
Wir wachsen selten allein, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Wenn wir Entscheidungen treffen. Leiden. Kämpfen. Uns unsicher fühlen. Wenn wir uns neu sortieren müssen. Dann glauben wir oft, alles liege nur in unserer eigenen Verantwortung. Weil es unser Weg ist. Unsere Stärke. Unser Erfolg. Unser Scheitern.
Doch vielleicht stimmt das gar nicht ganz.
Sympoiesis… Ein Wort aus dem Griechischen.
Sym — zusammen
Poiesis — erschaffen, hervorbringen
Es beschreibt einen Prozess des „Gemeinsam-Erschaffens“. Wachstum, Entwicklung oder Veränderung entstehen nicht isoliert, sondern durch Verbindung.
Also nicht ich allein, sondern wir. In Wechselwirkung und gemeinsam.
Die Biologin Donna Haraway hat den Begriff geprägt, um zu zeigen, dass Leben immer miteinander verwoben ist. Pflanzen wachsen mit Pilzen im Boden. Ökosysteme entstehen aus unzähligen Beziehungen. Nichts existiert wirklich für sich allein.
Und das gilt das auch für uns Menschen. Wer wir sind, entsteht aus Begegnungen. Aus Gesprächen, die uns geprägt haben. Aus Menschen, die geblieben sind. Und nicht selten auch aus denen, die nicht mehr da sind.
Ein Satz kann Mut machen. Ein Blick kann Vertrauen schenken. Zuhören kann verhindern, dass jemand aufgibt. Sympoiesis erinnert daran, dass Entwicklung kein Wettbewerb ist.
Wir müssen nicht alles alleine tragen. Stärke ja nicht das Gegenteil von Abhängigkeit, sondern die Fähigkeit, sich verbinden zu lassen. Hilfe anzunehmen. Ideen zu teilen. Und gemeinsam zu wachsen.
Ich denke oft daran, wie viele unsichtbare Hände unser Leben mitgestalten. Die Lehrerin, die einmal an uns geglaubt hat. Die Freundin, die konstant Teil unseres Lebens ist, egal was passiert. Das Kind, das uns Geduld beigebracht hat und Liebe gelehrt.
Sogar Bücher, Worte, Begegnungen im Vorbeigehen. Alles hinterlässt Spuren. Manche, noch so kleine, kurze Begegnung kann Spuren wie ein Schneepflug in uns hinterlassen. Der Mensch ist längst wieder auf anderen Wegen unterwegs, seine Spuren wirken nach. Im besten Fall nährend und warm. Im schlimmsten Fall schmerzend.
In Sympoiesis ist ein so tröstlicher Gedanke verankert: Wir müssen nicht alleine herausfinden, wer wir werden. Wir entstehen miteinander, gestalten einander gemeinsam.
Und manchmal beginnt etwas Neues genau in dem Moment, in dem wir erkennen, dass Verbindung die eigentliche Form von Wachstum ist….


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