Schöne Worte — Særling


Der Ausdruck Særling stammt aus dem Altnordischen.
Es setzt sich zusammen aus „sær“, was so viel bedeutet wie besonders, eigen, anders und der Endung „-ling“, die eine Person beschreibt.
Wörtlich könnte man es also übersetzen mit: jemand, der besonders ist. Oder freier: jemand, der aus der Reihe fällt.

Heute wird das Wort in skandinavischen Sprachen teilweise noch verwendet. Manchmal liebevoll, manchmal mit einem leichten Unterton von „eigenartig“.

Aber ich mag die liebevolle Version mehr.

Særling

Ein Mensch, der nicht ganz hineinpasst, der Fragen stellt. Der anders funktioniert als andere. Der anders aussieht, denkt oder handelt und damit nicht immer so ganz in die sogenannte Norm passt.

Særlinge werden vermutlich manchmal als etwas anstrengend empfunden. Nicht immer bequem. Weder für Systeme, noch für starre Strukturen und auch nicht für enge Denkmuster.

Aber oft sind es genau diese Menschen, die neue Wege sichtbar machen. Vielleicht ist ein Særling das Kind, das lieber alleine liest, während die anderen laut spielen. Oder eines, das zwischen zwei Schullektionen einmal ums Schulhaus herumrennen muss, um sich wieder konzentrieren zu können. Jemand, der sich gern so anzieht, wie es ihm gefällt und dabei einen Style hat, den andere komisch oder gar anstössig finden. Auffällig. Jemand, der laut lacht, wenn es eigentlich niemandem zum Lachen ist. Die Person, die sich nicht erklärt, wenn sie Nein sagt. Der Mensch, der es nicht mag, wenn jemand neben ihm sitzt oder ihn berührt. Jemand, der beim Einkaufen laut Selbstgespräche führt. Oder jemand, der seinen Job kündigt, weil seine Seele leiser geworden ist als sein Kalender.
Ich glaube, es gibt viele Særlinge.

Særling zu sein bedeutet ganz bestimmt, von andern angeschaut und nicht so recht verstanden zu werden. Es bedeutet ganz sicher auch, bewertet zu werden, ganz bestimmt oft sogar abgewertet.
Aber eigentlich ist ein Særling weder besser noch schlechter, als alle andern. Es bedeutet nur, dass seine Form nicht exakt in die vorgesehene Schablone passt.
Wertfrei.

Und weisst du was?
Ich glaube, Schablonen sind manchmal ganz wichtig, damit nicht das komplette Chaos überall herrscht. So funktionieren viele Menschen halt. Es gibt Situationen, da muss man sich in diese Schablonen pressen, auch wenn sie nicht so ganz passen. Es gibt aber auch unzählige Situationen, in denen dies nicht möglich und auch nicht notwendig ist und trotzdem verlangt wird. Daran gehen Menschen kaputt und ich glaube, das möchten wir doch alle gar nicht…

Hinterlasse einen Kommentar

About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.