
Oblioscend ist ein leises Wort. Es beschreibt das Vergessen von etwas, das einmal tief wichtig war. So langsam, dass man kaum merkt, wann genau es passiert ist. Etwas rutscht aus dem Vordergrund der Erinnerung in den Hintergrund, wird leiser, blasser, sanfter. Und irgendwann ist es einfach nicht mehr da… man merkt es fast nicht mal, weil es ganz langsam einfach immer schwächer wird.
Oblioscend ist kein hartes Loslassen und auch keine aktive Entscheidung. Es ist eher das unausgesprochene Einverständnis, etwas das im Inneren stattfindet. Das Wissen, dass manches seinen Platz hatte, seine Zeit und seine Bedeutung und dass es nun weiterziehen darf. Nicht, weil es wertlos wurde, sondern weil es einfach jetzt Zeit dafür ist.
Ich mag dieses Wort, weil es dem Vergessen Würde gibt. Weil es zeigt, dass Vergessen nicht immer Verlust bedeutet. Manchmal ist es Heilung. Manchmal ist es Frieden. Manchmal ist es einfach das Leben, das weiterfliesst, während Erinnerungen sanft am Ufer zurückbleiben. Entwicklung.
Vielleicht ist Oblioscend das, was passiert, wenn wir aufhören zu kämpfen. Wenn wir nicht mehr festhalten, aber auch nicht verdrängen. Wenn wir erlauben, dass Erinnerungen ihren eigenen Rhythmus haben. Dass sie kommen dürfen… und auch gehen.
Und vielleicht merkt man erst viel später, dass etwas gegangen ist. In einem Moment, in dem man feststellt: Es tut nicht mehr weh. Es zieht nicht mehr. Es ist ruhig geworden. Und genau dann war es Oblioscend.


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