
Es gibt Tage, an denen Müdigkeit nicht nur körperlich ist. Nein, sie sitzt überall. Zwischen unseren Gedanken, in Nachrichten, in Erinnerungen, in all dem, was sich manchmal zu schwer anfühlt für einen einzigen Menschen.
Die Welt ist lauter und hektischer geworden. Und nicht nur das. Sie ist fordernd und manchmal scheint es schwierig, einigermassen positiv auf all das zu blicken.
Vielleicht ist genau das gemeint, wenn Hilde Domin schreibt:
„Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten.“
Wunder kommen selten mit grossen Gesten. Ein Wunder landet eher wie ein Vogel, vorsichtig, prüfend. Und wenn wir zu hastig sind, zu sicher oder zu verzweifelt, dann fliegt es womöglich erschrocken weiter.
Wer weiss, vielleicht sind Wunder gar keine aussergewöhnlichen Ereignisse. Vielleicht sind sie die kleinen Verschiebungen des Lebens, die kaum jemand bemerkt.
Ein Gespräch, das genau im richtigen Moment stattfindet.
Ein Mensch, der da ist, obwohl es schwierig ist und er gehen könnte.
Eine Geste, die gut tut.
Oder einfach der Moment, in dem du beginnst, dich selbst freundlicher anzusehen. Liebevoller.
Ach, müde zu werden, das ist so begreiflich und ich finde, es ist sehr okay. Es ist wahnsinnig stark, auch in diesen erschöpften Momenten die Hand für ein Wunder offen zu halten.
Manches kommt von ganz allein, wenn wir still genug werden, es zu bemerken. Ein Vogel landet nicht auf einer Faust. Er landet auf einer ruhigen Hand.
Ich glaube, das genau ist Hoffnung: Nicht laut nach dem Wunder zu rufen, sondern leise bereit zu sein…


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