
Heute Morgen war etwas anders. Jimmy, Tina und Arja merkten es sofort, wussten aber doch nicht so recht, was es war. Irgendwie war die Stimmung anders als sonst.
Aber warum?
Die Sonne schien eigentlich hell und doch war das Licht milchig. Der Himmel wirkte wie mit einem zarten, hellbraun-gelblichen Schleier überzogen.
Arja blinzelte. Sie sass am Rand des Geheges und schnupperte vorsichtig in die Luft.
„Riecht ihr das auch?“ fragte sie leise.
Tina schüttelte ihre hellbraunen Haare aus dem Gesicht.
„Es riecht warm und trocken und es flimmert ein wenig“ sagte sie nachdenklich. „Fast ein bisschen wie Ferien.“
Jimmy stellte sich auf die Hinterbeinchen. Sein kurzes, dunkelbraunes Fell glänzte im gedämpften Licht.
„Ich glaube, es ist Zauberstaub!“ rief er begeistert. „Oder ein geheimes Zeichen aus dem Universum!“
Die Menschen-Mama kam in den Garten und stellte eine kleine Schale Wasser hin. Sie merkte, dass die Meerschweinchen ein wenig unruhig waren.
„Heute kommt Staub aus der Sahara zu uns“ sagte sie ruhig. „Das passiert manchmal. Der Wind trägt ihn tauuuuuusende Kilometer weit. Hier schimmert er fast orangen in der Luft und legt sich dann in einer dünnen Schicht auf alles. Wie unser Staub, aber statt gräulich ist er orange-farben.“
Sahara… Ein Wort wie ein Trommelschlag.
Arja schloss die Augen.
Sie stellte sich weiten Sand vor. Hitze, Dünen, Wind, warm und sanft seine Geschichten über Land und Ozean trägt.
„Also kommt der Staub von ganz weit weg?“ fragte Tina staunend
„Ja“ sagte die Menschen-Mama. „Aus Afrika. Der Wind hebt winzige Sandkörner hoch und trägt sie über das Meer bis zu uns.“
Jimmy war wirklich sehr beeindruckt. Es ist ja nicht so, dass er wusste, wo genau Afrika war, Luzern, das Meer oder irgendein anderer Ort als das Meerschweinchen-Gehege. Dennoch wusste er instinktiv, dass das wahnsinnig weit weg ist.
„Das ist ja wie fliegen!“ rief er begeistert und zog sich schnell seinen Superhelden-Umhang an, mit dem er auch fliegen konnte.
Und tatsächlich! Genau. in diesem Moment wirbelte eine feine, trocken-warme Staubschicht durch die Luft. Fast unsichtbar und doch da.
Am Nachmittag setzte sich der Staub sanft auf die Blätter, so wie die Menschen-Mama es vorausgesagt hatte.
Auf das Dach des Häuschens, auf die Steine und auf die Platten im Garten.
Tina schaute in den Himmel. „Weisst du, was ich schön finde?“
„Was?“ fragte Jimmy.
„Dass etwas, das sooooo weit weg ist, trotzdem bei uns ankommt. Stell dir vor, was diese Staubkörnchen auf dem Weg alles gesehen haben.“
Arja nickte. „Vielleicht ist das wie mit Mut. Oder Hoffnung. Oder Liebe. Manchmal reisen Dinge viel weiter, als wir denken.“
Jimmy dachte kurz nach. Dann sagte er: „Dann bedeutet das wohl, dass wir heute ein bisschen mit der Welt verbunden sind.“
Die drei kleinen Superhelden sassen nebeneinander im warmen, sandigen Licht.
Sie waren nicht in der Wüste. Aber ein Hauch der Wüste war bei ihnen.
Und manchmal reicht genau das, um zu spüren: Wir sind Teil von etwas Grösserem…
ENDE.


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