Ich möchte euch Artemisia Gentileschi vorstellen


Ich möchte euch heute eine Frau vorstellen, deren Bilder laut und ausdrucksstark sind, auch wenn sie selbst oft zum Schweigen gebracht wurde.
Wie bei vielen historischen Persönlichkeiten sind nicht alle Details ihres Lebens bis ins Kleinste gesichert. Doch ihr Werk ist uns erhalten geblieben Uud ihre Geschichte ist dokumentiert. Nicht als Legende. sondern tatsächlich als Realität.

Ihr Name war Artemisia Gentileschi.
Sie wurde 1593 in Rom geboren, als Tochter des Malers Orazio Gentileschi. Schon früh zeigte sich ihr Talent. In einer Zeit, in der Frauen kaum Zugang zu künstlerischer Ausbildung hatten, lernte sie im Atelier ihres Vaters.

Sie war jung, hochbegabt und sie wurde Opfer eines Verbrechens.
Ein Malerkollege ihres Vaters, Agostino Tassi, vergewaltigte sie. Der Fall kam vor Gericht. Artemisia musste unter Folter ihre Aussage bestätigen, um als glaubwürdig zu gelten.
Sie war etwa 18 Jahre alt.
Die Gerichtsprotokolle existieren noch heute.

Es ist erschütternd, dass sie nicht nur Opfer dieser Tat war, sie wurde auch öffentlich infrage gestellt und gedemütigt. Ihre Glaubwürdigkeit und ihr Charakter wurden angezweifelt.

Und doch malte sie weiter. Weder still noch angepasst, sondern wahnsinnig kraftvoll. Ich glaube, dies hielt sie am Leben.

Kurz nach dem Gerichtsprozess gegen Agostino Tassi. also 1612, wurde sie verheiratet. Das war damals nicht unüblich, um den Ruf einer jungen Frau nach einem öffentlichen Skandal wiederherzustellen.

Ihr Ehemann war Pierantonio Stiattesi, ein florentinischer Maler, allerdings deutlich weniger erfolgreich als sie. Die Ehe wurde vermutlich arrangiert. Kurz nach der Hochzeit zog Artemisia mit ihm nach Florenz.

Mit Stiattesi hatte sie mehrere Kinder – wahrscheinlich fünf, wobei nicht alle das Erwachsenenalter erreichten (was damals häufig war). Gesichert ist mindestens eine Tochter namens Prudenzia, die ebenfalls malte.
Die Ehe selbst scheint nicht besonders stabil gewesen zu sein. Es gibt Hinweise auf finanzielle Probleme und Schulden. Später lebte Artemisia über längere Zeiträume getrennt von ihrem Mann und arbeitete selbstständig in verschiedenen Städten.
Es gibt ausserdem Briefe, die auf eine spätere Liebesbeziehung hindeuten, besonders zu einem florentinischen Adligen namens Francesco Maria Maringhi. Aber eine weitere Ehe ist nicht belegt.

Artemisia wurde eine der bedeutendsten Malerinnen des Barock. Sie war die erste Frau, die in die Accademia delle Arti del Disegno in Florenz aufgenommen wurde. Ihre Werke zeigen oft starke, entschlossene Frauen aus der Bibel oder Mythologie:
Judith, die Holofernes enthauptet.
Susanna, die sich gegen Übergriffe wehrt.
Frauen, die handeln, sich wehren.

Viele Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker sehen in diesen Bildern eine Form der Selbstbehauptung. Vielleicht auch eine Verarbeitung. Sicher ist: Ihre Darstellungen sind intensiv und. physisch sehr direkt. Keine dekorativen Figuren und passiven Schönheiten, sondern direkt die Handlung im Zentrum.

Artemisia unterschrieb ihre Werke mit Stolz. Sie definierte sich nicht als Tochter, Ehefrau oder Opfer, sondern als eigenständige Frau.

Lange wurde sie in der Kunstgeschichte übersehen oder nur im Zusammenhang mit ihrem Vater erwähnt. Erst im 20. Jahrhundert begann man, ihr Werk neu zu würdigen. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Epoche.

Was mich an ihr bewegt, ist nicht nur das, was sie erlitten hat. Es ist das, was sie daraus machte.
Sie nahm den Pinsel und malte Frauen nicht als Objekt, nicht passiv im Schatten von mächtigen Männern, sondern als Handelnde.

Bis heute drücken ihre Bilder aus: Ich war hier! Mich hat es gegeben und ich habe Spuren hinterlassen.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.