Oktopus


Oktopusse könnten nicht unterschiedlicher als Menschen sein, oder? Das sollte man denken…

Ich habe gelesen, dass Oktopusse auch manchmal genervt sind. Und zwar so richtig, bis zur Weissglut. Nicht nur ein bisschen unruhig, sondern wirklich überreizt, gestresst, zum Durchdrehen. Und wenn es ihnen zu viel wird, dann machen sie etwas erstaunlich Menschliches: Sie werfen Dinge. Muscheln, kleine Steine, Sand. Nicht einfach zufällig oder irgendwohin, sondern gezielt zB auf Fische., Weil sie es gerade einfach nicht mehr aushalten.

Forschende haben beobachtet, dass Oktopusse in solchen Momenten tatsächlich bewusst handeln. Wenn andere ihnen zu nahe kommen, wenn sie gestört werden oder wenn ihre Grenze überschritten ist. Dann wird eben etwas durch die Gegend gepfeffert…

Als ich das gelesen habe, musste ich schmunzeln. Und eigentlich auch nicken. Denn wer kennt diesen Moment nicht? Dieses innere Bedürfnis, alles vom Tisch zu fegen, etwas vor lauter Frust aus dem Fenster zu werfen. Richtig laut zu schreien! Nicht aus Bosheit, sondern aus Frust, Überforderung. Wenn es too much ist.

Oktopusse gelten ja als extrem intelligent. Sie sind neugierig, lernfähig, sensibel. Sie können sich langweilen, sie können sich erinnern und sie können extrem genervt sein. Lange hat man Tieren solche Gefühle abgesprochen und heute weiss man viel mehr.

Vielleicht ist dieses Werfen keine Aggression, sondern Selbstschutz. Ein Ventil sozusagen. Eine Form von emotionaler Regulation. Etwas, das Druck abbaut, bevor er nach innen kippt.

Und vielleicht könnem wir Menschen uns davon etwas mitnehmen. Nicht unbedingt das Werfen selbst, obwohl es manchmal verlockend wäre, sondern die Erlaubnis, Gefühle ernst zu nehmen. Wut. Frust. Dieses „Es ist gerade einfach zu viel“. Gefühle kommen nicht, um uns zu sabotieren. Sie kommen, um uns zu informieren…

Wenn sogar Oktopusse Grenzen haben und zeigen dürfen, dann können das ganz sicher auch wir Menschen. Und zwar ganz ohne uns dafür zu schämen. Denn genervt zu sein heisst nicht, dass etwas falsch läuft. Manchmal heisst es einfach nur: Ich bin lebendig. Ich kenne meine Grenzen und die sind soeben erreicht worden. . 🐙

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und am Ende einfach ein Mensch auf dieser Erde wie jeder andere auch.