Drei kleine Superhelden —Der Besuch, der nicht bleiben wollte


Es war einer dieser Abende, an denen der Garten langsam leiser wurde. Der Alltagslärm verstummte langsam, die Sonne hing noch ein bisschen im Himmel fest, die Luft roch nach Erde und warmem Holz und irgendwo raschelte es im Lavendel.

Jimmy sass beim Heuhaufen und kaute sehr konzentriert. Tina beobachtete eine Hummel, die eigentlich schon längst schlafen sollte. Und Arja hörte einfach zu… dem Wind, den Blättern, der Ruhe.

Da bewegte sich etwas am Rand des Geheges. Ganz klein und ganz vorsichtig. Zwei dunkle Augen schauten durch das Gitter.

Ein Mäuschen. Es kam nicht näher. Es frass nichts. Es sass einfach da und schaute.

Am nächsten Abend war es wieder da. Und am übernächsten auch. Immer zur gleichen Zeit. Ganz still.

„Es will bestimmt unser Futter“ flüsterte Jimmy. Er setzte sich extra breit vor den Napf.

„Neiiiiiin“ sagte Tina leise „es schaut uns an.“

Arja trat einen Schritt näher ans Gitter. Das Mäuschen wich nicht zurück. Seine Nase bewegte sich schnell, schnupperte all die Gerüche im Garten. Niemand sprach und doch fühlte es sich an wie ein Gespräch.

Mit den Tagen begann Tina sich zu freuen, wenn die Maus da war. Sie erzählte ihm von den besten Löwenzahnstellen. Vom Lieblingsplatz unter der Rampe. Vom Regen, der manchmal von links kam und manchmal von oben.

Jimmy blieb misstrauisch. „Freunde bleiben da.“ sagte er. „Sonst sind es keine Freunde.“

Arja antwortete nicht sofort. Sie beobachtete nur, wie das Mäuschen jedes Mal ging, bevor es ganz dunkel wurde.

Eines Abends brachte Tina ihm ein besonders schönes Stück Gurke ans Gitter. Das Mäuschen roch daran und liess es liegen. Es wollte nichts mitnehmen. Es wollte nur da sein. Neben ihnen. Für einen Moment.

Am nächsten Tag warteten sie länger als sonst. Die Sonne ging unter, der Wind kam. Aber das Mäuschen kam nicht. Auch am Abend danach nicht. Und am nächsten auch nicht.

Tina sass lange am Gitter. Jimmy schob das Gurkenstück näher zu ihr.

„Vielleicht hat es uns vergessen“ murmelte er. Arja blickte in den dunklen Garten.
„Ich glaube nicht“ sagte sie leise.
„Manche kommen nicht, um zu bleiben.“
„Warum dann?“ fragte Tina.

Arja dachte kurz nach.
„Vielleicht“ sagte sie „weil es Begegnungen gibt, die nicht dafür gemacht sind, Teil unseres ganzen Lebens zu werden, sondern Teil unseres Herzens.“

Der Wind bewegte das Gras und für einen ganz kleinen Moment fühlte es sich an, als würde jemand zurückschauen.

Tina lächelte. Und zum ersten Mal tat das Vermissen nicht nur weh, sondern irgendwie auch gut… 🐾

ENDE.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.