
Vielleicht hast du ihren Namen schon mal gehört, vielleicht aber auch nicht. Sie heisst Helen Keller.
Helen Keller wurde 1880 in Alabama, USA, geboren. Als sie knapp zwei Jahre alt war, erkrankte sie schwer. Man vermutet heute, dass es sich um Scharlach oder Hirnhautentzündung handelte. Die Krankheit überlebte sie, doch sie verlor dabei sowohl ihr Gehör als auch ihr Sehvermögen. Von da an lebte Helen Keller in einer Welt ohne Worte, ohne Geräusche, ohne Bilder.
Man stelle sich DAS mal vor… Ich glaube, das können wir gar nicht.
Damals gab es kaum Möglichkeiten für Kinder mit Behinderungen. Viele taubblinde Kinder wurden in Heime gesteckt oder (und) blieben ihr Leben lang isoliert, weil sie nicht sprechen oder schreiben konnten.
Doch Helens Familie suchte nach anderern Lösungen.
Mit sieben Jahren bekam Helen eine Lehrerin: Anne Sullivan. Sie war selbst sehbehindert und hatte gelernt, wie man blinde Kinder unterrichtet. Anne Sullivan brachte Helen das sogenannte Finger-Alphabet bei: eine Art, Buchstaben in die Hand zu buchstabieren.
Der berühmteste Moment war der an der Wasserpumpe: Anne hielt Helens Hand unter das kalte, plätschernde Wasser und schrieb dabei W-A-T-E-R in ihre Handfläche.
Das war der Moment, an dem Helen ganz etwas wichtiges verstand: Alles auf der Welt hat einen Namen. Und mit Sprache kann man die Welt verstehen, festhalten, erleben, man kann sich mitteilen und sich mit andern Menschen unterhalten.
Dieser Moment war der Startschuss für ein ganz ausser-gewöhnliches weiteres Leben.
Helen Keller lernte nicht nur tausende Wörter und Begriffe, sondern sie lernte auch zu sprechen. Natürlich mit grosser Mühe, da sie ja nie hören konnte, wie Worte klingen.
Sie schrieb Bücher über ihr Leben. Sie lernte mehrere Sprachen in Blindenschrift, sie schloss sogar als erste taubblinde Person ein College ab. Das Radcliffe College in Harvard.
Aber Helen Keller war nicht nur eine fleissige Schülerin. Sie wurde auch eine laute Stimme für andere Menschen mit Behinderungen. Und das in einer Zeit, in der man sie am liebsten unsichtbar gemacht hätte und fast gar kein Gehör hatte für sie und ihre Anliegen.
Sie hielt Vorträge, sie reiste um die Welt, sie sprach über Gleichberechtigung für Frauen, sie engagierte sich politisch und setzte sich für mehr Bildung und Inklusion ein.
Helen Keller hat der Welt gezeigt:
Menschen mit Beeinträchtigungen sind genau so wertvoll wie alle anderen auch. Sie haben nicht weniger zu sagen oder mitzureden, als andere, sondern genau gleich viel. Sie brauchen bloss den Zugang zu Sprache, Bildung und einer Gemeinschaft, die an sie glaubt, ihnen zuhört und vielleicht manchmal ein bisschen geduldiger ist.
Helen Keller hat sich schon vor mehr als hundert Jahren für Inklusion und Gleichberechtigung eingesetzt. Hat verstanden, wie notwendig dieser Einsatz ist und hat verstanden, warum.
Sie erinnert uns bis heute daran, wie wichtig es ist, Barrieren abzubauen, miteinander zu sprechen und niemals zu unterschätzen, was ein Mensch schaffen kann, wenn jemand ihm die Hand reicht.
Helen Keller war tatsächlich um 1900 schon viel weiter in ihrem Verständnis und in ihren Haltungen und Weltanschauungen als noch so manche:r heute, 2025…
Was sie wohl sagen würde, wenn sie uns jetzt sehen würde, 125 Jahre später und wohl ein paar Schritte weiter, aber doch noch immer an den selben Themen kämpfend? Wenn sie sähe, wieviel Unverständnis und Widerstand da noch immer ist?


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