
Im Gehege war es ruhig. Nur das Rascheln von Heu und das leise Schmatzen von Tina war zu hören. Arja lag ausgestreckt auf einem weichen Tuch in der Kuschelecke. Jimmy jedoch hockte wachsam in seinem Lieblingshäuschen.
„Heute ist der Tag …“ flüsterte Tina mit vollem Mund.
„Was für ein Tag?“ fragte Arja schläfrig.
Tina machte grosse Augen. „Na, der Krallenschneide-Tag! Die Menschen-Mama hat gestern Abend das Handtuch, die Schere und die Leckerlis bereitgelegt. Ich habe es genau gesehen.“
Jimmy rutschte tiefer in sein Häuschen. „Nicht mit mir! Ich bin ein wilder Wald-Meerschweinheld. Ich brauche meine Krallen zum Klettern. Und zum… äh… Buddeln!“
Arja lächelte. „Wir leben im sicheren Gehege, Jimmy. Und klettern können Meerschweinchen nicht.“
Tina zuckte mit den Schultern. „Ich finde es nicht so schlimm. Danach kann man viel besser laufen. Und ich krieg immer ein Stück Gurke.“
Jimmy seufzte. „Aber es kitzelt! Und die Nagelschere ist so gefährlich. Ich habe immer so Angst, dass. sie mich schneidet, ich habe doch so dunkle Krallen, da sieht man gar nicht, wo die Kralle aufhört und das Fleisch anfängt. Ich muss jedesmal laut quietschen, obwohl ich gar nicht will!“
Plötzlich hörten sie Schritte. Die Menschen-Mama kam herein, mit dem Handtuch in der Hand.
„Oh nein! Sie fängt bei mir an! Ich bin immer der Erste!“ jammerte Jimmy. Doch diesmal war alles anders. Die Menschenfrau setzte sich auf den Boden, ganz ruhig, und sprach leise: „Heute nur, wenn du magst, Jimmy. Wir haben ja noch Zeit.“
Jimmy blinzelte. „Was hat sie gesagt?“
Tina schmunzelte. „Sie will dich nicht zwingen. Vielleicht hilft das ja?“
Langsam kroch Jimmy aus dem Häuschen. Er schaute zur Menschen-Mama, dann zu seinen Freundinnen. Sogar Josef, die Schildkröte, schaute zu und war gespannt, was jetzt passieren wird.
„Ich bin ein Superheld“ sagte er tapfer. „Ich schaff das. Aber nur, wenn ihr bei mir bleibt.“
Arja setzte sich links hin, Tina rechts von ihm hin.
Die Menschen-Mama hob Jimmy sanft auf ihren Schoss, wickelte ihn vorsichtig ins Handtuch, wie in eine Superhelden-Decke. Sie hielt eine Pfote nach der anderen und schnitt nur ein kleines Stück vom Nagel ab.
„Sie macht’s ganz sachte“ flüsterte Tina.
Jimmy machte nur einen einzigen kleinen Quiek.
Als er fertig war, rannte er voller Freude und Erleichterung wild im Kreis. „Schaut mal, wie schnell ich bin! Ich bin der Blitz!“
Tina klatschte mit den Pfötchen und Arja musste mega lachen.
„Dann bin ich wohl als Nächste dran“ meinte Arja. „Aber nur, wenn es auch Gurke gibt.“
Und auch Tina hatte keine Angst und hielt ganz still.
An diesem Tag lernten die drei kleinen Superhelden: Manchmal ist etwas Unangenehmes gar nicht so schlimm, wenn man gute Freunde hat und jemand Geduld zeigt.
ENDE.




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