
Lethologica stammt aus dem Griechischen und ist zusammengesetzt aus lēthē (Vergessen) und logos (Wort).
Es beschreibt diesen frustrierend-typischen Moment, in dem man ein bestimmtes Wort kennt, es einem auf der Zunge liegt, man es förmlich greifen kann und es trotzdem nicht kommt. Eine kleine Gedächtnislücke, die meist genau dann auftaucht, wenn man sie am wenigsten brauchen kann.
Ähhhh…. Dings!
Genau das.
Ich finde es schön, dass es überhaupt ein Wort dafür gibt. Für diesen Augenblick, der uns alle menschlich macht. Den wir alle mal erleben und irgendwie lieber nicht würden.
Wir suchen, wir stochern im Kopf herum, wir sehen das Wort schon fast vor uns und doch bleibt es verborgen. Als ob es beschlossen hätte, sich irgendwo in unserem Gehirn zu verstecken. Lethologica drückt ganz genau dies aus.
Und eigentlich steckt darin auch etwas Tröstliches. Wir alle erleben diese Momente. Es hat nichts mit Intelligenz zu tun, nichts mit Alter, nichts mit Unaufmerksamkeit. Es ist einfach das kleine Stolpern des Gehirns, das uns daran erinnert, dass wir keine Maschinen sind. Dass unser Denken aus Wellen, Zwischentönen und manchmal eben auch aus Aussetzern besteht und dass die Tiefen unseres Gehirns tiefer sind als die eines Ozeans…
Manchmal finde ich diese Lücke fast ein bisschen poetisch (aber nur fast, denn um wirklich poetisch zu sein, ärgere ich mich in diesem Momenten zu s eher). Da ist ein Gedanke, der sich zeigen will, aber noch nicht bereit ist. Ein Wort, das irgendwo in uns liegt und ein bisschen länger braucht, bis es an die Oberfläche kommt. Und wenn es dann endlich da ist, fühlt es sich an wie ein kleines Erfolgserlebnis.
Vielleicht hilft lethologica auch, etwas milder mit uns selbst zu sein. Wir müssen nicht immer sofort alles parat haben. Manchmal darf ein Wort auch einfach später kommen. Und manchmal, wenn es dann auftaucht, merkt man sogar, dass die Welt nicht aufgehört hat sich zu drehen.
Lethologica… ein elegantes Wort für eine alltägliche, kleine Kapitulation des Gehirns, die uns zeigt, dass Sprache lebendig ist. Und dass wir es auch sind.


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