
Heute würde ich euch sehr gerne Emily Brontë vorstellen, eine der berühmten Brontë-Schwestern.
Emily Brontë wurde 1816 geboren. Sie wuchs mitten in einem kleinen, ganz besonderen Universum auf.
Gemeinsam mit ihren Schwestern Charlotte und Anne erschuf sie schon als Kind eigene Welten. Sie schrieben Geschichten, erfanden Länder, füllten Seiten mit Figuren und Gedanken, lange bevor jemand wusste, wer sie einmal sein würden.
Schreiben war offenbar in dieser Familie einfach immer eine wichtige Beschäftigung, denn alle vier Kinder wurden Schriftsteller. Branwell mit weniger Erfolg als seine Schwestern. Anders als seine Schwestern, schrieb er weniger Geschichten, sondern Gedichte und malte.
Die Welt damals war keine, die nur auf Charlotte, Anne und Emily gewartet hat.
Drei Frauen, die schreiben?
Drei Frauen, die ernst genommen werden wollen?
Das war nicht vorgesehen. Also entschieden sie sich für einen anderen Weg.
Sie veröffentlichten ihre ersten Werke unter männlichen Namen: Currer, Ellis und Acton Bell. Emily war Ellis. Sie wusste, dass ihre Worte sonst womöglich gar nicht gelesen würden.
Sie hat sich also gewissermassen versteckt, um überhaupt die Chance zu bekommen, sichtbar zu werden. Und genau so ist dann ihr einziger Roman „Wuthering Heights“ unter dem Namen Ellis Bell erschienen.
Das Buch wurde von vielen nicht verstanden, wurde als zu wild, zu düster und zu intensiv empfunden. Als „zu viel“. Dennoch gilt er als Klassiker der englischen Literatur.
Emily selbst erlebte ihren späteren Erfolg nicht mehr. Sie starb mit nur 30 Jahren, kurz nach ihrem Bruder Branwell, der an Tuberkulose gestorben ist. Sie hat ihn bis zu seinem Tod gepflegt und starb dann kurze Zeit später an der selben Krankheit. Passend zu ihrer Persönlichkeit, die als stur und auch eigenartig, beschrieben wurde, nahm sie bis es dann zu spät war, keine ärztliche Hilfe an.
Ein kurzes Leben und doch eines, das etwas hinterlassen hat, das bis heute wichtig ist, denn vor kurzem wurde eine Neuverfilmung von Wuthering Heights veröffentlicht und feiert grosse Erfolge. 178 Jahre nach ihrem Tod.
Was ich an ihr beeindruckend finde, ist nicht nur, dass sie geschrieben hat, sondern wie und halt auch dass sie es in einer Zeit, in der dies für Frauen keineswegs normal war, getan hat.
Emily Brontë blieb Emily Brontë, auch wenn sie unter einem männlichen Pseudonym schrieb.
Ich glaube, genau darin liegt etwas, das auch heute noch nachhallt und was damals sehr mutig war: Wir müssen nicht immer in die Form passen, die es schon gibt. Den Anspruch, immer verstanden zu werden, dürfen wir ablegen und manchmal braucht das, was in uns lebt oder wächst, einfach Zeit um zu reifen oder den richtigen Moment.


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