lch möchte euch Nellie Bly vorstellen


Veränderung beginnen meistens nicht mit einem lauten Knall von jetzt auf gleich, sondern wie in dieser wahren Geschichte mit einer Entscheidung: Ich will sehen, was andere nicht sehen. Ich will verstehen, was verborgen bleibt. Ich will aufklären.

Elizabeth Jane Cochran, die später unter dem Namen Nellie Bly bekannt wurde, wurde 1864 in Pennsylvania geboren. Sie wuchs in einer Zeit auf, in der Frauen zwar beobachteten, aber selten gehört wurden. Eine Zeit, in der man ihnen erklärte, wer sie sein sollten und nicht fragte, wer sie eigentlich waren.

Ihr Weg in den Journalismus begann mit Wut. Ein Zeitungsartikel behauptete, Frauen seien nur für Haushalt und Familie gemacht. Sie schrieb daraufhin einen Leserbrief, leidenschaftlich, klug, unüberhörbar. Der Herausgeber der Zeitung war davon so beeindruckt, dass er ihr eine Stelle anbot. Doch auch dort wurde sie bald in die üblichen Themen gedrängt: Mode, Gesellschaft, das „Leichte“.

Aber Nellie Bly war nicht leicht. Sie wollte dorthin, wo es weh tat.

1887 traf sie eine Entscheidung, die bis heute nachhallt: Sie liess sich absichtlich in eine psychiatrische Anstalt einweisen: auf Blackwell’s Island in New York. Sie stellte sich krank, spielte ihre Rolle so überzeugend, dass selbst Ärzte sie für „verrückt“ erklärten. Ausdrücke, die damals so gewählt wurden.

Was sie dort erlebte, war furchtbar und alles andere als Genesung. Es war Kälte, Hunger, Gewalt. Sie traf in dieser Anstalt auf unzählige Frauen, die nicht krank waren, sondern einfach nicht ins System passten. Frauen, die man loswerden wollte.
Ich habe übrigens mal gelesen, dass es zu dieser Zeit gang und gäbe war, dass Ehemänner ihre Ehefrauen in solche Anstalten einliefern liessen, wenn sie ihrer überdrüssig geworden waren, eine Scheidung zu dieser Zeit jedoch natürlich unmöglich war. Gesunde Frauen, von denen ihre Männer behaupteten, sie wären krank und Ärzte, die es ihnen ohne Zweifel glaubten.

Zehn Tage blieb sie dort. Das waren zehn Tage, die alles veränderten.
Nach ihrer Entlassung veröffentlichte sie ihre Reportage darüber. „Ten Days in a Mad-House“ war nicht nur ein Text. Es war ein Blick hinter Mauern, die niemand sehen wollte und vielleicht auch sollte. Ihre Worte führten zu Untersuchungen, zu Reformen, zu mehr Geld für die Versorgung von Patientinnen. Sie hatte nicht nur berichtet, sie hatte ganz viel etwas bewegt.

Das war ja auch genau, was sie wollte: Nicht nur hinschauen, sondern verändern.

Nellie Bly blieb nicht danach stehen. Sie reiste alleine um die Welt – inspiriert von Jules Verne – und schaffte es in 72 Tagen. Eine Frau, die alleine reiste, quer über Kontinente hinweg, zu einer Zeit, in der das fast undenkbar war. Auch das war mehr als ein Abenteuer. Es war eine Antwort auf all die Grenzen, die man Frauen setzte.

Später heiratete Nellie einen Industriellen und führte sogar zeitweise dessen Unternehmen. Eine Journalistin wurde zur Geschäftsfrau. Auch das war ungewöhnlich.
Doch nach seinem Tod kehrte sie wieder zum Schreiben zurück.

Sie berichtete aus dem Ersten Weltkrieg. Wieder dort, wo es unbequem war, wieder mitten im Geschehen.

Nellie Bly starb 1922 in New York an einer Lungenentzündung. Sie war damals 57 Jahre alt.

Was bleibt, ist nicht nur ihre Geschichte, sondern auch der Mut, den sie uns weitergeben wollte. Der Mut, die Wahrheit zu suchen, auch wenn keine:r hinschauen will. Nelly Bly hat daran geglaubt, dass es Menschen braucht, die bereit sind, sich selbst hineinzugeben, in Geschichten, die verändert werden müssen.

So eine Frau war sie. Eine, die die Welt ein kleines Stück anders zurückliess, als sie sie vorgefunden hat.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.