
Gestern war der 83. Todestag von Sophie Scholl. Sie starb 1943 im Alter von nur 22 Jahren. Besser gesagt: Sie starb nicht einfach. Sie wurde hingerichtet, weil sie sich gegen Adolf Hitler und sein nationalsozialistisches Regime aufgelehnt hatte. Mit ihr zusammen wurden ihr Bruder Hans und ein weiteres Mitglied der «Weissen Rose» getötet. Sie wurden geköpft.
Sophie Scholl wurde 1921 geboren. Die 1930er Jahre waren geprägt vom politischen Umbruch in Deutschland. Adolf Hitler kam an die Macht. Viele Menschen waren begeistert von ihm und seinen Parolen — auch Sophie und Hans Scholl. Sie und ihre Geschwister traten der Hitlerjugend beziehungsweise dem Bund Deutscher Mädel bei, den Jugendorganisationen der Nationalsozialisten. Die Kinder und Jugendlichen machten Ausflüge, organisierten Zeltlager und verbrachten scheinbar unbeschwerte Zeiten miteinander. Damals bemerkten viele noch nicht, dass ihnen dort gezielt Ideologie vermittelt wurde.
Die Geschwister Scholl übernahmen bald Führungsaufgaben, organisierten Anlässe und betreuten Gruppen. Sophie mochte besonders die Aktivitäten draussen in der Natur mit den Mädchen.
Ihre Eltern hingegen teilten die Begeisterung für die Hitlerjugend nicht. Sie erzogen ihre Kinder nach christlichen Werten und lehnten vor allem die Haltung der Nationalsozialisten gegenüber Jüdinnen und Juden ab. So wuchsen die Geschwister Scholl zwischen zwei Welten auf: auf der einen Seite die Werte ihres Elternhauses, auf der anderen Seite die allgegenwärtige Propaganda des Regimes. Dieser Zwiespalt führte nicht nur zuhause, sondern auch innerhalb der Hitlerjugend zu Konflikten. 1938 musste Sophie deshalb ihren Rang als Scharleiterin abgeben.
Sie erlebte zunehmend mit, wie jüdische Menschen ausgegrenzt, schikaniert und verfolgt wurden, wie sie ihre Arbeit verloren und aus dem öffentlichen Leben verdrängt wurden. Zweifel kamen auf. Schritt für Schritt begann sie, ihre eigene Haltung zu hinterfragen. Aus anfänglicher Begeisterung wurde kritisches Denken — und schliesslich Widerstand.
Man schrieb ungefähr das Jahr 1942, Sophie war knapp über zwanzig Jahre alt. Ihr Bruder Hans studierte in München Medizin. Auch er hatte sich inzwischen klar vom Nationalsozialismus abgewendet und gründete gemeinsam mit seinem Freund Alexander Schmorell die «Weisse Rose». Es handelte sich um eine studentische Widerstandsgruppe, die sich auf humanistische und christliche Werte berief, das Ende des Krieges forderte und offen gegen das nationalsozialistische Regime Stellung bezog.
Als Sophie ebenfalls nach München zog, fand sie schnell Anschluss bei den Freundinnen und Freunden ihres Bruders. Ihre Gespräche, ihre Zweifel und ihre Überzeugungen wurden bald auch zu den ihren. Sie gehörte rasch zum engen Kreis der «Weissen Rose».
Tagsüber studierten die Mitglieder, besuchten Vorlesungen und lebten nach aussen hin wie ganz normale Studierende. Nachts jedoch arbeiteten sie im Verborgenen. Sie verfassten Texte, diskutierten Formulierungen und stellten tausende Flugblätter her — in einer Zeit lange vor Fotokopierern oder Laserdruckern. Jede einzelne Seite musste mühsam vervielfältigt werden. Es war gefährlich, anstrengend und verlangte grossen Mut.
In diesen Flugblättern riefen sie die Bevölkerung dazu auf, selbst zu denken, sich nicht länger von Angst oder Propaganda bestimmen zu lassen und Verantwortung zu übernehmen. Sie berichteten von Kriegsverbrechen, von der systematischen Ermordung jüdischer Menschen und davon, dass Schweigen Mitschuld bedeuten könne.
Am 18. Februar 1943 verteilten Sophie und Hans Scholl Flugblätter in der Münchner Universität. Kurz bevor sie das Gebäude verliessen, legte Sophie spontan die letzten Exemplare über das Geländer des Lichthofs, sodass sie in den Innenhof hinunterflatterten. Eine mutige, vielleicht auch impulsive Entscheidung. Gesehen wurde sie dabei vom Hausmeister, der die Geschwister sofort meldete.
Die Gestapo nahm sie noch am selben Tag fest.
Nur vier Tage später, am 22. Februar 1943, wurden Sophie und Hans Scholl sowie Christoph Probst nach einem Schauprozess vor dem Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Noch am gleichen Nachmittag erfolgte die Hinrichtung.
Sophie Scholl wurde 22 Jahre alt.
«Was wir gesagt und geschrieben haben, denken ja so viele. Nur wagen sie nicht, es auszusprechen.»


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