Drei kleine Superhelden — Eiswasser


Der Morgen begann ganz ruhig im Meerschweinchen-Gehege.
Der Schnee lag unberührt im Garten, als hätte in der Nacht jemand alles ganz vorsichtig zugepudert. Die Luft war klar und kalt, so kalt, dass jedes Geräusch ein bisschen härter klang als sonst.

Im Häuschen regte sich Bewegung. Jimmy, Arja und Tina kamen langsam heraus, noch ein wenig verschlafen. Ihre Nasen zuckten, als sie die kalte Luft rochen. Es war ein Wintermorgen, wie sie ihn kannten und doch war etwas in der Morgenstimmung heute anders.

Wie jeden Morgen gingen sie zuerst zur Wasserschale, weil sie durstig waren. Tina war die Erste, die stehen blieb. Sie beugte sich vor, stupste vorsichtig mit der Nase an die Oberfläche und erschrak ein wenig. Das Wasser bewegte sich nicht. Es war glatt und hart. Ihr Näschen stiess gegen etwas hartes, kaltes und ihr wurde noch kälter.
„Das ist komisch. Ich sehe das Wasser, aber es ist hart und kalt.“ murmelte sie.
Arja trat näher. In der Schale spiegelte sich ihr weisses Fell ganz klar, als würde sie in einen kleinen See schauen. „Vielleicht schläft das Wasser oder ist verzaubert“ sagte sie.

Jimmy blieb einen Schritt zurück. Veränderungen mochte er nicht besonders. Er schaute lange auf die Schale, dann auf den Schnee rundherum. Seine Pfötchen froren ein bisschen und er hob sie abwechselnd an. Kleine Stiefel wären manchmal ganz praktisch.

Sie liefen ein kleines Stück durch den Garten. Der Schnee knirschte unter ihren Füssen und hinter ihnen blieben kleine Spuren zurück. Neben dem Gehege lag eine Pfütze, die jetzt ganz zu Eis geworden war. Sie glitzerte im Licht des Morgens. Es sah schön aus, aber auch befremdlich.

„Alles ist kalt geworden“ sagte Tina nachdenklich. „Fast so, als hätte eine Zauberfee alles in Eis verwandelt. Übrigens besonders auch meine Füsse.“

Sie wussten nicht so recht, was sie davon halten und nun tun sollten. Also setzten sie sich nebeneinander ins warme Häuschen und warteten. Manchmal war Warten das Beste.

Nach einer Weile hörten sie Schritte. Die Menschen-Mama kam in den Garten, eingepackt in eine dicke Jacke. Sie blieb stehen, als sie die Wasserschale sah und nickte, als hätte sie genau das erwartet. Vorsichtig nahm sie die Schale weg und kam kurz darauf mit frischem, lauwarmem Wasser zurück.
Sie erklärte ihnen, dass das Wasser gefriert, wenn es so kalt wie heute ist.

Jimmy atmete auf. Arja trat näher, Tina gleich hinterher. Sie tranken langsam, dankbar und ruhig. Die Kälte war noch da, aber das Wasser war angenehm.

Bevor die Menschen-Mama ging, streute sie ein paar Körnchen Futter in den Schnee. Die drei machten sich auf die Suche, schnupperten, gruben ein wenig und bewegten sich, bis ihnen wieder warm wurde.

Danach wärmten sich die drei im Häuschen, ganz nah beieinander auf. Sie waren zufrieden und fühlten sich wohl und sicher. Es war gut zu wissen, dass die Menschen-Familie immer gut zu ihnen schaute…

ENDE.

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und am Ende einfach ein Mensch auf dieser Erde wie jeder andere auch.