
In der Nacht hatte es angefangen. Erst leise, dann stärker.
Es regnete in Strömen.
Als die drei kleinen Superhelden am Morgen aus ihrem Häuschen krochen, trommelte der Novemberregen sanft auf das Dach des Geheges, auf die Blätter, auf den Boden, auf alles, was der Garten zu bieten hatte.
Tina streckte eine Pfote hinaus und liess einen Tropfen auf ihren Fuss fallen.
„Er ist kalt. Aber er klingt schön“ sagte sie mit einem kleinen Lächeln.
Arja setzte sich in den Eingang des Häuschens und lauschte.
„Hört ihr das? Der Regen klingt heute ganz anders als sonst.“
Jimmy stellte sich auf die Hinterbeine, spitzte die Ohren und nickte.
„Er macht ein Lied! Ein richtiges Lied!“
Und tatsächlich Der Regen heute war nicht einfach nur Wasser, das vom Himmel fiel. Er prasselte in Rhythmen, in kleinen Wellen, wie wenn jemand auf viele winzige Trommeln schlägt.
„Kommt, wir hören, von wo die Geräusche kommen“ sagte Arja neugierig.
Zu dritt gingen sie zur Gehegetür und die Menschen-Mama öffnete ihnen ein bisschen, damit sie den Garten sehen konnten, ohne nass zu werden. Der Regen fiel in verschiedenen Tönen:
– Pling-plong auf das Metall des Gartentisches
– Prss-prss-prss auf die grossen Blätter der Hortensie
– Tok-tok auf den alten Baumstumpf
– Pitz-patz-pitz auf die Steine beim Teich
Tina neigte den Kopf. „Es klingt wie viele Stimmen, die zusammen singen.“
„Jaaaa! Es ist der Gartenchor!“, rief Jimmy begeistert. „Der November macht Musik!“ Vor Freude über diese Erkenntnis machte er einen Freudensprung.
Weiter hinten bildete sich eine grosse Pfütze. Der Regen fiel hinein und machte ein tiefes Plopp. Jimmy lief näher hin, blieb aber auf dem trockenen Boden stehen.
„Das ist die Bass-Trommel“ erklärte er wichtig, als hätte er das schon immer gewusst.
Tina lachte. „Eine Bass-Trommel klingt sonst nicht so nass.“
Arja schob eine lockere Strähne ihres weissen Fells zur Seite und sagte ruhig:
„Aber genau das macht den November so besonders. Er macht seine eigenen Regeln.“
Die drei setzten sich nebeneinander unter das kleine Holzvordach und lauschten weiter.
Da war ein neues Geräusch: Tick—tick—tick. Ganz fein, regelmässig.
„Das kommt nicht vom Regen selbst“, meinte Arja.
Jimmy spähte nach draussen. „Es kommt vom Igelhaus!“
Tina staunte. „Der Igel drinnen hört den Regen und bewegt sich wohl ein bisschen. Das klingt, als ob er mitmachen und tanzen will.“
Und dann ein feines Schrrr—schrrr.
Arja lächelte. „Das ist die Maus im Laubhaufen.“
Jimmy nickte. „Sogar die Tiere machen Musik heute. Der Regen hat ihnen ein Lied beigebracht.“
Der Regen wurde stärker, aber die drei blieben warm und trocken unter dem Dach. Sie hörten dem Garten zu und nach einer Weile begann Tina leise mitzusingen. Nicht wirklich mit einer Melodie, mehr ein sanftes Summen. Aria stimmte ein. Jimmy schnupperte erst skeptisch, dann summte er auch.
„Weisst du“ sagte Tina nach einer Weile, „Regen klingt manchmal traurig. Aber heute klingt er ziemlich schön. Gemütlich irgendwie.“
Arja nickte. „Er erzählt uns etwas.“
„Was denn?“ fragte Jimmy.
Arja lauschte kurz, und dann sagte sie: „Dass der Garten gerade schläft. Und dass alles gut ist. Und dass wir warten dürfen, bis wieder Sonne kommt.“
Jimmy lächelte. „Das gefällt mir. Und mit euch beiden ist jedes Wetter schön.“
Plötzlich wurde das Trommeln etwas heller, fast glitzernd.
Tina blickte nach oben. „Schaut mal! Der Regen hat aufgehört.“
Der Garten war still. Die Nebelwolken hingen noch tief, aber da!Durch eine kleine Lücke fiel ein weiches, helles Licht.
Das Licht traf auf die grosse Pfütze und bildete ein winziges Regenbogen-Schimmern. Nicht stark wie ein Sommerregenbogen, sondern ganz zart.
Jimmy atmete tief ein.
„Das ist das Ende vom Lied“ sagte er.
„Ein guter Schluss“ meinte Arja.
„Ein schöner“ ergänzte Tina.
Und die drei kleinen Superhelden sassen eng beieinander, bis das Licht wieder verschwand und der Tag ganz still wurde. Sie wussten: Der November wollte ihnen nicht Kälte schenken, sondern Melodien, Ruhe und ganz viel Geborgenheit, die sie nur zusammen finden konnten.
ENDE.


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