
Misogynie beschreibt die Abwertung oder Geringschätzung von Frauen. Sie zeigt sich nicht nur in offenem Hass, sondern auch in Worten, Haltungen oder Verhaltensweisen, die Frauen herabsetzen, auf ihren Körper reduzieren oder ihnen weniger Kompetenz zuschreiben. In extremen Formen kann sie auch Gewalt gegen Frauen begünstigen oder rechtfertigen. Oft ist Misogynie subtil und gerade deshalb schwer zu erkennen.
Ich überlege mir dies immer wieder und das ist wirklich etwas, das ich auf dieser Welt fast am allerwenigsten verstehen kann.
Ich finde es natürlich auch nicht gut, wenn Männer misogyn sind. Bei Frauen kann ich es einfach noch weniger verstehen, weil ich finde, dass sie sich dann ja selber abwerten und sich selberschaden.
Aber lass uns mal darüber nachdenken:
Ich glaube, dass die Antwort weniger mit Politik zu tun hat, als ich zuerst dachte, denn auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich.
Ein Mann, der Frauen beleidigt, der sexualisierte Sprache benutzt, Frauen benachteiligt ud abwertet, der Grenzen überschreitet… und trotzdem gibt es Frauen, die ihn unterstützen. Das sind nicht wenige und viele davon tun dies sehr bewusst.
Wie passt das zusammen?
Vielleicht passt es gar nicht so schlecht, wenn man einen Schritt zurücktritt.
Zum einen ist es sicher aus einer Gewohnheit heraus. Frauen sind es sich gewohnt, das schwächere Geschlecht genannt zu werden, zu sein. Sie schauen in die Welt hinaus und sehen Frauen, die sehr stark von Männern unterdrückt werden, die ohne die Erlaubnis ihres Mannes nicht Auto fahren, nach draussen gehen, sich medizinisch behandeln, die Schule besuchen, verhüten, nein zu Sex sagen und ganz sicher nirgends mitreden dürfen.
Sie sehen Länder, in denen es normal ist, dass Mädchen (Kinder) verheiratet werden (zB bereits im Alter ab 11 Jahren).
Sie sehen, dass es Frauen gibt, die nie von jemandem gesehen werden, weil sie sich von oben bis unten verhüllen müssen. Männer finden, dass es reicht, wenn sie mit einem Auge etwas sehen und es in Räumen, in denen Frauen sich aufhalten, keine Fenster haben darf – und dann ist das so.
Natürlich findet man im Vergleich mit solchen Ländern, dass Frauen es hier ja gut haben. Aber darum geht es ja gar nicht.
Übrigens geht es im Feminismus nicht um Frauen, die Männer hassen.
Sondern um Männer, die Frauen hassen…
Ich habe gelesen, dass zB viele Trump-Anhängerinnen sich vom Feminismus nicht vertreten fühlen. Dass sie nicht das Gefühl haben, unterdrückt zu sein. Dass sie stolz darauf sind, stark zu sein, durchzuhalten, Verantwortung zu tragen, ohne sich als Opfer zu sehen. Für sie klingt Gleichstellung nicht nach Befreiung, sondern nach Abwertung ihres eigenen Lebensmodells. So nimmt es auch den Druck weg, mithalten zu müssen, sich verändern zu müssen. Das Gewohnte ist oft ein sicherer Wert, auch in ganz schlimmen Lebenssituationen.
Und nun ein kurzer Abschweifer…. Kein Themawechsel, einfach eine kleine Schleife, die ich wichtig finde:
Ich denke auch, dass die heute erwachsenen Frauen damit aufgewachsen sind, gefallen zu müssen. Also es ist ein Kompliment, wenn ein Mann einem an den Arsch fasst oder sich sexuell hingezogen fühlt. Es ist wichtig, sich so zu verhalten, so anzuziehen, dass man eine positive männliche Reaktion hervorruft als Frau. Dazu gehört es manchmal auch, andere abzuwerten, um sich selber aufzuwerten. (gaaaaaaanz schlechte Eigenschaft!)
Ganz bestimmt sind auch heute noch viele Frauen in diesem Gewohnheitsmuster und verstehen es deshalb nicht, wenn andere sich wehren, weil dies nicht okay ist.
Kinder lernen heutzutage schon ganz früh „Mein Körper gehört mir“ . Also, welche Berührungen finde ICH okay, wer darf mich wo und wann anfassen und wer nicht. Sie lernen so, dass es Grenzen gibt. Sie lernen es an sich selbst und erfahren damit auch gleichzeitig, dass jeder Mensch Grenzen hat und dass diese akzeptiert werden. So lernen sie auch, dass Menschen gleichwertig sind.
Wir haben das als Kinder nicht so wirklich gelernt.
Männer nicht und Frauen nicht.
Aber heute ist das anders und es ist gut so. Das schützt Frauen und auch Kinder und macht aber auch, dass es Männer gibt, die sich umgewöhnen müssen, weil nicht mehr alle ihre Verhaltensweisen und Aussagen okay und unhinterfragt sind. Das ist schwierig, aber ich denke, es ist allen zuzutrauen, diese Veränderungen im Umgang miteinander nachvollziehen zu können…
Viele wiederum leben mit grosser Angst. Angst vor sozialem Abstieg, vor wirtschaftlicher Unsicherheit, vor einer Welt, die sich zu schnell verändert. Trump bietet einfache Lösungen, klare Schuldige, laute Antworten. Und auch klare Strukturen, in denen man nicht mehr viel zu entscheiden hat bzw entscheiden muss.
Das ist für viele einfacher und gibt auch Halt.
Zurück zum Thema:
Und dann ist da noch die Zugehörigkeit. Familie, Kirche, Umfeld. Wer dazugehören will, übernimmt oft auch politische Haltungen. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Loyalität und wohl nicht selten auch aus Angst. Nicht jeder Widerstand ist laut, manchmal ist er stilles Ausharren, ein Sich-Anpassen und auch ein Sich-Selbst-Etwas-Vormachen, Nicht-Hinschauen wollen und sich unterordnen, ein bisschen blind werden. Weil es einfacher ist und auch, um sich zu schützen.
Ich glaube auch, dass viele Frauen seine Aussagen relativieren.
„So meint er das nicht.“
„Das ist halt sein Stil.“
„Andere sind auch nicht besser.“
Vermutlich ist nicht die politische Antwort auf meine Frage die interessante, sondern die menschliche.
Sie zeigt, wie unterschiedlich wir dieselben Worte hören und wie unterschiedlich wir unser Leben zB im selben Land wahrnehmen.
Wie sehr unsere Biografie entscheidet, was wir als Bedrohung empfinden und was nicht.
Wie selten Menschen aus reiner Moral wählen, sondern aus Gefühlen heraus: Angst, Trotz, Hoffnung, Zugehörigkeit. Tatsächlich glaube ich, dass es sehr oft Angst ist.
Vielleicht ist das eine Art innerer Schutzmechanismus. Denn wenn man alles ernst nehmen würde, würde es wehtun und ich glaube, spätestens dann kommt man ums Hinterfragen nicht mehr herum.
Ich schreibe das nicht, um zu entschuldigen oder zu werten. Ich versuche einfach, das zu verstehen. Verstehen nicht dasselbe wie Einverstanden-Sein.
Ich kann gewisse Dinge nachvollziehen.
Und es macht mir Angst.
Ich finde es wahnsinnig stark, wenn Menschen sich diesen Themen stellen. Wenn sie sich gegen Misogynie entscheiden und auch einsetzen, Frauen und wirklich tatsächlich auch ganz besonders Männer. Ich freue mich dann sehr darüber, dass sie das Thema verstanden haben. Verstanden haben, dass es nie um Männerhass ging und auch nicht darum, Frauen besser zu stellen als Männer. Ich freue mich, dass es Menschen gibt, die Menschen nicht so sehr kategorisieren und abwerten, sondern alle als gleichwertig sehen. Warum es anders ist oder sein könnte, habe ich noch nie verstanden…
Ich kenne viele Männer, die null misogyn sind.
Ich kenne auch Männer, die wohl keine misogyne Haltung haben, aber sich noch in alten Muster verhalten und sprechen, wo wir dann wieder bei der Gewohnheit sind….
Interessantes Thema…


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