Schöne Worte — Croì


Croì kommt aus dem Irischen und wird „kree“ ausgesprochen. Es bedeutet „Herz, Kern, Zentrum“.
Croì ist der Teil von etwas, ohne denn es nicht mehr das wäre, was es ist. Das, was etwas oder einen Menschen ausmacht, was auch immer es ist.
Es ist zum Beispiel der Ort, an dem Bedeutendes entsteht. Das Zentrum eines Seins… Dort, wo Werte zuhause sind, Überzeugungen wachsen, Inspiration entsteht.
Wenn Wünsche leise ihren Namen flüstern…

Croì ist ein gefühltes Wort. Zum Beispiel fühlst du es, wenn du einen Raum betrittst oder jemandem zum ersten Mal begegnest und spürst, dass das etwas Besonderes, etwas Echtes ist.
Für mich persönlich hat das sehr viel mit Inspiration zu tun.

Im Irischen bedeutet es Herz, aber nicht nur im anatomischen Sinn. Es meint den innersten Kern. Das, was übrig bleibt, wenn Rollen abfallen, Erwartungen verstummen. Wenn du dich selbst bist und das Aussen ein wenig verstummt.

Vielleicht kennst du diesen Moment. Wenn du nach einem langen Tag nach Hause kommst, die Schuhe (und den BH) ausziehst und plötzlich denkst: Soooooo…. Und eigentlich viel mehr abgelegt hast als nur die Schuhe und den BH und deine Gedanken wieder deine eigenen sind und alles andere ein wenig in den Hintergrund rücken darf.
Das ist dein croí.

Wir verbringen erstaunlich viel Zeit damit, um unser Zentrum herumzuleben. Das ist einfach eine Zeiterscheinung und ich denke, es geht fast allen so. Jedenfalls dann, wenn man sich nicht ganz bewusst auch zwischendurch mal auf sein croì konzentriert.
Wir funktionieren, organisieren, erklären, passen uns an. Wir sind wahnsinnig leistungsfähig, sogar in unserer Freizeit. Wir werden zuverlässig, stark, vernünftig. Und manchmal so beschäftigt, dass wir kaum merken, wie weit wir uns von unserem eigenen Innersten entfernt haben.

Dabei weiss dein croí oft längst, was richtig ist. Es spürt, wenn etwas nicht mehr stimmt, lange bevor dein Kopf Gründe findet.
Es zieht dich zu Menschen, bei denen du nicht erklären musst, wer du bist. Bei denen du dich sein darfst und dich wohl fühlst. Und es wird traurig und auch müde, wenn du dich selbst zu oft übergehst.

Das croí macht sich nicht selber bemerkbar, wenn es gesehen werden will. Es wartet einfach. Vielleicht ist Selbstfürsorge deshalb gar nichts Grosses, sondern einfach das leise Zurückgehen zu dem Ort in dir, der schon immer da war. Zu dem Teil, der weiss, was dir wichtig ist, was dich berührt und was dich lebendig macht.

In Irland sagt man manchmal, jemand tue etwas „with all their heart“. Gemeint ist damit nicht Perfektion und eine mega Leistung, sondern die Echtheit darin. Also mit Herz, mit Leidenschaft und Liebe. Das ist etwas sehr Persönliches, denn da steckt wahnsinnig viel Gefühl von uns selbst drin.

Manchmal denke ich, es geht ihm Leben gar nicht so sehr darum, ständig neue Wege zu finden, sodern darum, den Weg ZURÜCK zu kennen. Zurück zur eigenen Mitte, zum eigenen Rhythmus, den eigenen Grenzen. Zum eigenen Croì.
Denn dort beginnt nicht nur, wer DU bist, sondern auch alles, was wirklich zu dir gehört.
(Und das, meine Lieben, ist gar nicht so einfach wie es vielleicht klingen mag. Manchmal ist der Weg zu uns selbst der allerweiteste.)

Ich finde das wunderwunderschön. Wirklich, eines der schönsten Begriffe ever.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.