
Oblivion, ein Wort wie aus einem Fantasy-Roman. Klingt so schön und erfunden.
Oblivion stammt aus dem Lateinischen (oblivio) und bedeutet Vergessen, Vergessenheit. Im Englischen wird es oft für das völlige Verschwinden ins Unbekannte verwendet, doch das Wort hat auch eine sanfte Seite: jenes friedliche Loslassen, wenn Erinnerungen leiser werden und Schmerz verblasst.
Wir denken beim Vergessen oft an Verlust. Aber manchmal ist Vergessen eine Form von Heilung. Oblivion ist das Abklingen einer Wunde, wenn sie nicht mehr jeden Tag brennt. Es ist der Moment, in dem eine Erinnerung zwar bleibt, aber nicht mehr weh tut. Es ist wie Nebel, der sich über zu grelle Bilder legt und sie weicher macht.
Vielleicht kennst du solche Augenblicke:
Du erinnerst dich an etwas Schweres und plötzlich fühlt es sich nicht mehr soooo stechend schmerzhaft an. So wie eine ferne Erinnerung, fast ein wenig verblasst.
Du lässt einen alten Ärger ziehen, weil du merkst, dass er dich nicht mehr nährt.
Du schaust in die Nacht und spürst, dass die Vergangenheit keine Bürde mehr ist.
Ich mag dieses Wort, weil es zeigt, dass Vergessen nicht nur Verlust bedeutet, sondern auch Frieden bringen kann. Oblivion ist kein radikales Auslöschen, sondern ein sanftes Verblassen, damit Neues Platz findet.
Manchmal heilt die Zeit nicht durch Erinnern, sondern durch Oblivion…
Vielleicht dürfen wir uns selbst mehr Oblivion erlauben. Nicht, um Wichtiges wegzuschieben, sondern um Schweres leichter werden zu lassen. Vergessen oder ein wenig nach hinten schieben kann sehr erleichternd sein: für uns selbst und für andere.


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