
(Inklusion – Verstehst du es?)
Ich glaube ja, dass die wenigsten und vielleicht mich mit eingeschlossen, Inklusion wirklich verstehen. 100% umsetzen. Und eigentlich würde ich sogar behaupten, dass viele einigermassen etwas davon verstehen bzw ein bisschen, aber wirklich nach wie vor viele, viele Menschen so ziemlich null. Es interessiert sie nicht, weil es sie nicht betrifft bzw weil sie MEINEN, es würde sie nicht betreffen.
Das Blödste am Halbwissen oder Nichtwissen ist ja oft, dass die Betreffenden sich dessen überhaupt nicht bewusst sind.
Für Inklusion bräuchte es eigentlich ja gar keine speziellen Gesetze, die sicherstellen, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung den selben Platz in der Gesellschaft haben wie die anderen und Hilfsmittel erhalten sollen, die ihnen dabei helfen. Kurz und bündig gesagt bedeutet das, dass wenn alle Menschen stehen sollen und einer nur ein Bein oder keine hat, dann braucht er halt Prothesen und die soll er bekommen. Oder er braucht eine Sitzgelegenheit und auch die soll er erhalten. Vielleicht braucht er aber auch eine Erklärung, was er genau tun muss und jemanden, der / die ihm dabei hilft und auch dann steht ihm das zu. Vielleicht braucht er jemanden, der / die ihm das vorliest, in Gebärdensprache erzählt, in seine Sprache übersetzt oder ihm zeigt, wohin er sich stellen soll, weil er nichts sieht und auch dann soll er diese Unterstützung erhalten.
Und wen diese Menschen sich dann noch von A bis B bewegen sollen, brauchen sie vielleicht wieder eine andere Unterstützung und so gilt dies für jeden Bereich des Lebens.
Inklusion bezieht sich aber nicht nur auf die Personengruppe, die dich interessiert. Mit der du zB arbeitest. Inklusision ist eine Lebenshaltung. Eine Haltung dem Menschen gegenüber und auch eine Wertvorstellung. Also gibt es Menschen, die es mehr wert sind als andere, am vollen Leben teilnehmen zu dürfen?
Ich hätte da ein paar Fragen.
Wie sieht es mit Inklusion aus, wenn wir nach wir vor für die Frauenrechte und Frauensicherheit kämpfen? Warum haben die denn nicht einfach dieselben Rechte wie Männer? Natürlich kommen dann viele gleich mit dem Argument, „dann müssen Frauen aber auch ins Militär“. Klar kann man darüber diskutieren. Aber vielleicht beginnen wir zuerst damit, zu sehen, was Frauen überhaupt bereits schon alles leisten für die Gesellschaft. Unbezahlt. Und tatsächlich sehr oft zum eigenen Nachteil.
Aber egal, ob sie wollen oder nicht, es bleibt ihnen ja gar nichts anderes übrig und da weiss ich als alleinerziehende Mutter und besonders als alleinerziehende Mutter eines autistischen Kindes sehr gut, wovon ich spreche….
Oder wie sieht es mit Inklusion aus, wenn ein Mann Teilzeit arbeiten möchte, damit er und seine Frau die Möglichkeit haben, sich beide um die familiären Dinge zu kümmern und auch natürlich ums Geld verdienen? Und Arbeiten ist ja viel, viel mehr als nur Geld verdienen. Arbeiten bedeutet, das zu tun, was man (natürlich neben Familie) gern macht, das was man gut kann, gelernt hat und da wo man viel Potential und Wissen besitzt. Es bedeutet, sich weiterbilden zu können, das Gehirn füttern, sich entwickeln. Arbeit bedeutet auch Abwechslung, rauskommen, Kontakt in einem anderen Kontext. Arbeit bedeutet ganz vieles.
Oder wie steht es mit Inklusion, wenn eine Alleinerziehende eine Arbeitsstelle kündigt oder gar nicht antreten kann, obwohl er / sie ihren Job durchaus gut macht, aber aus familiären Gründen immer freitagabends nicht arbeiten kann, dies aber ohne Wenn und Aber gefordert wird?
Wie klappt es mit der Inklusion, wenn in einem Ort die verschiedenen Nationalitäten untereinander bleiben und die Sprache, die Religion oder Vorurteile eine grosse Barriere bilden?
Wie ist es mit der Inklusion, wenn nach wie vor Kinder, die nicht ins Nadelöhr der Schulstruktur passt, ausgegrenzt werden, einfach weil Wissen, Erfahrung und Ressourcen fehlen?
Wie steht es mit Inklusion, wenn es einfacher ist, Frauenparkplätze nahe beim Eingang des Parkhauses zu machen, statt Männergewalt zu vermindern / verhindern? Oder Mädchen und Frauen zu empfehlen, Selbstverteidigungskurse zu machen? Oder Frauen und Mädchen zu erzählen „Wenn du zum Opfer wirst, hat das immer auch etwas mit DIR zu tun“. Oder sich als Frau lieber darauf zu achten, was man anzieht, damit Männer dies nicht als Aufforderung ansehen könnten. Oder bei Kindern / Mädchen darauf zu achten, was sie anziehen, weil Männer sie sexy finden könnten (kotz). Während bei Jungs das ja komischerweise gar kein Thema ist.
Wie ist es mit Inklusion, wenn du mit der Person, die den Rollstuhl schiebt über die Person, die im Rollstuhl sitzt sprichst, als wäre sie nicht da?
Wie ist es mit Inklusion, wenn so viele nach wie vor Menschen mit einer unsichtbaren Beeinträchtigung / Krankheit nicht für voll nehmen? So à la „wenn ich es nicht sehe, existiert es nicht“.
Das ist übrigens ein Verhalten, das wir aus der ganz frühen Kindheit kennen: Kinder zwischen 2 und 4 Jahren lernen die Perspektive von anderen Menschen erst langsam zu verstehen. Sie kennen bisher nur die eigene Perspektive, die eigene Wahrheit. „Wenn ich dich nicht sehe, kannst du mich auch nicht sehen“. (Beim Versteckis spielen einfach die Augen schliessen).
Wie steht es mit der Inklusion, wenn nichtbehinderte Menschen darüber entscheiden, ob beeinträchtigte Menschen wählen und abstimmen dürfen? Warum dürfen sie das nicht selber entscheiden?
Wie sieht es aus mit Inklusion, wenn es auf der Welt Länder gibt, in denen Frauen in der ausserhalb ihres Hauses NIE von jemandem gesehen werden?
Und wie sieht es mit Inklusion aus, wenn es andere Länder gibt, die sich lieber in diese Richtung bewegen würden statt in die der Gleichberechtigung?
Ach, es gäbe noch so viele Fragen und ich finde sie alle wichtig. Vielleicht habt ihr mir ein paar Antworten oder Meinungen dazu, es würde mich interessieren.
Wir haben alle ein Recht auf Inklusion. „Alle“ schliesst niemanden aus.


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