Schöne Worte – Shōganai


Das japanische Shōganai (auch Shikata ga nai) setzt sich aus den Worten shō (Art/Weg) und nai (nicht vorhanden) zusammen. Wörtlich bedeutet es: „Es gibt keinen Weg, etwas daran zu ändern.“ Gemeint ist damit nicht Gleichgültigkeit, sondern ein bewusstes Anerkennen dessen, was ausserhalb der eigenen Kontrolle liegt.

In Switzerland we say:
Es esch, wies esch.

Es gibt Momente im Leben, die sich nicht verändern lassen. Keine Entscheidung, kein Gespräch, kein „wenn ich nur“ kann sie rückgängig machen oder ändern. Und genau dort, an diesem Rand unserer Möglichkeiten, steht ein Wort wie Shōganai.

Wir im Westen haben oft gelernt, dass wir alles beeinflussen können. Dass es immer noch einen Weg gibt, eine Lösung, ein „mehr Anstrengung“. Und manchmal stimmt das auch. Manchmal müssen wir kämpfen, uns einsetzen, Dinge drehen und uns sehr bemühen. Aber nicht immer.

Manchmal ist das Mutigste nicht das Festhalten, das wissen wir ja bereits. Sondern das Loslassen.

Shōganai bedeutet nicht, aufzugeben. Es ist eher ein Akzeptieren, das Einverstanden-Sein mit der Realität, wie sie gerade ist. Ein Moment, in dem wir aufhören, gegen eine Wand zu laufen, die sich nicht bewegen wird. Klarheit.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl:
Wenn etwas passiert ist, das du nicht ändern kannst.
Wenn ein Tag anders verläuft, als du es geplant hast. Eine Diagnose, ein Unfall.
Wenn ein Mensch unerwartet von uns geht, aus welchen Gründen auch immer.
Wenn das Leben sich einfach anders entscheidet als wir es tun würden.

Und dann kommt dieser eine Gedanke, ganz leise: Es ist, wie es ist.

Das ist Einsicht, Akzeptanz und Klarheit. In diesem Moment entsteht Raum.
Raum zum Atmen.
Raum, um weiterzugehen… nicht gegen etwas, sondern mit dem, was ist. Und darin gibt es dann schon wieder Lösungen, Möglichkeiten zum Entscheiden und Mitgestalten. Das ist vielleicht das Wichtigste daran.

Shōganai bedeutet, dass nicht alles repariert werden muss. Dass nicht alles in unseren Händen liegt. Und dass genau darin manchmal eine unerwartete Ruhe wohnt.

Es ist genau das: Nicht das Ende, sondern ein Anfang – nur in eine andere Richtung, als wir eigentlich dachten.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.