Drei kleine Superhelden — Der Wunsch im Mondlicht


Der Tag war früh dunkel geworden. Schon am Nachmittag hatte sich der Himmel grau gefärbt und als der Abend kam, fiel leise Schnee. Flocke um Flocke legte sich auf den Garten, auf die Äste der Bäume, auf das Dach des kleinen Geheges. Bald war alles weich und still. Wie in Watte verpackt.

Als die Nacht hereinbrach, wurde es sehr kalt. So kalt, dass selbst die Sterne scharf und klar am Himmel funkelten. Und dann, ganz langsam, stieg der Vollmond über die Bäume. Gross und rund hing er am Himmel und tauchte den Garten in ein silbernes Licht.

Im Häuschen regte sich etwas. Jimmy blinzelte verschlafen. Ein heller Streifen Mondlicht fiel durch den Spalt in der Wand direkt auf das Stroh.
„Seht ihr das?“ murmelte er leise.
Arja hob den Kopf. Ihr weisses Fell schimmerte fast wie der Schnee draussen. „Der Mond ist heute ganz nah“, flüsterte sie ehrfürchtig.
Tina kuschelte sich näher an ihre Freunde. „Es ist Vollmond“ sagte sie. „So hell ist es nur ganz selten.“

Draussen war es vollkommen still. Kein Wind und kein Rascheln. Nur der Schnee, der im Mondlicht glitzerte, als hätte jemand tausend kleine Lichter über den Garten gestreut.

Jimmy rückte ein wenig näher an die anderen. Die Kälte machte ihm zu schaffen. Seine Beinchen schmerzten und er war froh, dass die Menschen-Mama ihm ein warmes Kissen ins Häuschen gelegt hatte. So war es angenehm warm und das Mondlicht fiel genau darauf, als würde der gute Mond es noch ein kleines bisschen wärmer machen machen wollen.

„Weisst du“ sagte Tina nach einer Weile ganz leise, „ich habe einmal gehört, dass man sich beim Vollmond etwas wünschen darf.“
Arja sah sie an. „Einen richtigen Wunsch, der in Erfüllung geht?“
„Ja“ nickte Tina. „Aber man muss ihn ganz still denken. Dann hört der Mond besser zu.“

Eine Weile sagte niemand etwas. Sie hörten nur ihr eigenes Atmen und das leise Knacken des gefrorenen Schnees draussen.
Dann schloss Arja die Augen. Sie dachte an den Garten, an den Sommer, an die warmen Tage. Und an diese Nacht, die so ruhig war. Ich wünsche mir, dachte sie, dass es friedlich bleibt. Dass wir sicher sind. Und dass es immer jemanden gibt, der aufpasst.

Der Mond schien unbewegt weiter, aber sein Licht wurde noch ein wenig klarer.

Jimmy kuschelte sich tiefer ins Heu. Seine Beinchen taten ihm in den letzten Tagen oft weh, besonders wenn es kalt war. Ich wünsche mir, dachte er, dass die Schmerzen weniger werden. Und dass ich nicht immer so mutig und tapfer sein muss.

Tina atmete tief ein. Sie dachte an all die Tage, an denen sie zusammen waren. An kleine Abenteuer, an grosse Ängste und daran, wie so vieles gemeinsam überstanden hatten.
Ich wünsche mir, dachte sie, dass wir immer zusammenbleiben. Egal, wie hell oder dunkel es draussen ist.

Der Mond hörte ganz genau zu.

Jimmy spürte, wie seine Augen schwer wurden. Arja legte sich näher zu ihm, Tina schmiegte sich an beide.
Draussen lag der Garten still unter der weissen Decke, beschützt vom Vollmond.

Und während die drei kleinen Superhelden einschliefen, war da dieses leise Gefühl von Hoffnung, dass ganz sicher ein Teil ihrer Wünsche in Erfüllung gehen wird.

Als sie längst schliefen, kam die Menschen-Mama nochmals ins Gehege, um das unterdessen kühl gewordene Wärmekissen durch ein warmes zu ersetzen…

Gute Nacht, kleine Meerschweinchen-Bande

Eine Antwort zu „Drei kleine Superhelden — Der Wunsch im Mondlicht”.

  1. Die Eilenmütze…😍❤️

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und am Ende einfach ein Mensch auf dieser Erde wie jeder andere auch.