
Es war ein kühler Herbstmorgen. Der Garten war noch feucht vom Tau und zwischen den bunten Blättern hing ein feiner Nebel. Arja, Tina und Jimmy hatten sich gerade durch das kleine Holzhaus ins Freie gewagt.
„Schaut mal!“ rief Tina mit glänzenden Augen und zeigte mit ihrer kleinen Pfote in die Ecke beim Komposthaufen. „Was ist das denn?“
Dort, zwischen Moos und welken Blättern, stand ein riesiger Pilz. Sein Hut war rund und braun, die Kanten leicht eingerollt. Und darunter sah es fast aus wie kleine Falten oder Lamellen.
„Woah!“, staunte Jimmy. „Das ist ja fast so gross wie mein Kopf!“ Er schnupperte vorsichtig daran. „Riecht ein bisschen nach Erde.“
„Ich glaub, das ist ein Regenschirm für Käfer!“ meinte Tina begeistert. „Oder vielleicht ein Häuschen für die Spinne vom Zaun?“
Arja, die immer gern beobachtete, legte den Kopf schief. „Ich hab so was schon mal gesehen, als es lange geregnet hat. Vielleicht wächst er, wenn das Wetter feucht ist.“
Sie setzten sich davor und betrachteten das geheimnisvolle Ding wie kleine Forscher. Eine Ameise lief den Stiel hinauf, und ein winziger Käfer kroch in den Schatten darunter.
„Vielleicht ist es ein Pilzbaum“ überlegte Jimmy laut. „Ein Baum, der noch nicht weiss, dass er mal einer wird.“
Tina lachte und ihr Krönchen wackelte. „Dann müssten ja lauter Pilzwälder wachsen! Stell dir vor, wir wohnen dann in einem grossen Pilzpalast!“
Arja nickte verträumt und sah sich in ihrer Fantasie schon als Pilzessin. „Mit weichen Moosdecken und Regenwassertropfen, die wie kleine Lampen glitzern.“
Gerade da flatterte ein Marienkäfer vorbei. Er landete auf dem Pilzhut und sagte freundlich:
„Das ist ein Steinpilz, meine Freunde. Kein Palast, aber ein guter Ort für Schatten und Schutz. Die Menschen mögen ihn übrigens sehr, sie nennen ihn eine Delikatesse.“
„Eine Deli… was?“ fragte Jimmy. Von so etwas hatte er noch nie gehört.
„Etwas, das sie gern essen“ erklärte der Käfer lachend. „ So wie Gurke für euch. Aber ihr lasst ihn besser stehen. Er gehört zum Herbst wie das Rascheln der Blätter.“
Die drei kleinen Superhelden nickten ehrfürchtig. Dann sassen sie noch eine Weile da, Seite an Seite, und beobachteten, wie das Licht durch den Nebel fiel. Der Pilz schimmerte golden.
„Er ist wie ein kleiner Herbstwächter“ sagte Tina leise „und mit ihm teilen wir unseren Garten gern.
ENDE.


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