Schöne Worte — Eclipsara


Eclipsara ist kein altes Wort. Es stammt nicht aus dem Lateinischen, nicht aus dem Griechischen und auch nicht aus einem fernen Land. Es ist eines dieser neueren Worte, die entstehen, weil es für ein Gefühl bisher keinen Namen gab. Zusammengesetzt ist es vermutlich aus eclipse – der Verfinsterung – und einer weichen, melancholischen Endung wie -ara, die an Aura, Trauer oder etwas Schwebendes erinnert. Ein Wort wie ein Schatten. Wie etwas, das sich langsam vor die Sonne schiebt.

Eclipsara beschreibt diese besondere Traurigkeit, wenn ein Mensch, den man lieb hat oder gar liebt, nicht geht, aber auch nicht mehr wirklich da ist. Wenn Nähe sich verflüchtigt. Wenn Gespräche dünner werden. Wenn man merkt, dass sich etwas verschiebt, ohne dass man darauf Einfluss nehmen oder es festhalten kann. Kein Streit, kein klarer Bruch, einfach dieses langsame Entfernen, das nicht räumlich, sondern emotional ist.

Das Schwerste daran ist vielleicht genau das: Es gibt nichts, woran man ziehen könnte, damit wieder mehr Nähe entsteht. Keine Worte, die alles irgendwie wieder richtet. Keine Geste, die die alte Wärme zurückholt.

Eclipsara fühlt sich an wie Dämmerung mitten am Tag. Man weiss, die Sonne ist noch da, aber ihr Licht erreicht einen nicht mehr richtig. Und man steht daneben, sieht es kommen, spürt die Veränderung, und kann doch nichts tun, ausser da sein / bleiben. Dieses Vermissen und das Loch im Herzen aushalten. Loslassen lernen, während man noch liebt.

Vielleicht braucht es solche Worte wie Eclipsara, damit wir begreifen, dass auch dieses stille Verlieren leider manchmal zum Leben gehört und dass es weh tun darf. Dass Trauer ganz oft von aussen nicht sichtbar ist. Manchmal ist sie nur ein langsames Dunklerwerden.

Und manchmal hilft es ein wenig, wenn ein Gefühl endlich einen Namen hat…

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und am Ende einfach ein Mensch auf dieser Erde wie jeder andere auch.