
Toska ist ein russisches Wort, das kaum übersetzbar ist und vielleicht genau deshalb so tief wirkt. Es beschreibt eine Art seelische Sehnsucht, eine innere Leere, ein Ziehen im Herzen, das keinen klaren Grund braucht. Nicht einfach Traurigkeit, nicht einfach Melancholie. Toska ist grössere, stillere, schwer fassbare Sehnsucht nach etwas, das fehlt, obwohl man nicht immer weiss, was es ist.
Vladimir Nabokov hat einmal gesagt, toska bedeute „eine quälende Sehnsucht nach etwas, von dem man nicht einmal weiss, was es ist“. Und genau das macht dieses Wort so kraftvoll. Es beschreibt dieses diffuse Gefühl, das viele kennen, aber kaum jemand benennen kann: das Gefühl, dass etwas tief in einem sucht – nach Wärme, nach Sinn, nach Klarheit, nach einem Ort, nach einem Menschen oder vielleicht nach einer Version von sich selbst, die irgendwo verloren gegangen ist.
Für mich ist es vielleicht das einzige Gefühl aus der ganzen Gefühlspalette, das ich wirklich kaum aushalten kann.
Kennst du es auch? Und wie geht es dir damit?
Toska ist irgendwie wie ein grauer, dichter Nebel, der sich über die Seele legt. So wie die Kälte des Nebels, die durch und durch geht, egal wie dick man angezogen ist. Und sie legt ganz schwer auf der Seele, erdrückend schwer.
Es ist fast so, als würde man plötzlich merken, dass man sich selbst vermisst.
Es ist die leise Sehnsucht nach etwas, das man nicht greifen kann, aber trotzdem spürt.
Etwas, das man wahnsinnig vermisst, so dass in der Seele deswegen ein Loch aufklafft und gleichzeitig nicht genauu weiss, was es denn überhaupt ist.
Man fühlt toska oft in Übergangsphasen.
Wenn man etwas hinter sich gelassen hat, aber das Neue noch nicht angekommen ist.
Wenn man merkt, dass das Herz eine eigene Zeitrechnung hat. Oder an Tagen, an denen alles korrekt ist und trotzdem nichts stimmt.
Und gleichzeitig steckt in toska auch etwas Sanftes: Es zeigt, dass wir tiefer fühlen als wir oft zugeben. Dass wir nicht aus Stein sind und dass in uns ein Raum existiert, der nach Bedeutung und Inhalt sucht.
Vielleicht ist toska deshalb so schön, obwohl es sich so schwer anfühlt.
Ein Wort für jene stillen Zwischenräume in uns, die nach mehr verlangen, auch wenn wir nicht wissen, nach was. Ein Gefühl, das uns rastlos werden lässt. Suchen lässt. Und so auch irgendwie weiterkommen lässt.


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