
Es gibt ein Wort aus dem Isländischen, das aus gluggi, dem Fenster, und vedur, dem Wetter, entstanden ist.
Gluggavedur beschreibt dieses besondere Wetter, das schön aussieht, solange man es von drinnen betrachtet. Regen, der heftig gegen die Scheiben prasselt. Wind, der die Bäume bewegt und durch und durch geht, wenn man draussen ist. Schneeflocken, die vom Himmel fallen, während man im Warmen sitzt.
Gluggavedur ist kein Wetter, das nach Spazieren oder draussen verweilen verlangt. Es ist ein Wetter, dass uns ganz bei uns selber sein und uns entspannter werden lässt. Mit einer Tasse mit heissem Tee oder Kaffee in den Händen, in einem gemütlichen, warmen Raum.
Draussen zeigt sich die Welt wild, kalt oder grau, manchmal auch dramatisch schön, doch sie bleibt hinter Glas. Wir betrachten sie, ohne dabei nass zu werden, kalte Hände und Füsse zu bekommen… Und genau das macht es so besonders gemütlich und schön.
Vielleicht liegt darin der Zauber dieses Wortes: Es erlaubt uns, Schönheit zu sehen in etwas, das viel weniger angenehm wäre, wenn wir ihm ausgesetzt wären. Nicht jedes Erleben verlangt nach Teilnahme. Manche Dinge dürfen betrachtet werden. Still., geschützt und mit Abstand.
Gluggavedur bedeutet auch ganz deutlich, dass Rückzug kein Versagen ist. Dass es Tage gibt, an denen das Leben nicht draussen stattfindet, sondern hier, im Inneren. Dort, wo Gedanken langsamer werden und nichts drängt. Dort, wo wir geschützt einfach zuschauen dürfen.
Und manchmal ist das schönste Wetter genau das, bei dem man bleibt, wo man ist und in dem man sein altbekanntes Wohnzimmer umso kuscheliger findet…


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