
Vielleicht kennst du diese Gemälde: Kinder mit übergrossen, traurigen Augen.
Sie scheinen zerbrechlich und verletzlich. Fast so, als würden sie mehr sehen, als wir aushalten könnten.
Diese Bilder wurden weltberühmt.
Aber nicht unter dem Namen ihrer Erschafferin…
In den 60er Jahren begann ihr Mann Walter Keane ihre Werke zu verkaufen und signierte sie mit seinem eigenen Namen. Er behauptete, er habe sie gemalt und die Welt glaubte ihm. Galerien, Sammler, Maler…
Natürlich taten sie das.
Margaret schwieg jahrelang.
Aus Angst und aus Abhängigkeit. Gefangen in einem Geflecht von Manipulation und psychischem Druck.
Ihre Figuren hatten riesige Augen. Als würden sie stumm sagen: Ich sehe die Wahrheit. Und gleichzeitig konnte ihre eigene Wahrheit nicht gesehen werden.
Irgendwann hielt Margarete es nicht mehr aus. Sie trennte sich von. ihrem Mann. Und als dieser weiterhin behauptete, die Bilder seien von ihm, kam es 1986 zum Prozess.
Im Gerichtssaal geschah dann etwas fast Unglaubliches: Der Richter stellte zwei Staffeleien auf und die beiden sollten live ein Bild malen.
Walter Keane weigerte sich.
Margaret setzte sich hin und malte. In weniger als einer Stunde entstand eines dieser typischen „Big Eyes“-Kinder… Unverkennbar und echt.
Damit war bewiesen, was sie all die Jahre wusste. Ihre Kunst war nie verschwunden, nur ihr Name war es.
Was ich an dieser Geschichte eigentlich ziemlich krass finde, ist nicht nur der Betrug, sondern dieses Aushalten und Ausharren über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg. Dieses innere Wissen: Ich bin die Künstlerin, auch wenn es niemand weiss.
Wie viele Frauen, wie viele Menschen erleben dies mit ihren Ideen, ihren Kreationen, ihren Gedanken, aber jemand anderer gibt sie als die Seinen aus?
Margaret Keane hat irgendwann aufgehört zu schweigen. Und vielleicht sind ihre grossen Augen deshalb bis heute so kraftvoll geblieben.
Weil sie uns erinnern: Deine Wahrheit braucht manchmal Zeit. Aber sie lässt sich nicht für immer übermalen.
Margaret Keane ist 2022 im Alter von 94 Jahren gestorben.



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