Schöne Worte – Amor fati


Manchmal finde ich ein Wort oder eine Aussage und spüre sofort, dass darin etwas steckt, das ich unbedingt erforschen will. Amor fati zum Beispiel. Es bedeutet: das eigene Schicksal lieben. Nicht nur annehmen. Nicht nur aushalten. Sondern wirklich lieben. Mit all den Umwegen, den Pausen, den unerwarteten Richtungen, in die das Leben uns manchmal schiebt oder schubst.

Es heisst nicht, dass alles immer gut ist oder dass ich alles einfach finde. Es heisst nicht, dass wir Schmerzen feiern oder Ungerechtigkeit romantisieren sollen. Und auch nichts verschweigen. Amor fati ist etwas anderes. Es ist ein Einverstanden-Sein mit dem, was uns formt. Das Wissen und das Vertrauen, dass nicht jede Herausforderung gegen uns arbeitet, sondern manchmal erst der Boden ist, auf dem wir wachsen. Wohl oder übel.

Vielleicht ist es diese kleine Verschiebung: Nicht fragen „Warum passiert mir das?“, sondern probieren: „Wie kann ich damit umgehen?“. Was kann ich daraus mitnehmen?“ Oder sogar: „Wie kann ich aus dieser Situation, aus diesem Zustand etwas möglichst Gutes machen?“

Amor fati ist eine Haltung. Wir nicht nur Zuschauer:innen unseres Lebens, sondern Mitgestalter:innen. Dass wir das, was uns begegnet, verwandeln dürfen. In Stärke, in Verständnis, in Tiefe. In etwas Gutes. UNS in jemanden Gutes.

Es ist die Entscheidung, sich selbst nicht im Stich zu lassen, auch dann nicht, wenn es dunkel wird. Die Entscheidung, dem eigenen Weg und vor allem sich selbst zu vertrauen, selbst wenn er im Moment keinen Sinn ergibt oder / und wahnsinnig schwer ist.

Vielleicht ist das wahre Glück genau dort zu finden: in dieser mutigen Liebe zu unserem eigenen Schicksal.

Ich glaube, Amor fati braucht Zeit. Wir können vieles nicht gleich akzeptieren und lieben. Ganz oft kommen anfangs andere Gefühle. Warum ich? Wie soll ich das überstehen? Ich will das nicht! Angst, Überforderung. Erst irgendwann später kann man ruhiger werden und diesen Weg immer mehr als den eigenen annehmen…

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About Me

Mein Name ist Andrea und ich bin die Frau hinter den Worten und Gedanken in diesem Blog.
Alleinerziehende Mama eines Kindes im Autismus Spektrum, Sozialpädagogin und am Ende einfach ein Mensch auf dieser Erde wie jeder andere auch.