
In der Nacht war es sehr kalt gewesen und auch sehr still. So still, dass selbst der Mond ein bisschen langsamer über den Himmel gezogen war.
Und als der Morgen kam, lag der Garten da, als hätte ihn jemand behutsam zugedeckt.
Jimmy war der Erste, der es bemerkte. Er steckte vorsichtig seine Nase aus dem Häuschen und blieb abrupt stehen.
Alles sah anders aus. Die Gräser trugen feine, weisse Spitzen. Die Zweige glitzerten, als wären sie aus Glas. Sogar die Erde schien heller, ruhiger, fast ehrfürchtig. Zugedeckt mit einer dünnen Glitzerdecke.
Arja trat neben ihn. Ihr langes, weisses Fell bewegte sich kaum im kalten Morgen. Sie sagte nichts. Sie wusste, dass es für diesen Moment keine Worte brauchte. Sie staunte, wie alles im zarten Licht der Wintersonne glitzerte.
Tina kam zuletzt. Sie setzte sich ganz nah zu den beiden und schaute sich um.
„Es fühlt sich an“ sagte sie leise, „als würde der Garten schlafen.“
Jimmy dachte nach. „Vielleicht“ meinte er, „hat der Garten sich einen Mantel angezogen.“
Arja nickte. „Einen Schutzmantel“ sagte sie. „Für alles, was jetzt ruht. Für alles, was wieder wachsen will.“
Sie gingen vorsichtig durch ihr Gehege. Niemand trat absichtlich auf die glitzernden Halme. Es war, als hätten sie verstanden, dass man manche Dinge nicht anfassen muss, um sie zu begreifen.
„Vielleicht ist der Reif eine Erinnerung“, überlegte Tina. „An den Sommer. An Wärme. An Tage, die vorbei sind, aber nicht weg…“
Jimmy schaute zur Sonne, die gerade begann, über den Zaun zu steigen. „Dann ist er da, um zu sagen: Ich habe euch nicht vergessen.“
Und die drei kleinen Superhelden wussten: manches bleibt für immer. Tina und Jimmy schauten einander wissend an und gemeinsam blickten sie liebevoll auf Arja, die all den Glitzer im Garten bestaunte und so voller Leben war…
ENDE.


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