden muss. Ich glaube, es bedeutet nur, ihm einen anderen Platz zu geben. Nicht mehr mitten im Raum, sondern irgendwo zwischen all den anderen Dingen, die uns zu dem Menschen gemacht haben, der wir heute sind.

Wenn ich mir vorstelle, in meinen Gedanken durch mein eigenes Museum zu gehen, dann wäre es vermutlich ein ziemlich sonderbarer Ort. Viele, viele. wunderschöne Erinnerungsstücke, aber ganz bestimmt weiter hinten auch Dinge, die herumliegen wie die Utensilien aus einem Horrorfilm in den Kellern der Hollywood Studios.
Da wären Erinnerungsstücke, die mich sehr traurig machen.
Sehr laute und ganz auch ganz. stille. Es gäbe Dinge, bei denen ich heute lachen müsste, weil ich sie einmal so bedeutend fand. Andere würde ich vermutlich vorsichtig anschauen und schnell wieder weitergehen.
Und bei manchen würde ich gaaaanz lange stehen bleiben.

Aber ich glaube, ich würde nichts davon wegwerfen wollen. Denn selbst das, was längst vorbei ist, gehört zu meiner Geschichte und zu mir…. die Frau, die ich heute bin und die ich einmal sein werde.

So ein Mensch besteht aus Geschichte, aus Erinnerungen. Wir sind keine leeren Räume, die nach jedem Abschied und von Zeit zu Zeit wieder ausgeräumt werden. Wir sind immer voller werdende Museen. Einzigartig. Mit einer Sammlung, die kein anderer Mensch auf dieser Welt genauso besitzt.

Ich bin ein Museum von allem, was ich je geliebt habe.

I love it!!!

Eine Antwort zu „Ich bin ein Museum“

  1. Wieder so schön!
    Gibt mir so viel gute Gefühle.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.