Ich möchte euch Sojourner Truth vorstellen


Sojourner Truth wurde nicht frei geboren, sie wurde als Eigentum geboren.
Um 1797 kam sie als Isabella Baumfree im Bundesstaat New York zur Welt, in eine Realität, in der ihr Körper, ihre Stimme, ihr ganzes Leben jemand anderem gehörten. Als Sklavin. Sie wurde verkauft, weitergegeben, behandelt wie etwas, das man besitzen und benutzen kann. Und doch war da etwas ganz tief in ihr, das sich nicht besitzen liess.

Vielleicht war es genau das, was sie später selbst benannte: ihre Seele. Ihre Wahrheit.

Sie konnte weder lesen, noch schreiben. Aber sie konnte sprechen. Und wie sie sprach!

Als sie sich selbst befreite, nicht durch ein Gesetz, sondern durch den Mut, einfach zu gehen, gab sie sich einen neuen Namen: Sojourner Truth. Eine Reisende. Eine, die die Wahrheit trägt.

Und genau das tat sie.

Sie zog durchs Land und sprach über das, was viele nicht hören wollten. Über Sklaverei, Ungleichheit, über Frauen und über das Menschsein. Ihre Worte waren nicht geschliffen, nicht akademisch, nicht perfekt, aber sie waren echt. Und vielleicht war es genau das, was sie so stark machte und was bei so vielen Menschen ankam.

In einer ihrer berühmtesten Reden stellte sie eine Frage, die bis heute nachklingt: Ain’t I a woman? — Bin ich keine Frau?

Sie sprach davon, dass sie gearbeitet hatte wie ein Mann, gelitten hatte wie viele und trotzdem nicht als Frau gesehen wurde, wie es andere Frauen wurden. Ihre Worte durchbrachen etwas.
Das ging tief, denn sie zeigte, dass Feminismus nicht für alle gleich beginnt. Dass es Frauen gibt, die nicht nur um Rechte kämpfen müssen, sondern überhaupt erst darum, als Menschen gesehen zu werden.

Sojourner Truth hatte kein Amt oder Titel und keine formale Bildung. Und doch hat sie Geschichte geschrieben mit nichts als ihrer Stimme.

Das ist beeindruckend! Sie hat nicht gewartet, bis sie „bereit“ war oder bis ihr jemand zugehört hat. Sie hat gesprochen, weil es gesagt werden musste. Und irgendwo erinnert sie uns daran, dass Wahrheit nicht laut sein muss, um kraftvoll zu sein. Dass eine Stimme genügt, wenn sie echt ist. Und dass es manchmal genau die Menschen sind, denen man nichts zutraut, die die Welt verändern…

Sie wurde zu einer der wichtigsten Stimmen ihrer Zeit… für die Abschaffung der Sklaverei, für die Rechte von Frauen, für etwas, das man damals kaum benennen konnte: Gleichwertigkeit. Sie sprach vor Menschen, die nie zuvor einer Frau wie ihr zugehört hatten. Und sie hinterliess etwas in ihnen. Ein Innehalten. Ein Zweifel an dem, was als „normal“ galt.

Sojourner Truth lebte bis ins hohe Alter. Sie starb am 26. November 1883 in Battle Creek, Michigan. Sie starb als eine Frau, die sich selbst ihren Namen gegeben hatte und die ihn mit Leben gefüllt hat. Und irgendwo zwischen all den Jahren, all den Worten, all den Wegen, die sie gegangen ist, bleibt etwas von ihr zurück. Nicht nur Geschichte, sondern eine Stimme, die fragt: Bin ich keine Frau? 🌙

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.