Drei kleine Superhelden – Erinnerungen an Lotti


Lotti 🕊️💜

An diesem Morgen war alles ganz normal. Die Sonne schien. Die Vögel sangen. Frisches Heu war da. Nur Tina war anders als sonst.
Sie frass, aber ohne ihre kleinen piepsigen Zwischengeräusche. Sie lief, aber langsam und irgendwie ohne Ziel. Als ob ihr heute ein wenig die Lebensfreude fehlen würde.

Jimmy bemerkte es zuerst. „Tina, bist du krank?“
Tina schüttelte den Kopf.
Arja setzte sich neben sie. „Dann fehlt dir etwas. Aber was?“

Tina überlegte lange.
„Heute ist einer dieser Tage…“ sagte sie schliesslich.
„Was für ein Tag?“ fragte Jimmy verwundert, weil der Tag sich für ihn total normal anfühlte heute.

„Ein Lotti-Tag.“
Die beiden kannten zwar den Namen, aber wussten nicht mehr so richtig wer sie war, die Lotti. Das waren längst verlorene Augenblicke und Erinnerungen, irgendwo….

„Wer war sie denn‘ War sie wie wir?“ fragte Arja vorsichtig.
Tina lächelte ein bisschen. „Ja. Und irgendwie aber auch ganz anders.“

Sie erzählte, dass Lotti bereits da war, als sie als ganz kleine Baby-Tina in die Familie kam. Damals war Lotti plötzlich ganz allein, als ihre erste Gefährtin Luna starb. Und dann kamen Luki und kurze Zeit später auch noch das Wuschelbaby Tina dazu, damit sie nicht mehr alleine war. Und das war eine tolle Meerschweinchen-Bande. Tina erzählte von ihren Erinnerungen, als die Menschen-Mama sie geholt hatte bei Caroline und sie dann ins Gehege zu Lotti und Luki legte. Sie war ganz ängstlich, ein bisschen nervös und irgendwie war alles so abenteuerlich. Luki und Lotti kamen beide und schnupperten an ihr und dann nahmen sie sie einfach in ihre Familie auf, das war so einfach.

„Lotti konnte richtig laut pfeifen“ sagte Tina. „Sie war zur Menschen-Mama und besonders zum Menschen-Mädchen ganz zahm. Ganz im Gegensatz zu mir liebte sie es, von ihr gehalten und gestreichelt zu werden und knabberte dann zärtlich an ihrer Nase. Lotti hat immer gesagt, dass das Mädchen ihr Seelenmensch sei und ich glaube, Lotti war auch das Seelentier dieses Menschenkindes. Ich kann mich gut daran erinnern, wie sie geweint hat, als Lotti so. krank geworden ist und dann starb.“

Jimmy legte den Kopf schief. „Das klingt schön. Und traurig, dass sie nicht mehr da ist.“

Der Wind strich durchs Gras, ganz sanft… Es kam Tina vor, als wäre es Lotti, die sanft ihr hellbraunes, langes Fell streichelte…

„Lotti war irgendwie wie eine Mami für mich. Ich war noch so klein und sie schon ein grosses Meerschweinchen. Sie hat mir vieles beigebracht und sie hat gemacht, dass ich mich geborgen fühlte. Sie war sanft, klug und wunderschön.“ sagte Tina.
„Ihr habt sie noch gekannt, aber nur noch kurz. Damals wart ihr beide noch Babies und noch nicht lange bei uns. Die Menschen-Mama hat euch zu uns geholt, als Luki nach einer Operation so plötzlich gestorben ist. Lotti wurde dann leider kurze Zeit später. auch krank und ist gestorben.“

Es wurde Mittag…
Eigentlich war alles gut. Das Futter schmeckte und die Sonne war warm. Tina wirkte immer noch bedrückt und stiller als sonst. Eine kleine Stelle in ihrem Herzchen zog sich ein bisschen vor Schmerz zusammen. Als wäre dort ein Loch. Dort, wo früher Lotti gewohnt hatte. So fühlen sich vermissen und Traurigkeit manchmal an.

„Tut es weh?“ fragte Jimmy.
Tina dachte nach. „Nicht direkt“ sagte sie. „Es ist eher ein Vermissen. Als hätte mein Herz sich erinnert und mein Kopf es nicht ganz verstehen würde.“

Arja legte sich ganz dicht zu ihr. „Dann lass uns heute mehr von ihr sprechen.“
Und Tina tat genau das. Davon, dass Lotti beim Gurken-Versteckis UN.SCHLAG.BAR war. Davon, dass sie besonders mutig war und so wunderschön ausgesehen hatte.

Mit jedem Wort wurde der Tag etwas weicher und Tina begann, sich besser zu fühlen. Es fühlte sich gut an, Arja und Jimmy so nah bei sich zu haben.

Am Abend lagen die drei Meerschweinchen im Gras. Jimmy gähnte. „Jetzt kenne ich Lotti ein bisschen besser.“
Arja nickte. „Ich glaube, heute war sie mehr hier als sonst und ich mag das.“

„Manche verschwinden nicht ganz“ sagte sie ruhig. „Sie kommen an manchen Tagen wieder näher. Dann wenn wir uns an sie erinnern und von ihnen erzählen.“

Und dieser Tag fühlte sich plötzlich so friedlich und warm an. Viel mehr nach schönen Erinnerungen als nach Verlust…

ENDE.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und eine Frau, die sich Gedanken macht und beim Schreiben ihren Akku lädt.