
Ich habe einen Satz gelesen, der mir gut gefällt:
Das Glück ist keine Station, bei der man ankommt, sondern eine Art zu reisen.
Wie oft ist Glück als etwas Zukünftiges in unseren Gedanken. Als Ort. Als Zustand, den wir irgendwann erreichen, wenn nur erst alles passt: mehr Ruhe, weniger Sorgen, ein anderes Gewicht, ein anderer Job, eine andere Phase im Leben. Als gäbe es ein Schild am Wegesrand: Hier beginnt das Glück. Oder ist es vielleicht sogar unerreichbar, weil wir nach noch mehr und noch mehr streben?
Vielleicht ist genau das der Denkfehler. Vielleicht liegt das Glück nicht am Ende der Strecke, sondern in der Art, wie wir unterwegs sind. Und das „vielleicht“ kann man auch gleich weg lassen.
Reisen bedeutet Bewegung. Umwege. Pausen. Ungeplante Stopps. Erlebnisse. Erfahrungen. Nicht jeder Tag ist landschaftlich schön, nicht jede Etappe leicht. Es geht mal auf, mal ab. All das gehört dazu. Niemand würde eine Reise abbrechen, nur weil es zwischendurch regnet oder der Zug Verspätung hat. Man richtet sich ein, passt sich an, geht weiter. Erlebt.
Warum erwarten wir dann so oft vom Leben, dass es sich wie ein perfekt geplanter Direktzug anfühlt?
Wenn Glück eine Art zu reisen ist, dann zeigt es sich vermutlich nicht in grossen Momenten, sondern im Dazwischen. In der Fähigkeit, auch schwere Tage mitzunehmen, ohne sie sofort als Scheitern oder „alles schlecht“ zu bewerten. In kleinen Entscheidungen: langsamer zu gehen, genauer hinzuschauen, freundlich mit sich selbst zu sein.
Vielleicht ist Glück nicht das Fehlen von Schwierigkeiten, sondern die Haltung, mit der wir ihnen begegnen. Das Unterwegssein als unser Leben zu akzeptieren, denn ich glaube, das Leben ist nicht zum stillstehen gemacht.
Diese Sicht nimmt Druck. Sie sagt nicht: Du müsstest längst weiter sein. Sie sagt: Du bist unterwegs, gut so. (Schau dir alles genau an!)
Und vielleicht dürfen wir uns erlauben, das Glück nicht länger vor uns herzuschieben. Sondern es im Jetzt, im Unterwegs-Sein zu sehen.
Denn wenn Glück eine Art zu reisen ist, dann beginnt es nicht morgen, sondern wir sind längst unterwegs.


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