
Normalerweise begann der Tag mit Geräuschen. Zuerst die Vögel, dann der Wind und allerlei Alltagsgeräusche. Und dann, fast immer zur gleichen Zeit, hörten die Meerschweinchen die Schritte der Menschen-Mama im Garten.
Jimmy wusste genau, wann sie jeweils zu ihnen kam. Nicht mit einer Uhr oder Zeit, sondern das hatte er im Gefühl. Alle drei Meerschweinchen hatten eine innere Uhr, die gut funktionierte.
Gleich war es gleich so weit.
Jimmy hatte Hunger nach frischem Heu und er wartete.
Aber es passierte nichts. Die Menschen-Mama kam nicht aus dem Haus. Jimmy setzte sich gerader hin, Tina hob den Kopf. Arja hörte in den Garten hinaus.
Still.
„Vielleicht jetzt dann gleich“ sagte Jimmy.
Aber nein. Kein Schritt. Kein Rascheln. Kein freundliches „Guten Morgen“.
Jimmy wurde ganz unruhig, lief zum Eingang. Und wieder zurück. Dann wieder hin.
„Wir haben vielleicht etwas falsch gemacht, dass sie nicht mehr kommt“ murmelte er.
„Oder sie“ sagte Tina vorsichtig „hat heute einen anderen Morgen als normal.“
Arja schwieg verunsichert.
Es wurde Mittag. Der Garten roch nach warmem Holz, Sonne und Gras. So lang hatte es noch nie gedauert. Die drei frassen vom gestrigen Heu und waren beunruhigt. Hatte die Menschen-Mama sie etwa vergessen?
„Vielleicht kommt sie nicht. Nie wieder.“ flüsterte Jimmy irgendwann. Nie. Das Wort blieb zwischen ihnen liegen, unangenehm sauer.
Erst viel später, als die Sonne sich schon zum Untergehen bereit machte, hörten sie die vertrauten Schritte. Langsamer als sonst…
Die Tür öffnete sich, die Menschen-Mama kam herein, aber nicht wie sonst, sondern leise und müde.
Mit weicher Stimme erklärte sie „Heute bin ich spät dran. Ich bin krank.“
Sie setzte sich erst kurz ins Gras zu den dreien, bevor sie frisches Heu hinlegte.
Jimmy war ganz verdattert. Aber dann lief er zu ihr hin, ganz nah. Er schnupperte und sie roch nach Eukalyptus und Kamille. Sie nahm ihn auf die Hand und streichelte ihn. Er liebte es, wenn sie das tat und ihm sagte, was für ein liebes Meerschweinchen er ist. In diesen Momenten durchflutete es ihn vor Liebe und Wärme und er schaute sie mit seinen schwarzen Augen lieb an.
Arja und Tina fingen an zu fressen. Jimmy blieb noch einen Moment, bis er bei den andern ins Gras gesetzt wurde.
„Der Tag war kaputt, deswegen kam sie später“ sagte er.
Arja schüttelte sanft den Kopf. „Nein“ sagte sie leise. „Er war nur anders, das kann passieren.“
Jimmy dachte nach. Dann frass er endlich vom Heu und fühlte sich wieder besser…
Alles war okay.
ENDE.


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