
(Alte) Orte tragen Geschichten in ihren Mauern. Orte, an denen oft Glaube, Legende und Geschichte ineinanderfliessen und uns für einen Moment in eine andere Zeit versetzen. Dem nachzugehen ist mega spannend. Einer dieser Orte ist die Heilig-Blut-Kapelle in Willisau. Ich bin darauf gestossen, als ich vor einigen Tagen im Internet nach den Infos für meinen Text über Anna Göldlin gesucht habe und bin dann dem auch gleich noch nachgegangen, weil ich es so interessant finde.
Die Heilig-Blut-Kapelle steht etwas abseits vom Trubel des Städtchens Willisau, gleich beim Obertor. Wer sie betritt, spürt eine besondere Stille, so als hätte sich hier etwas ereignet, das aussergewöhnlicher ist als das Alltägliche. Und tatsächlich führt uns ihr Name zurück in eine Zeit, in der Wunder gesucht und weitererzählt wurden.
Im Jahr 1392 spielten, so berichtet die Legende, drei Männer im „Lustgarten“ (und so heisst der kleine Park tatsächlich auch noch heute) vor dem Obertor von Willisau Karten. Der Streit um den Einsatz eskalierte.
Einer der Männer soll im Zorn sein Schwert gezogen haben und dabei in Gotteslästerung ausgerufen haben, er wolle den Leib Christi durchbohren. In diesem Moment geschah etwas, was die Anwesenden zutiefst erschreckte und erschütterte: Auf dem Tisch erschienen Blutstropfen.
Für die Menschen des Mittelalters war das ein Zeichen des Göttlichen. Das Blut wurde als ein Wunder verstanden, als sichtbare Mahnung, den Glauben nicht zu verhöhnen.
Die Nachricht verbreitete sich rasch. Pilger kamen, beteten, suchten Vergebung und Heilung. Schon bald errichteten die Gläubigen an der Stelle eine kleine Kapelle, um das Heilige Blut zu verehren.
Die erste Kapelle war bescheiden aus Holz, später entstand ein gotischer Steinbau und 1674 erhielt die Kapelle ihr heutiges Aussehen.
Noch heute zeigen Gemälde im Inneren Szenen der Legende: Männer beim Kartenspiel, der Augenblick des Wunders, Menschen, die niederknien und beten. Die Bilder wirken wie eingefrorene Zeitzeugen einer Epoche, in der Glaube und Furcht vor dem Sakralen untrennbar verbunden waren.
Heute besuchen Pilger und Geschichtsinteressierte gerne die Kapelle. Manche kommen in stiller Andacht, andere aus Neugier für die Geschichte. Ein stiller Erinnerungsort. Ein Platz, an dem wir spüren können, wie sehr Menschen sich seit Jahrhunderten nach Sinn, Schutz und Vergebung sehnen und wie aus Angst, Staunen und Glauben Orte entstehen, die noch lange über ihre Zeit hinaus wirken.
Manche Geschichten sind älter als die Mauern, die sie bergen und doch hört man sie noch, wenn man ganz leise lauscht.
https://www.willisau-tourismus.ch/de/poi/heilig-blut-kapelle


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