
Sylvia Plath wurde 1932 in Boston geboren. Schon früh war sie ein Kind der Worte. Sie schrieb Gedichte, Geschichten, Tagebuchseiten, als würde sie versuchen, ihr Innenleben festzuhalten, bevor es ihr entgleitet. Vermutlich war Schreiben für sie nie nur Ausdruck, sondern auch Halt.
Ihr Leben war geprägt von Gegensätzen: Brillanz und Zerbrechlichkeit, Kontrolle und Überforderung. Aussen eine junge Frau, die studierte, Preise gewann, funktionierte. Innen eine Welt, die intensiver war als die meisten sie je sehen konnten.
Schon als junge Erwachsene erlebte Sylvia eine schwere depressive Krise und einen Suizidversuch. Sie überlebte und kehrte zurück ins Leben, ins Schreiben, ins Weitergehen. Aber etwas von all dem blieb, liess sich nicht einfach abschütteln.
Sie heiratete den Dichter Ted Hughes. Das waren zwei Menschen, beide voller Sprache, beide voller Kraft. Und doch war ihre Beziehung komplex, von Nähe und Distanz, von Inspiration und Verletzung geprägt.
In dieser Zeit entstand ihr einziger Roman: „Die Glasglocke“ („The Bell Jar“). Ein Buch, das sich liest wie ein leises, klares Echo ihrer eigenen Erfahrungen. Die Geschichte einer jungen Frau, die langsam das Gefühl bekommt, unter einer unsichtbaren Glocke zu leben, abgeschnitten von der Welt, von sich selbst.
Aber es sind vor allem ihre Gedichte, die bleiben. Sie sind direkt, schonungslos und wunderschön.
In den letzten Monaten ihres Lebens schrieb sie viele der Texte, die später in ihrem berühmten Gedichtband „Ariel“ veröffentlicht wurden. Es ist, als hätte sie alles, was in ihr war, noch einmal in Worte gefasst – roh, intensiv, ungeschönt.
1963, im Alter von nur 30 Jahren, starb Sylvia Plath in London. Ihr Tod war ein Suizid, in einer Zeit, in der sie an sehr schweren Depressionen litt.
Was bleibt, ist nicht nur Literatur. Es bleibt eine Stimme, die sich nicht angepasst hat, nicht leiser geworden ist, nur weil sie vielleicht hätte leiser sein sollen.
Auch eine Stimme, die zeigt, wie tief ein Mensch fühlen kann und wie schwer es manchmal ist, mit dieser Tiefe zu leben.
Die Geschichte um Sylvia Plath ist keine einfache. Keine „inspirierende“ im klassischen Sinn, aber vielleicht liegt genau darin ihre Kraft: Dass sie nichts beschönigt hat, das Dunkle nicht versteckt hat. Und dass sie Worte gefunden hat für Dinge, für die viele keine Sprache haben.
Mirror
I am silver and exact. I have no preconceptions.
Whatever I see I swallow immediately
Just as it is, unmisted by love or dislike.
I am not cruel, only truthful‚
The eye of a little god, four-cornered.
Most of the time I meditate on the opposite wall.
It is pink, with speckles. I have looked at it so long
I think it is part of my heart. But it flickers.
Faces and darkness separate us over and over.
Now I am a lake. A woman bends over me,
Searching my reaches for what she really is.
Then she turns to those liars, the candles or the moon.
I see her back, and reflect it faithfully.
She rewards me with tears and an agitation of hands.
I am important to her. She comes and goes.
Each morning it is her face that replaces the darkness.
In me she has drowned a young girl, and in me an old woman
Rises toward her day after day, like a terrible fish.


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