
Ich bin über einen Satz gestolpert, der mich nicht mehr losgelassen hat:
“Both fear and faith demand you to believe in something you cannot see. It’s your choice.”
Angst und Vertrauen verlangen beide dasselbe von uns: an etwas zu glauben, das wir nicht sehen können. Es ist deine Entscheidung.
Wie oft glauben wir, Angst sei etwas, das uns einfach überfällt. Etwas, das passiert. Doch dieser Satz legt den Finger genau auf den wunden Punkt: Angst ist nicht nur ein Gefühl, sie ist auch eine Vorstellung. Eine Geschichte, die wir uns selbst erzählen. Eine Zukunft, die wir innerlich ausmalen, ohne zu wissen, ob sie jemals eintreten wird.
Vertrauen funktioniert erstaunlich ähnlich. Auch Vertrauen hat keine Beweise in der Hand. Es ist kein Garantieschein, kein Versprechen. Vertrauen ist ebenfalls ein Sprung. Nur in eine andere Richtung.
Beide, Angst wie Vertrauen, leben von dem, was noch nicht da ist. Beide füllen das Unsichtbare mit Bedeutung. Der Unterschied liegt nicht im „Was“, sondern im „Wofür“.
Angst malt Bilder von Kontrollverlust, Scheitern, Schmerz und Verlust. Sie flüstert uns zu, dass wir vorbereitet sein müssen, dass wir alles bedenken sollten, dass Vorsicht Sicherheit bedeutet. Und manchmal stimmt das sogar. Aber oft raubt uns Angst genau das, was wir eigentlich schützen wollen: Lebendigkeit, Mut und Weite.
Vertrauen hingegen malt keine detaillierten Bilder. Es lässt Raum. Es sagt nicht: Alles wird gut, sondern eher: Ich werde damit umgehen können. Vertrauen ist unspektakulärer und viel leiser. Zu vertrauen braucht mehr Mut als Angst, weil es uns erlaubt, nicht alles zu wissen.
Und vielleicht ist genau das der Kern dieses Satzes: Wir wählen ständig, womit wir das Unsichtbare füllen. Mit Sorgen oder mit Möglichkeiten. Mit Worst-Case-Szenarien oder mit der leisen Hoffnung, dass wir wachsen dürfen. Mit Angst vor dem, was kommen könnte oder mit Vertrauen in das, was wir tragen.
Diese Wahl ist nicht endgültig und nie falsch. Manchmal wählen wir morgens Vertrauen und abends Angst. Manchmal halten wir beides gleichzeitig in der Hand. Aber sich bewusst zu machen, dass es überhaupt eine Wahl ist, verändert etwas.
Vielleicht geht es im Leben weniger darum, keine Angst zu haben. Und mehr darum, dem Vertrauen wenigstens genauso viel Raum zu geben.
Denn wenn wir schon an etwas glauben müssen, das wir nicht sehen können… warum dann nicht an uns selbst?


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